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Mittwoch, 26. August 2026

Melonen Kreuzungen Chamoe mit Zuckermelonen

Im Garten überleben immer mehr Samen empfindlicher Gemüsearten den Winter. Tomaten, Paprika und Kürbis benehmen sich bereits wie invasives Unkraut, das flächendeckend im Garten von selbst aufgeht. Aus Kompost oder von untergehackten Fruchtresten des letzten Jahres. Etwas seltener passiert das mit Melonen, aber es passiert. Auch dieses Jahr sind wieder Sämlinge aufgegangen. Ein paar lasse ich wachsen, wenn sie zufälligerweise gut stehen.

Das "Geburtsbeet", zwischen den Paprika
wächst sie.

 

Was verkreuzt sich gerne? 

Auffällig ist, dass es fast immer Kreuzungen mit dem Elternteil einer koreanischen Chamoe - Melone (in Japan: Makuwa) sind, obwohl ich davon nie viele Pflanzen im Garten habe. Die Samen scheinen robuster und frostfester zu sein. Man kann das am Sämling schon an den Blättern erkennen, wenn man Chamoe-Melonen hat und kennt, an den Früchten sowieso. Die Blätter sind etwas kleiner, fester und besitzen Ränder mit Formen, die etwas von Fledermausflügeln haben. Diese Art baue ich schon seit vielen Jahren an, auch hier gibt es Beiträge dazu: https://gartenzone.blogspot.com/search?q=Chamoe

 

Der Zufallssämling 

Dieses Jahr entstand ein angenehm wachsender, schöner und gutschmeckender Zufallssämling mit erstaunlichem Ertrag. Es kann sich also lohnen, nicht alle Zufallssämlinge gleich auszureissen. Sie war erkennbar eine Kreuzung zwischen einer Chamoe und höchstwahrscheinlich einer Petit Gris de Rennes Melone, die ich ebenfalls jedes Jahr anbaue. Die Pflanze wuchs in einem Beet mit nicht besonders guter Erde, blieb aber wurzelgesund und wuchskräftig. Sie setzte fünf oder sechs Früchte an, brachte sie zur Reife und fruchtete danach stetig weiter, ähnlich Chamoe-Melonen.

Stiellösend

Wie bei fast allen Melonen nördlicher Breiten dauerte es von erfolgreicher Befruchtung der Blüte bis Reife einer Frucht etwa vier Wochen. In dieser Zeit wuchsen recht uniforme Früchte heran, länglich aber weniger oval als eine Chamoe, mit glatter Schale, Linien von Pol zu Pol. Bei Vollreife löste sich der Stiel von selbst und die Schale bekam dann ein paar gelbliche Streifen. Die Früchte waren kompakt, wogen bis 700 Gramm, dufteten nach Chamoe. Auch die Haltbarkeit war günstig und lag nahe an den gut haltbaren Chamoe. Aufgeschnitten zeigten sich im Kernbereich mehr Kavernen als bei Chamoe und die Kerne waren härter, also nicht essbar. Aber das Kernhaus enthielt auch süssen Saft mit über 70° OE. Das Fruchtfleisch war rosa, nur leicht blasser als eine Petit Gris. Deutlich süsser als eine Chamoe, Aroma würziger und kräftiger als Chamoe, auch mit Moschus, Vollsüsse und Erdbeertöne wie eine Petit Gris de Rennes. Die typische nussige Chamoe-Würze war unverkennbar ebenfalls vorhanden, das ganze Ding war eine Aromaaddition beider Sorten ohne Abstriche. Keine Spur von Bittere. Fruchtfeischstruktur genau in der Mitte beider Arten. Kann ich mir besonders gut in einem Obstsalat vorstellen, wo sie die Form schön halten dürfte und mit dem Aroma neben anderen kräftigen Obstsorten besteht.

Grössenvergleich mit diversen anderen Melonen

Im Lagerversuch überstand sie eine Woche im Keller problemlos. Das ist erstklassig, keine Charentais-Melone schafft das. Dieses Erbteil stammt von der Chamoe-Seite. 

Geschält, geschnitten.

Angenehm zu essen, gute Grösse, gesunde Pflanze, gut lagerfähig. Tatsächlich sind derartige Kreuzungen auch in Asien durchgeführt worden, um Chamoe - Melonen genetisch aufzuhübschen, sie süsser und grösser zu machen. Aus der europäischen Melonenwelt bietet sich da eine grosse Vielfalt von Sorten an, die solche Eigenschaften mitbringen. Schafft man über mehrere Kreuzungsstufen eine gute Kombination mit erwünschten Eigenschaften von Chamoe Melonen, erhält man Melonen mit guten Marktchancen und so war es dann auch. Wie sich nun zeigt, ist der erste Schritt nicht schwer und man kann damit Glück haben. Um die Kreuzung zu stabilisieren, müsste man freilich weitere Fremdbefruchtung verhindern und eine Auswahl aus vielen Absaaten der jetzigen Pflanze treffen. Dafür fehlt mit der Platz im Garten, aber es sieht machbar aus, hätte man etwas mehr Ressourcen.

Fruchtgewicht

 

Wer will Samen? 

Die Samen habe ich trotzdem entnommen, aus den ersten Früchten die früh blühten und aller Wahrscheinlinlichkeit nach eine Selbstkreuzung sind. Es war nur eine andere Melonenpflanze in der Nähe und die blühte defintiv später. Gurken, weitere Melonen nur auf der anderen Seite des Grundstücks. Mal sehen, was nächstes Jahr herauskommt. Wer es auch probieren will, soll sich melden, ich verschenke gerne welche von den Samen. Zu erreichen bin ich z.B. über Threema, ID Z2ZZD3FY oder Telegram, @legan15




Samenernte

Samen trocknen

Freitag, 14. September 2018

Melonen: Koreanische Chamoe-Melonen

Einige Chamoe-Melonen
In Korea habe ich sie kennengelernt und täglich gegessen, die kleine gelbe Melone, die dort häufig und überall zu haben ist. Sie ist anders als die in Europa populären Melonen fest und knackig, etwa wie eine frische Einlegegurke. Grösse und Gewicht entsprechen meist einem grösseren Apfel. Die Farbe ist leuchtend gelb mit hellen Rippen und bleibt so. Der Duft ist bei reifen Früchten kräftig und eigenständig. Sie schmeckt nur mässig süss, aber der Zuckergehalt der Früchte erreichte bei meinen im Nutzgarten angebauten Pflanzen immerhin 65° OE. Neuere Züchtungen sind noch deutlich süsser und grösser, da sind bereits 500g üblich. Auch das Aroma ist eigenständig, unreif ist es noch gurkig-neutral, reif mit einem angenehmen, nicht vergleichbaren Ton, der sich gut an andere Dinge anpasst. Sehr reif duftet sie etwas nach Erdnuss. Gegessen wird sie entweder dünn geschält oder mit Schale, wie ein Apfel. Auch die Kerne und das Kernhaus werden mitgegessen, solange es saftig ist, es ist der süsseste Teil der Melone. Wird sie überreif, dann bildet das Kernhaus mehr Kavernen.

Geschichte

Reife Chamoe. Unten noch eine Cantaloupe-Melone.

Alle Zuckermelonen entstammen einem gemeinsamen Vorfahren mit Gurken und wurden zuerst vermutlich in Nordindien kultiviert. Von dort verbreiteten sie sich nach Westen und nach Osten. Richtung Westen entstand unter anderem eine grosse, vielfältige Zuckermelonenfamilie daraus, Richtung Osten entstanden schon vor 1500 Jahren ebenfalls süssere, melonenartige Sorten - unter anderem die Chamoe-Melone (참외), Cucumis melo L. var. makuwa oder Cucumis koreana.

Wahrscheinlich ist sie am nächsten mit der Sikkim-Gurke aus Ostindien verwandt. Heute gibt es in Ostasien mehrere Variationen dieses Typs, auch mit grauer und grüner Schale und bereits etwas Süsse. Der Trend bei Chamoe geht zu mehr Süsse und mittlerweile werden auch westliche Zuckermelonen eingekreuzt, um das zu erreichen.

Über die Art ist in Europa fast nichts bekannt. In den USA hat sie sich auch nicht durchgesetzt und blieb ziemlich auf die asiatischen Einwanderergemeinden beschränkt. In Japan und China kennt man sie, dort gibt es auch eigenen Kreuzungen und Varietäten in diesem Stil, aber wirklich häufig ist sie nicht. In Korea ist sie dagegen extrem populär. Sie ist als einer der nationalen Schätze klassifiziert und es gibt ein Melonenfestival östlich von Seoul.

In Korea werden sie heute in gut belüftbaren Foliengewächshäusern auf dem Feld kultiviert, so wie das in Deutschland ebenfalls bei vielen Kulturen gemacht wird, z.B. frühe Erdbeeren. Die Pflanzen wachsen bodendeckend auf Vlies, Pflanzenschutz gegen Pilzkrankheiten ist üblich. Eine aufziehbare Schattierung gegen zu grosse Hitze ist ebenfalls üblich. Ende Mai beginnt bereits die Haupternte, am letzten Maiwochenende findet auch das Melonenfestival statt. So früh schafft man es selbst im geschützten Anbau im deutschen Klima nicht. Bei den hiesigen Späfrösten und kühlen Nächten bis Mai kann die Auspflanzung erst knapp zwei Monate später erfolgen, unter Folie holt man bestenfalls zwei Wochen Ernteverfrühung heraus.

Reife und reif werdende Melonen am Zaun
In Korea habe ich mich durch die am Markt erhältlichen Sorten durchprobiert, die Geschmacks- und Typenbandbreite war aber für den Nicht-Insider nicht gross. Auch verschiedenartigere Variationen sind vorhanden, die es wie bei Obst in Deutschland nur nicht auf den Markt schaffen, der Markt verlangt Normierung. So gibt es z.B. noch Froschmelonen (Gaeguri-chamoe, wird gern gekocht) oder Apfelmelonen (Sagwa-chamoe). Schliesslich habe ich Sämereien in Korea gekauft, um zurück in Deutschland den Anbau auszuprobieren, die ersten Versuche im grossen Topf. Weitere Recherchen ergaben, dass eine Sorte auch in Deutschland für Hobbygärtner erhältlich war, die "Goldstar", mittlerweile ist sie aber nicht mehr verfügbar. Schliesslich liess ich mir Samen aus Italien und dann aus den USA schicken. Die Qualität ist leider unterschiedlich, bei einer Lieferung aus den USA hatte ich den Eindruck, das wären nur sich aufspaltende F2-Hybriden von einer im Gemüseladen gekauften Melone. Da hat jemand einfach Kerne aus einer Marktfrucht (kommerzielle Sorten sind alles F1-Hybriden) genommen und verkauft, ein gutes Geschäft. Die Pflanzen brachten ungleichmässige Früchte, auch eine weniger gute Färbung.

Details zum Anbau


Gesunde Jungpflanze
Weibliche Blüte
Sie keimten sehr gut, wuchsen schön los und fruchteten leicht. Vorziehen, Anbautechnik entspricht der bei anderen Melonen. Das gelang aber nur in einem lufttrockenen Warmjahr. Ansonsten litten sie exakt unter denselben Problemen wie alle Melonen in Mitteleuropa und viele Gurken im Freiland: Endlos Krankheiten, so dass die Pflanzen es oft nicht bis zur Reife der Früchte schafften. Mittlerweile bekomme ich das besser hin, aber der Weg war lang. Sie sind im Anbau und den Bedürfnissen weder schwieriger noch einfacher, verglichen mit anderen Melonen. Anfälliger sind sie gegen Wurzelkrankheiten, etwas weniger anfällig gegen Brennflecken und Alternaria. Echter und falschen Mehltau so wie andere Melonen. Falscher Mehltau ist in feuchten Jahren der häufigste Spielverderber. Man sollte viele Pflanzen vorziehen und eine Reserve zurückbehalten, um früh eingegangene Pflanzen ersetzen zu können. Der Platzbedarf liegt etwa wie bei Charentaismelonen, pro Quadratmeter kann man eine oder zwei Pflanzen setzen, im kommerziellen Anbau sind es mehr. Von selbst rankt sie nicht besonders, man kann sie aber gut an einem Rankgitter führen. Sie benötigen Bodenfeuchte, aber insgesamt nicht viel viel Wasser und halten in sommerlichen Trockenperioden lange durch. Im Gegensatz zu europäischen Zuckermelonen benötigen sie keine Brettchen als Unterlage, um die Schale vor Fäulnis zu schützen. Auf gut versorgtem Boden können die Früchte ungewöhnlich gross werden, dann liegen sie nicht mehr bei 300g, sondern können 800g erreichen, im Ausnahmefall auch schon mal ein Kilo. Sie fruchten kontinuierlicher wie die meisten andere Melonen und sind damit für den privaten Nutzgarten sehr wertvoll, wo man gleichzeitig reifende Schwemmen nicht schätzt.

Wann ist sie reif?


Stiel hat sich gelöst - reif
Die alte Frage stellt sich auch bei Chamoe-Melonen: Wann sind sie reif? Ich hatte schon Sorten, die bei Reife vom Stiel gegangen sind. Andere, leider auch die Neueren tun das nicht. Überreife Melonen verlieren die Saftigkeit im Kernhaus und gehen dann an Schalenfäule ein. Ein gutes Kriterium ist die genaue Beobachtung des Stiels und der Schale. Verlieren die hellen Rippen zwischen der quietschgelben Rinde den letzten Grünschimmer, kann man ernten. In diesem Zustand kann man sie aber auch noch gute eine Woche an der Pflanze lassen. Beginnt der Stielansatz bräunlich zu werden, erscheinen kleine Risse an der Frucht, dann beginnt die Phase der Überreife und man sollte sofort ernten. Einmal geerntet lassen sie sich wie eine Gurke bis zu einer Woche kühl lagern und erfreuen am Anfang mit einem schönen Duft.
Vollreife, Stiel hat erst Verkorkungszeichen
Überreif, Risse. Sie fault aber nicht so schnell.

Überreif - kräftige Kavernenbildung, leichte Holzigkeit
Und Exitus - Faulstellen beginnen oft am Blütenende

 

Essen


Dünn geschält, kellerkühl schmecken sie mir am Besten, aber man kann sie auch ungeschält essen. Mit Allem. Mit Kernen und ihren gelatinösen Hüllen, die besonders lecker ist. Eine kleinere Melone ist die ideal Portionsgrösse für eine Person für den Obstanteil des Früchstücks. Kühlung für längere Lagerung über maximal eine Woche hinaus halte ich für sinnlos, weder hält sie länger noch gewinnt sie kühlschrankkühl an Geschmack. Sie ist geschmacklich sehr anpassungsfähig an andere Zutaten.

Vermehrung


Verkreuzte Melonen, Chamoe und Charentais
Will man sie per Samen vermehren, ist auf Selbstbefruchtung zu achten. Man bringt den weiblichen Blüten am Tag des Aufblühens mit dem Pinsel Pollen von männlichen Büten oder tütet weibliche Blüten zur Sicherheit vor der Aufblühen ein, damit nicht ein Insekt doch noch schneller ist. Sie verkreuzen sich sonst sofort und gern mit allen möglichen anderen Zuckermelonensorten, die sonst so im Garten stehen. Solche Hybriden habe ich auch schon mehrfach bekommen. Nette Versuche, aber herausgekommen ist wenig dabei. Die Ergebnisse lagen optisch zwischen Chamoe und einer Cantaloupe-Melone, schmeckten sehr mässig, teilweise auch bitter.

Aus dem Gewächshaus habe ich ein paar Früchte, bei denen die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass sie sich verkreuzt haben (andere Melonen habe ich nur im Freiland). Wer es wagen will und Samen testen will, dem schicke ich gerne welche, solange Vorrat reicht, Kontakt-eMail Adresse im Profil.

Warum sollte man sie ausprobieren?

 

  • Hat Idealgrösse, gute Frühstücksmelone
  • Eigenständiges Aroma, angenehm aber nicht so kräftig, schmeckt jedem
  • Besser haltbar und besser transportabel (sogar schüttfähig) wie Cantaloupemelonen
  • Für Freunde des knackigsüssen Fruchtfleischs statt den Weichmelonen. Da tropft auch nichts auf die Hose, obwohl sie durchaus saftig ist.
  • Tolle Optik, so knalllgelb sind nicht mal Honigmelonen
  • Essen wie einen Apfel, Messer und Schalenabfälle nicht unbedingt Folge bzw. nötig. Damit auch gut auf Reisen zu verzehren.



Melonen: Mehr Sorten und Schwemme trotz Kaltjahr
Melonen, die Mimosen des Gartens und Fehler bei der Auspflanzung
Melonen, was brauchen sie?
Melonen: Die häufigsten Krankheiten
Melonen im Nutzgarten: Sortenerfahrungen und Sortenempfehlungen
Melonen: Koreanische Chamoe-Melonen

Samstag, 18. August 2018

Melonen im Nutzgarten: Sortenerfahrungen und Sortenempfehlungen


In früheren Beiträgen ging es schon um Pflanzung und optimale Bedingungen für Melonen, diesmal möchte ich von einigen Erfahrungen mit Sortengruppen und Sorten berichten. Es sind eigene Erfahrungen, die ich selbst im Anbau über mehrere Jahre hinweg gemacht habe.

Aktuelle Situation


Zuerst aber der Garten. Das Jahr 2018 entpuppt sich als ein ziemlich irres Melonenjahr. Trockenheit und Hitze sind so gross, dass sie sogar die Sonnenkinder Melonen schädigen. Aber wenn die Pflanzen den Juli gesund erreicht haben (was nie ganz der Fall ist), bleiben sie in der trockenen Luft auch sehr lange gesund und fruchten, fruchten, fruchten.

Sortengruppen


Wenn man über Melonensorten spricht, ordnet man sie immer in Typen ein. Leider mischen sich die  Bezeichnungen für Sortengruppen ständig neu. Im Laufe der Zeit wurden unzählige Namen für Melonengruppen erfunden. Beispiel: Zuckermelonen, Honigmelonen, Netzmelonen, Galiamelonen, Charentaismelonen, Ogen-Melonen...
Viele Sorten, die im Supermarkt angeboten werden sind aber Hybriden, Mischformen verschiedener Gruppen die lange im Regal gammeln können und mit den Eigenschaften, von denen der Einzelhandel glaubt dass sie der Kunde wünscht - bevorzugt wird zum Beispiel genetzte Schalenstruktur, kräftige Fruchtfleischfarbe, Süsse trotz fehlender Vollreife.

Melonen aus der Gruppe der Cantaloupe-Melonen


Die grösste Aromavielfalt und -Kraft findet sich unter Cantaloupe-Melonen. Der Name kommt vom Ort Cantalupo in Sabina / Italien. Dem Papst wurden Melonensamen aus Armenien geschickt, Mönche in seiner Sommerresidenz in Cantalupo züchteten damit um das Jahr 1700 die Stammsorten der heutigen Cantaloupe-Melonen. Diverse andere Melonentypen sind aber schon sehr viel länger in Europa bekannt.

Eine Untermenge der Cantaloupe-Melonen sind Charentais-Melonen, Abkömmlingen der Cantaloupe-Melonen, benannt nach der Gegend in Frankreich, in der sie bis heute beliebt sind. Sie sind noch aromatischer, wohl die Melonen mit dem stärksten Eigenaroma überhaupt. Innen orange, aussen meist glatt mit leichten Rippen, verhältnismässig kleine Früchte mit kurzer Haltbarkeit, stark duftend wenn vollreif. Früh reif.

Im süddeutschen Freilandanbau sind Charentaismelonen vielleicht die interessanteste Sortengruppe und auch die, bei der sich der Eigenanbau am meisten lohnt, denn ausgereifte Früchte erreichen wirkliche Spitzenqualität.

Cantaloupemelone Bari

"Bari" ist eine frühe Cantaloupe, nur wenige Tage später reif wie frühe Charentais-Melonen. 2018 schon Mitte Juli, sonst Anfang August. Sie ist wenig spektakulär, der Geschmack süsslich (erreichte 55° OE), aber kein ausgeprägtes Moschusaroma wie es Charentaistypen haben. Durchschnittlich krankheitsfest. Alte Massensorte ohne herausragende Eigenschaften. Ihre beste Eigenschaft sind die häufig grossen Früchte, die grössten erreichten bei mir 1,5 Kilogramm. Voraussetzung dafür ist gute Versorgung mit Nährstoffen.

Gruppe fast reifer "Bari" Melonen
Reife Bari-Melone. Stiel löst sich gerade, Farbe Gold.
Bari. Aufgeschnitten. Kernhaus gross, Schale dick.

Cantaloupemelone Stellio

Moderne Hybridsorte - von allem etwas, aber nichts richtig. Erträge gut, mit dem Geschmack konnte ich mich nicht anfreunden, wenig aromatisch. Sieht gut aus, wächst gut, früh (Süddeutschland Mitte Juli bis Mitte August). Sieht auch aufgeschnitten toll aus, das Fruchtfleisch ist kräftig dunkelorange, Früchte 800-1200g. Zeigte sich robust gegen echten und falschen Mehltau, aber sehr anfällig für Brennflecken und Stengelbrand. Sie schmeckten oft schon nach Aceton, wenn der Stiel abging. Besser schon ernten, wenn Risse am Steil erscheinen.

Gruppe Melonen "Stellio" Anfang Juli 2018

"Stellio" halbiert. Sehr kräftig gefärbt. Aber kein kräftiges Aroma.

"Stellio". Gut versorgte Pflanzen bringen verhältnismässig schwere Früchte.

Cantaloupe/Charentaismelone Summer Dream

Neuere Züchtung, ich würde sie zu den Charentaismelonen stellen. Interessant an dieser Sorte ist, dass sie sich recht robust gegen Krankheiten zeigt, vor allem gegen falschen Mehltau. Sie hielt länger durch wie andere Sorten. Nach dem Ansatz der ersten Früchte fruchtet sie schnell wieder, man kann länger ernten weil sie länger lebt. Die Samen sind nicht teuer und leicht zu bekommen. Mit 1,1kg ist sie gross, hat den Charentais-Moschusgeschmack. Etwas grosses, lockeres Kernhaus. Duft mittel. Stiel löst sich gerade so bei Vollreife. Bei Farbumschlag der Schale ernten. Wenige Tage später löst sich auch der Stiel. Ist es heiss, hat sie dann manchmal bereits Gärgeschmack.

"Summer Dream" glattschalig, grüngelb.
Grosses Kernhaus, Farbe innen etwas blass, aber gut.
Cantaloupemelone Wrangler

Früh (normales Jahr ab Mitte Juli), ertragreich, uniforme Früchte mit ca. 900g Gewicht. Frucht- und Aromaeigenschaften mässig, eher vom Cantaloupe-Typ wie vom Charentais-Typ. Früh reif und hält sich ein paar Tage. Duftet wenig. Diese Sorte würde ich für den Markt anbauen, aber nicht mehr für den Eigenbedarf.

Wrangler
Cantaloupemelone Orange Sherbet

Auch eine ältere Sorte vom Cantaloupe-Typ. Gut süss, Aroma okay. Lässt man sie lange genug an der Pflanze, löst sich der Stiel und sie wird innen bis zur äussersten Schale orange, vielleicht daher der Name. War aber etwas kränklich. Der grösste Frucht mit 2,23kg - ein Mordsding.

"Orange Sherbet" hat ovale Form
Durchgängig Orange
Stiel löst sich bei Vollreife. Dann tritt orange Saft aus.

Cantaloupemelone Emir

"Emir" ist aussergewöhnlich saftig, hat zartes Fleisch, lagert sich ein paar Tage lang gut. Vollsüss und gross ist sie auch. Frühreifend. Aber dieses besondere Charentais-Moschusaroma, auch im Duft, ist nicht kräftig. Mehr Cantaloupe wie Charentais. Kräftig benetzt wie sie ist, scheint sie auch Galiatypen im Stammbaum zu haben. Die Bilder von "Emir" bei Samenhändlern weichen deutlich voneinander ab. Kann sein, dass es bezüglich dieser Sorte Verwirrungen oder verschiedene Typen gibt.

Melone "Emir"
Links: De Charentais. Rechts: Summer Dream.
Oben: Zufallskreuzung. Unten: Emir.


Charentaismelone Murrmel

Es gibt sogar Sorten aus Deutschland, Murrmel stammt aus Steinheim an der Murr. Die Früchte werden selten schwerer wie 500g. Grosse Früchte sind breiter wie hoch, glatt, graugelb. Sehr süss (kann man auch als zu stark empfinden), aromatisches Charentais-Aroma, Duft kräftig, nicht haltbar, eher früh ernten kurz bevor sich der Stiel löst. Gesamtertrag mässig. Sehr viele Früchte mit Untergrösse, daher wahrscheinlich die weitere Namensbedeutung. Sie ist während der Reife empfindlich auf Regen. Regenwasser kann zwischen Frucht und Oberhaut gelangen, sie verdirbt dann schnell. Trotzdem eine gute Sorte für Freilandanbau, reift wie alle Charentaismelonen früh: In Hitzejahren ab Mitte Juli, sonst ab Ende Juli. Keine positiven oder negativen Auffälligkeiten bei Krankheiten.

Mehrere "Murrmeln" reif
Charentaismelone Petit Gris de Rennes

Das ist ein absoluter Klassiker, eine frühe Züchtung und sicher eine der geschmacklich Besten. Aber auch leider eine Mimose, nicht gerade krankheitsfest. Die Früchte sind ebenfalls klein, knapp 800g schwer, meist 650g, Früchte unterschiedlich gross, aber mit einem gutem Anteil normal grosser Früchte. Typische gefleckte Musterung mit zuerst dunkelgrüner Grundfarbe und breiten, geschwungenen Rippen. Man erkennt sie sofort. Süss, ausgesprochen ausgewogen in allen Komponenten, edles und feines Aroma. Duftet kräftig. Ertrag mässig, nicht haltbar. Herrlich. Mir sind auch schon späte Freilanddirektsaaten gelungen. Stiel löst sich bei Reife. Erscheinen Risse, dann sofort ernten.

Links die grüne Rennes, rechts die ebenfalls kleine "Murrmel"
Petit Gris de Rennes, klein aber oho
Charentaismelone Sivan

Moderne Sorte, F1-Hybride, gezüchtet in Frankreich, wird vertrieben von Graines Voltz. Samen sind leider in Deutschland nicht erhältlich, sie wird nur als Jungpflanze in Gartenmärkten verkauft, häufig veredelt. Sorte ist aber geschmacklich sehr gut mit viel Aroma, robust und liefert hohe Erträge. Wichtig für den privaten Nutzgärtner: Sie tut das über einen längeren Zeitraum, die Früchte reifen verhältnismässig folgernd. Mir lieferte eine Pflanze neun Früchte mit 600-800g. Das Fruchtfleisch ist ebenfalls schön, etwas fester aber mit samtiger Konsistenz. Stiel löst sich bei Vollreife. Duftet kräftig.
Ähnlich und in gleicher Weise über Gartenmärkte verkauft wird "Ardor", zeigt sich aber in allen Punkten schwächer wie Sivan.

"Sivan" links fast reif, rechts reif
Halbiert. Bisschen dicke Schale, aber gut.

Charentaismelone de Charentais

Der Urvater aller Charentaismelonen. Mit ihr hat sich der "Charentaistyp" von "Cantaloupe" endgültig getrennt. Reinerbig, keine F1-Hybride. Alle anderen Charentaismelonen-Züchtungen haben sie im Stammbaum. Sie schmeckt erstklassig, intensiv, ist aber nicht haltbar und die Pflanze ist unterdurchschnittlich krankheitsrobust. Sie durch einen feuchtkühlen Frühsommer zu bringen ist nicht einfach. Die Früchte sind klein, aber gleichmässig. Nur die spät angesetzten Früchte können verzwergen. Stiel löst sich bei Vollreife. Sollte man ausprobiert haben. Das ist genau der Typ Melone, für den sich Eigenanbau im Freiland lohnt.

Als alte Sorte sind die Samen preiswert. Von ihr sollte man viele Jungpflanzen ziehen und auch mit Freilandaussaaten Ende Mai experimentieren. Da sie früh reif wird, können auch Direktsaaten noch Früchte bringen. Eine gute Sorte, um verschiedene Stellen im Garten auf Melonentauglichkeit zu testen. Und wenn sie reif wird, man ihren Duft wahrnimmt, sie aufschneidet und hineinbeisst weiss man sofort, warum man sich die Mühe gemacht hat.

De Charentais, grüngrau, nur leicht benetzt, klein
De Charentais halbiert

Chamoe-Melonen aus Korea Early Silver Line

Chamoe-Melonen aus Korea sind einen eigenen Artikel mit mehr Hintergrund wert. Man bekommt Samen in Europa selten und die reifen Melonen niemals. Ich hatte schon mehrere Sorten, z.B. "Goldstar", die" Early Silver Line" und andere. Die Sortenunterschiede sind nicht so gross. Neuere Sorten sind etwas süsser und grösser, das typische Gewicht liegt bei nur 300-500g. Gut versorgte Pflanzen können bis in den Herbst fruchten und liefern viele der kompakten gelben Bömbchen. Auch für Topf- und Gewächshauskultur sehr gut geeignet. Die "Early Silver Line" hat dieselben Ansprüche an Platz, Klima und Boden wie eine Charentais-Melone, reift ein bisschen später. Auf Welke-Wurzelpilze ist sie anfälliger (wenig giessen!), auf Blattkrankheiten etwas weniger anfällig. Sie ist arttypisch quietschgelb, mässig süss, helles und sehr festes Fruchtfleisch. Das wird bei Überlagerung holzig, nicht matschig wie andere Arten. Und sie duftet etwas in ihrem typischen Aroma. Man schält sie mit einem Schälmesser, isst sie wie einen Apfel und am leckersten ist das Kernhausgelee. Das Aroma ist nicht stark aber spürbar, hat mit dem Aroma anderer in Europa gängiger Sorten wenig zu tun. Eigenständig. Für mich sehr, sehr angenehm, allerdings bin ich da nach meiner Zeit in Korea etwas vorbelastet. Dort habe ich kennengelernt und täglich gegessen. Der Stiel löst sich Vollreife, das scheint aber nicht bei allen Sorten der Fall zu sein. Sie schmeckt, sobald sie ganz gelb ist, auch die helleren Rippen. Haltbarkeit nach Ernte bis zu einer Woche.

Gut versorgt fruchtet sie reichlich
Eine Handvoll Melone
Halbiert und geschält: Chamoe-Melone

Weitere Zuckermelonen

Als Zuckermelone im Laden wird die grüne "Piel de Sapo" vekauft, sie ist lange haltbar und gut transportfähig, geschmacklich aber ausser einer kräftigen Süsse wenig differenziert, duftet auch nicht. Die Sorte ist mir für den Eigenanbau zu langweilig. Etwas interessanter ist die Variante "Gelbe Kanarische", die als Honigmelone verkauft wird. Die habe ich getestet.

Ihr Ansprüche an Boden und Wärme sind hoch, es ist keine frühreifende Melone, dürfte in weniger guten Jahren nicht reif werden. Hat sie das richtige Wetter und reift weiter die Supermarktware, wird sie sehr süss, für meinen Geschmack übersüsst. Der Stiel löst sich bei Vollreife nicht. Die Pflanzen werden relativ gross mit langen Ranken.
In etwa so reif wie Supermarktware
Weiter gereift wird die Schale gefurchter
In Vollreife bekommt das Fruchtfleisch einen rosa Schimmer

Hales Best

Alte Sorte aus den USA. Oval. Geschmack okay, aber Früchte faulen leicht, am Kelch und Stengelansatz reissen sie schnell auf, vor allem nach Gewitterregen. Anfällig falschen Mehltau. Sie schmecken gut, sehr saftig, weich, gefällig, Mischung aus Cantaloupe und Honigmelone. Aber es gibt Besseres.

Hales Best

Sakata Sweet

Sehr kleine Melönchen aus Japan. Sie reift früh und wird vor Vollreife geerntet, wenn die Schalenfarbe von Grün nach Gelb umschlägt. Dann ernten und noch gekühlt etwas liegen lassen. Verwandt mit den Chamoe-Melonen, ebenfalls festes Fleisch.

Essreife "Sakata Sweet"
Halbiert. Bei guter Düngung ist das Fruchtfleisch dicker.
Zu reif. Dann reisst sie und süsser rosa Saft tritt aus.
Galia-Melone Exelor

Galia-Melonen sind sehr beliebt im kommerziellen Anbau des Südens, weil sie sehr lange haltbar sind und gut transportfähig. Dieser Typ wird sogar im Winter aus Mittel- und Südamerika nach Europa exportiert. Bei uns reifen sie im Anbau oft nicht ganz aus. Aber es gibt auch Sorten, die das gut schaffen. Das Aroma ist leider oft nur mittelmässig.
Exelor schafft die Reife, in der Regel wird sie Anfang August reif. Meine Pflanzen hatten starken Fruchtansatz, waren aber auch gut versorgt. Keine besonderen Anfälligkeiten, aber auch keine besonderen Qualitäten. Vorrangig süss, Fruchtfleisch grünlich. Besser nicht erst ernten, wenn sich der Stiel von selbst löst, sondern schon wenn sich Risse am Nabel zeigen.


Gruppe vieler Exelor-Melonen. Gewicht max. 1,5kg.

Grünfleischige Melone Model

Interessante Varietät, auch eine die man auf den Märkten nicht findet. "Model" reift etwas später, eher Anfang August. Sie bleibt aber auch lange gesund. Die Melonen sind klein, gleichmässig gross, im Verlauf des Wachstums erst glatt dann gerippt, schliesslich bekommt sie goldgelbe Töne. Das Fruchfleisch ist sattgrün, bei Vollreife hellt es noch auf. Nicht zu früh ernten. Sie wird gelb und am Stiel bekommt sie Risse, braucht dann aber noch einige Tage bis zur Vollreife. Der Ertrag ist zögerlich, am Anfang als erster Ansatz oft nur ein, zwei Früchte, aber sie kann aber bis in den Herbst noch einiges nachliefern.
Im Aroma unterscheidet sie sich deutlich von Cantaloupe & Charentais. Am ehesten ist es einer guten Galiamelone ähnlich, aber mit einem eigenständigen Ton, etwas anis- und bananenartig, vielleicht fällt mir noch ein besserer Vergleich ein. Lecker und kräftig, meiner Ansicht nach viel besser wie die meisten Galiamelonen. Sicherlich eine Hybride mit Eltern verschiedener Sortengruppen.

Gruppe reifer und fast reifer "Model" Melonen
Kleine Früchte, 500-700g, im Schnitt knapp 600g
Innen kräftig grün, bei Vollreife hellt sie vom Kernhaus her auf.
Wassermelonen

Habt ihr noch nicht genug :-) ? Eigene Abteilung, für heute reichen die anderen Sorten. Angebaut habe ich schon Sweet Siberian, Viking, Sugar Baby, Crimson Sweet... aber da unterscheiden sich selbst angebaute Melonen nicht so furchtbar stark von gekaufter Ware, deshalb sind Wassermelonen für mich im Eigenanbau weniger attraktiv.

Melonen: Mehr Sorten und Schwemme trotz Kaltjahr
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