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Freitag, 26. Dezember 2025

Mandeln auf der Obstwiese

Pumperlgsund, grün und Vollbehang: Mandel

Seit Jahren gibt es wenig Freuden- und Erfolgsmeldung von Obstwiesen. Alles wurde immer nur schlechter, massenhaft neue und verschlimmerte alte Krankheiten, brutale Wetterextreme, sterbende Bäume, es macht in immer mehr Gegenden keinen Spass mehr. In unserer schon recht lange nicht mehr. Geschlossene Obstwiesen sind verschwunden, es geht nicht zu Ende, sondern ist schon am Ende. Erfahrungen darüber, was man noch machen und pflanzen kann, ob extensiver privater Anbau von Obst oder anderen Gehölzen irgendwie weiter entwickelt werden kann bekommen noch einen eigenen Betrag.

Für heute soll es um eine einzelne Art gehen, mit der ich tatsächlich langjährige und gute Erfahrungen gemacht habe: Der Mandel, Prunus amygdalus. Ja, ausgerechnet Mandeln, die früher als Mimosen galten, immer gefährdet, tragen angeblich nie wegen sehr früher Büte und gehen schnell ein. Und doch steht eine bei mir, die schon 15 Jahre alt ist, über fünf Meter hoch und mittlerweile gute Ernten bringt. Und andere wachsen. Problemfrei sind sie nicht und einiges ist zu beachten, falsche Hoffnungen sind zu vermeiden. Aber da läuft was. Gehen wir es im Detail durch, wo die Haken und Stärken meiner Erfahrung nach sind:

Das Beschaffungsproblem

Eben geöffnete Blüte noch mit
verkapselten Pollenständen

Schon der Kauf ist etwas schwieriger. Mandeln sind unüblich oder gelten als Zierpflanzen, eine Ziermandel ist in Deutschland leichter zu kaufen wie Fruchtsorten. Wenn es Sorten gibt, dann nur wenige, am häufigsten ist "Dürkheimer Krachmandel" und "Pfälzer Fruchtmandel". Manchmal werden Findlinge als Sorten verkauft und mit neuen Namen versehen. Auch solche Sorten probiere ich aus, etwa die "Thürheimer". Schon viel seltener gibt es französische Sorten, dort sind Ferragnes, Ferraduel und noch mehr populär. Von dort habe ich neben Ferragnes und Ferraduel auch Guara. Gerade das sind auch interessante Sorten für Deutschland, aber mit Einschränkungen, dazu später mehr. In Frankreich wird auch aktiv gezüchtet, die Ergebnisse draus machen Mandeln robuster und weniger frostgefährdet. Ferner gibt es auch Hybriden mit speziellen Eigenschaften, die selbstfruchtbare Robijn etwa habe ich, hat aber mehr Monilia.

Zum Baum gehört auch die Unterlage, die man sehr wichtig nehmen sollte. Gute Kalk- und Trockentoleranz und genug Zuwachs für eine Obstwiese haben die arteigenen Unterlagen oder Hybriden draus, das ist Mandelsämling, GF 677 (ein Mandel-Pfirsichhybrid) und oft auch Bromptonpflaume. Die Bromptonpflaume hat Vorteile auf schweren Böden und bei anhaltendem Regen, erstere haben den besten Wuchs und die beste Trockenresistenz. Keinesfalls sollte man St.-Julien Pflaume verwenden, ein Klon ("A") wächst entweder zu schwach, der andere ("INRA2") macht Wurzelausläufer.

Das Befruchterproblem

Vollblüte. Und der Duft... Paradies.

Und so blühte meine erste Mandel jedes Jahr wunderschön. Dann fielen immer alle Blüten ab, keine Früchte, auch ohne Frost. Ein Befruchterproblem? Dabei hat mir jemand erzählt, sie könnten von Pfirsich oder Aprikose bestäubt werden? Davon habe ich viele Bäume und Sorten unmittelbar neben der Mandel. Nutzt aber nichts, wie ich seither weiss. Nicht alle, aber die meisten Mandelsorten benötigen eine andere Mandelsorte, sie sind weder selbstfruchtbar noch werden sie durch andere Arten befruchtet. Sie brauchen die eigene Art, Süssmandeln, blühend zur selben Zeit natürlich. Es gibt besondere Ausnahmen, etwa Mandel-Pfirsich-Hybriden, die manchmal auch gute mandelähnliche Kerne liefern.

Dann pflanzte ich mehr Mandeln. Eine Sorte hatte schon im Pflanzjahr Blüten, weil das aufverdelte Edelreis schon mit Knospen ankam. Schlagartig fruchtete auch die grosse Mandel, statt nur Blüten abzuwerfen - die Befruchtung funktioniert und dafür reichten wenige nahe Blüten einer anderen, als Befruchter geeigneten Sorte.

Das Frostproblem

Auch die abgefallenen Blüten
sind noch hübsch und frisch

Früher reicht die Frosthärte der Bäume nur für ein paar Gegenden. Mandeln schaffen -20°C im Winter, sind also noch empfindlicher als Wein. Früher war das ein Riesenproblem in Mitteleuropa, heute nicht mehr, Tiefstwerte unter den -20°C wurden zuletzt am 13.1.1987 in den meisten Teilen Deutschlands erreicht, davor alle paar Winter mal. Die Bäume kamen gar nicht hoch. 

Ein anderes Kälteproblem sind Fröste, die die Blüten erwischen oder die wasserreichen Jungfrüchte danach. Bekannte Sache, weswegen auch weiterhin von Mandeln abgeraten wird. Zunächst sollte man spätblühende Sorten nehmen. Die bekanntesten französischen Sorten sind solche Spätblüher und blühen von allen Mandelsorten ganz zum Schluss. Damit kann man hoffen, den Frösten eher zu entkommen. So wie bei Aprikosen ist das immer noch sehr früh, meistens Mitte bis Ende März, in glücklichen Jahren auch Anfang April. Das ist schon was! Aber nicht viel, häufig kommen Ende April noch Luftfröste, manchmal richtig üble. Dagegen hilft nichts.

Robuste Sorten stecken aber leichte Minusgrade weg, sowohl in Blüte als auch Jungfrucht, ganz ähnlich wie manche Pfirisichsorten, die erstaunlicherweise manchmal noch tragen, obwohl anderes Steinobst und Kernobst-Frühblüher wie Birnen abgefroren sind. Als härteste Mandelsorte zeigt sich die ertragssichere "Ferraduel". Auch die Höhe bringt etwas bei der Temperatur, die Blüten und Früchte an oberen Ästen in 5m Höhe haben im Grenzbereich des Schadens weniger Frostschäden wie bodennahe Äste.

Das Krankheitsproblem

Mandel unreife Jungfrucht

Mandel = Monilia. So war es früher. Das war der grosse Begrenzer. Und ist es nicht mehr, denn es gibt resistente Sorten Dank der französischen Züchtung. Ferragnes und Ferraduel an erster Stelle, auch Ferrastar ist robust. Es stimmt tatsächlich und ist keine Baumschulprosa, mit diesen Sorten habe ich kaum Monilia erlebt, auch nicht im feuchten Frühling. Kleine tiefstehende Ästchen erwischt es manchmal, jetzt höher und luftiger, desto weniger. Dabei ist die Lage ein ziemliches Monilialoch, wie andere Steinobstsorten beweisen, die überdurchschnittlich stark befallen werden.

Frostspanner meiden Mandeln leider nicht so wie sie Pfirsiche meiden, aber die Schäden halten sich sehr in Grenzen.

Schrotschusskrankheit - auch das selten bei den modernen Sorten. Und wenn doch, so luftfeuchte Lagen sind normalerweise auch für andere Steinobst nicht geeignet. Ebenso selten: Kräuselkrankheit. Bleibt bei den Pfirsichen.

Pseudomonas - das ist ein Bakterienbrand. Zeigt sich auch an schrotschussartigen Blattschäden, Gummifluss, Trieb- und Baumsterben. Kann nichts näheres drüber sagen, hatte ich noch nicht.

Das Verarbeitungsproblem

Schwerlast-Nussknacker, auch für Mandeln geeignet

Bei Reife springt die weiche Fruchthaut auf, sie ist grüngrau. Bleibt etwas von ihr am Stein hängen, entfert man sie. Es bleibt der Stein, in dem sich der begehrte essbare Samenkern befindet. Die Fruchthaut wirkt wie ein dünner Pfirsich. Probiert man sie, schmeckt sie sehr sauer und gerbstoffhaltig, aber auch deutlich nach Pfirsich. Sie ist ein stofflich wertvolles Nebenprodukt, man kann sie für viele Dinge verwenden, was auch industriell gemacht wird, aber hier zu weit führt.

Er knackt, wenn auch mit Knalleffekt

Es gibt Papiermandeln mit dünnem Stein und Sorten mit dickem, harten Stein. Ähnlich wie Walnüsse muss man geerntete Mandeln gut nachtrocknen, Schimmel ist auch hier ein Risiko. Die Papiermandeln sollte man sowieso bald öffnen, das geht recht leicht. Die sprichwörtlich harte Nuss sind die Sorten mit dickem, harten Stein. Mit den gängigen Nussknackern für Walnüsse kommt man da nicht weiter. Es geht nicht, die Dinger sind zu hart. Mit einem Steinbrocken draufhauen ist auch schlecht, damit wird oft der Mandelkern zerquetscht, Splitter und Kernteile mischen sich dabei. Was geht, sind spezielle und grosse Nussknacker mit einem Hebel aus spanischer Produktion, es gibt auch ein teures und lautes elektrisches Modell. Damit kriegt man sie klein. Das macht man am besten in einer Schachtel, die Schalenteile und der Kern spritzen auch bei dieser Methode geradezu explosiv weg, wenn der Kern mit so viel Kraft geknackt wird.

Danach sind die Kerne erneut nachzutrocknen oder sofort zu verwenden, Haltbarkeit bei gutem Trockengehalt ein Jahr.

Das Bitterproblem

Erster Fruchtfall

Bittermandeln sind eigene Sorten, bekanntermassen giftig. Sie enthalten das Glycosid Amygdalin in hohen Konzentrationen, das im Körper zu Blausäure umgewandelt wird. Wenn wir hinter den Kernen her sind, lohnen sich solche Sorten nicht. Schöne Zierpflanzen sind es trotzdem. Verwenden kann man sie auch. Durch längeres kochen im Wasser wandelt sich Amygdalin in Benzaldehyd um, das dann auch den erwünschten Würzwert als Backaroma hat. Das giftige Amygdalin selbst hat jedoch nur schwaches Eigenaroma. Deshalb sind beispielsweise Aprikosenkerne wegen ihres besonders hohen Amygdalingehalts noch giftiger wie Bittermandelkerne, obwohl sie nicht so bitter schmecken. Das "Bittermandelaroma" wird erst durch die Abbauprodukte geliefert, insbesondere Benzaldehyd. Je geringer der Abbau, desto giftiger die Kerne, aber weniger bitter. Die Lehre daraus: Niemals die Giftigkeit aufgrund des Bittergeschmacks beurteilen.

Reifezeit. Blätter und Früchte schon teils gefallen.

Leider können auch einige Süssmandelsorten entgegen der Beschreibungen in Deutschland eine unerwünschte Restbittere aufweisen. Bittermandeln reichern viel Amygdalin während der Reife an, damit entstehen wie gesagt auch die aromagebenden Folgeprodukte. Süssmandeln tun das Gegenteil, wenn vorher Amygdalin gebildet wurde (einige tun das gar nicht), dann nimmt der Gehalt mit der Reife ab. Es erfolgt eine Verdünnung des Amygdalins durch Zellwachstum sowie ein enzymatischer Abbau. Nun kommt der Knackpunkt: Spätreifende Sorten haben in Deutschland ausserhalb Gunstlagen Ausreifeprobleme. Das weiss niemand, weil Abschreiben von Beschreibungen statt Eigenanbau und selber ausprobieren üblich ist. "Reife Ende September" heisst bei französischen Sorten September in Südfrankreich. In Deutschland reicht es nur in Gunstlagen. Dieser Faktor verstärkt den Bittereindruck, Amygdalin im frühen Entwicklungsstadium ist höher konzentriert und damit haben auch die Folgeprodukte höhere Konzentrationen. Weitere Faktoren sind Überbehang, Bestäubung durch Bittermandeln, Stress der die Cyanogenglykosid-Synthese fördert.

Stein und Fruchthaut, frisch gefallen

Genau das habe ich bei der oben genannten Sorte Ferraduel erlebt. Die Bitterwirkung nahm im September Woche für Woche deutlich ab, aber erreichte nicht Null. Das kann sich von Jahr zu Jahr ändern, je nach dem wie gut die Reife erreicht wird. Also nicht wundern, sondern auf jeden Fall abkochen, um eventuelles Amygdalin loszuwerden und dann als Backzutat verwenden. Pur gegessen schmeckten die Kerne ungekocht und gekocht oft nicht gut, der restliche Bittergehalt stört. In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie gibt es technisch kontrollierte Entbitterungsverfahren, die aber für uns zu aufwendig sind. Sorten, bei denen wirklich alles gleichzeitig stimmte - moniliafest, späte Blüte, frühe Reife - die gibt es noch nicht. Es stimmt aber schon ziemlich viel und der Weg sieht machbar aus, die zu spätreifenden moniliafesten Sorten mit früher reifenden moniliaanfälligen Sorten zu kombinieren.

Die guten Erfahrungen

Gute Mandelernte

Schluss mit den Problemen. Die Bäume sind standfest, haben jährlich guten Zuwachs und sind hammerhart trockenfest, wenn sie einmal eingewachsen sind. Zudem kalkverträglich und kommen auf meinem armen, flachgründigen Boden ganz prima klar. Blütenfrostschäden der spätblühenden Sorten liegen im Bereich von robusten Pfirsichen die auf derselben Wiese wachsen, das ist tragbar. Im Gegensatz zu Pfirsichen vertragen sie sogar Wuchs im Grasland ohne gepflegte Baumscheibe. Auch der Schnittaufwand ist gering. Wenn Schnitt, dann wie auch bei anderem Steinobst angeraten ab Spätfrühling bis Hochsommer. Niemals im Winter, durch Schnittflächen kommt Monilia sofort ins Holz.

Der Baumaufbau ist licht, die Blätter schmal und lang, damit werfen Mandeln wenig Schatten. Dahinterstehenden Gehölzen wird wenig Licht genommen und auch Fussbepflanzungen bekommen noch Licht ab. Damit sind sie leicht und frei auf Grundstücken plazierbar.

Duft und Anblick der blühenden Bäume gehören zudem zu den schönsten Anblicken, die man in Baumgärten geniessen kann. Dazu die Chancen auf eine Ernte. Der Eimer kann zwar voll werden, aber viel ist es netto trotzdem nie, denn von den Früchten bleibt nur der viel kleinere Kern übrig, man arbeitet lange am knacken und bekommt dann Mengen die nicht mehr eindrucksvoll aussehen. Aber sie sind haltbar und nutzbar. Pflanzt Mandeln!

Auch im Winter schön

 

Donnerstag, 6. März 2025

Obstneupflanzungen 2025

Auch in dieser Saison gilt: Nur wer pflanzt, der bleibt. Wer nicht nachpflanzt, hat bald nichts mehr. Abgänge und Sorten, die unerwartet gravierende Nachteile zeigen schaffen Lücken beim Obst. Und Abgänge gibts viele: Das veränderte Wetter fegt das meiste von dem weg, was die letzten 500 Jahren gut funktioniert hat. Aber Lücken zu füllen ist gleichzeitig eine der schönsten Dinge im Hobbyobstbau. Neue Sorten, neue Versuche, neue Erfahrungen.

Die grossen Neupflanzaktionen sind allerdings vorbei. Nachdem meine Flächen die Hälfte der älteren Bäume eingebüsst haben, Hauptursache ist die Rindenbrandkatastrophe, dort bereits in den letzten Jahren neue Sorten gepflanzt wurden, sind die Lücken nicht mehr gross. Auch selbst veredelte Gehölze gibt es dieses Jahr keine, anders als die letzten Jahre. Dieses Jahr also nun neu von Herbst bis jetzt:

Apfel Kantil Sinap

Äpfel Kandil oder Kantil Sinap, Obstsortenausstellung

Damit hoffe ich, die erstklassigen Erfahrungen mit Äpfeln aus dem kontinentalen Südosteuropa fortzusetzen, die sich bisher alle als klar überdurchschnittlich tauglich für die neuen klimatischen Verhältnisse zeigen. Kantil Sinap stammt vermutlich aus der Ukraine, ist optisch interessant, geschmacklich ein guter, lagerfähiger Tafelapfel der schon seit 150 Jahren in Mitteleuropa bekannt ist. Er blüht zudem spät und die Blüte soll Frost gut aushalten. Spätblüherapfelsorten habe ich schon viele, heutzutage eine Eigenschaft wichtiger denn je. Die befürchtete erhöhte Anfälligkeit der Spätblüher gegen Feuerbrand ist bisher ausgeblieben.

Apfel Berlepsch

Und zwar nicht der überall viel häufiger verbreitete minderwertige rote Berlepsch, sondern das besserschmeckende Original. Zugegeben, der ist ein dünnes Brett, denn die Sorte ist erwiesen rindenbrandanfällig. Aber er ist so gut! Gepflanzt auf gutem Boden, nicht ganz vollsonnig, mit Bodenfeuchte und Weissanstrich hoffe ich auf rindenbrandfreie Jahre. Auch diese Sorte hatte ich schon - dachte ich. Bis sich bei der ersten Ernte herausstellte, dass es eine Fehllieferung war, die nur wertlose, kleine mehlige Herbstäpfel brachte, die bei heissem Wetter platzten. Komplett daneben. Nächster Versuch.

Birne Edelcrassane

Während der letzten Pflanzungen blüht die Wiese
bereits - Scilla bifolia, Blausterne, hier heimisch

Toller Name, was? Nach mehrfacher Lieferung mit erwiesen falschen Sorten (die Kulturerrungenschaft guter Birnen ist so ziemlich verloren gegangen), Problemen mit Unterlagen, Ausfällen in Trockenjahren ist das wieder eine Birne, die hoffentlich etwas lagerfähig ist. Sie benötigt guten Boden, den hat sie an ihrem Platz, mild ist es dort zudem. Lagerbirnen sind Königsklasse und sehr, sehr schwer anzubauen bei unseren Bedingungen. Wegen des Bodens nur auf Quittenunterlage, dann haben sie aber oft viel zu schwaches Wachstum. Etwas zu ernten klappt selten. Eine Sorte ging an Rindenbrand drauf, alle haben starke Probleme mit Vögeln, die die Früchte unreif verpicken. Aber es gibts nichts Herrlicheres wie mitten im Winter saftigsüsse, aromatische Birnen, deshalb versuche das weiter.

Pfirsich Harnas

Auch den hatte ich schon. Die Baumschule hat ihn vor Lieferung stark zurückgeschnitten. An diesen Schnittstellen drangen im letzten Moniliajahr aufgrund des anhaltend kalten Frühlingsnieselwetters so stark Moniliapilze ein, dass der Baum sofort Stück für Stück mit Gummifluss und welken Blättern abstarb. Steinobst nicht im Winter schneiden, schon gar nicht Jungpflanzen mit kleiner Krone!

Die Pflanze jetzt macht einen besseren Eindruck. Harnas ist aus Kanada (Kreuzung aus Cresthaven und Harbinger), reift früh, trägt viel, hat grosse Früchte, ob die Blüte dieser Sorte so frostfest ist wie behauptet wird sich zeigen.

Mandel Robijn

Neue Mandel vor Trockenmauer

"Robijn" ist eine Mandel-Pfirsichhybride mit Kernen, die optisch nach einer Mischung aus Mandel und Pfrisich aussehen, aber gut schmecken sollen. Ihr Vorteil liegt in Selbstfruchtbarkeit und relativ frostfester Blüte. Sie steht auf steinigem Grund mit viel Kalkschotter. Mandeln lieben das und wachsen bei mir erstaunlich gut, vorausgesetzt es sind moniliafeste Sorten und sie stehen auf starker Unterlage. Eine "Ferraduel" ist in wenigen Jahren 5m hoch geworden, blüht herrlich, duftend, wunderschön, blieb gesund, leider wird sie nicht befruchtet, die Hoffnungen dass das einer der viele Pfirische oder Aprikosen in der Nähe schafft, haben sich leider zerschlagen. Der Sex klappt nicht, Null Fruchtansatz trotz Prachtblüte in frostfreien Wochen. Deshalb nun eine weitere Mandel, vielleicht befruchtet sie "Ferraduel", auf jeden Fall aber sich selbst.

Mandel "Thürheimer"

Und noch eine Mandel, keine echte Sorte, sondern ein Zufallsfund aus Thürheim, Landkreis Dillingen. Die Blüte soll auch mittlere Fröste aushalten und fruchten. Das kann ich gut brauchen. Ausserdem erhöht sie die Befruchtungschance für die anderen Sorten. 

Quitte Uspech

Für einen Steilhangabschnitt, dort wo die vielen anderen Quittensorten stehen, die ich bereits habe. Die Sorte soll sehr hohe Zuckergehalte erreichen und sehr spät reifen - auf dem Südhang und in unserem Klima überhaupt kein Problem. Der Zuckergehalt ist für Saft und zum brennen willkommen. Quitten gehören zu den ganz wenigen Gewinnern der Wetterveränderungen, wie schon oft bemerkt. Die Neupflanzungen zeigen sich sehr überlebenfähig, wachsen auch in Trockenjahren an. Steht wie die meisten anderen Sorten auf arteigener Unterlage BA29, sehr zu empfehlen. Keinesfalls Weissdorn nehmen.

Quitte Hemus

Feigen am Hang

Eine bulgarische Sorte mit feinem Fruchtfleisch, soll auch roh gegessen etwas taugen und sie soll gut lagerfähig sein. Lagerfähig war bei mir bisher noch keine Quitte. Damit sind alle Pflanzplätze für Quitte belegt - immerhin zehn Sorten und nur eine ist in einem Trockenhitzejahr nicht angewachsen.

Feigen Dottato und Ronde de Bordeaux 


Ein Feigenversuch auf der Obstwiese. Am Haus im Ort wachsen und fruchten (oft) sie schon seit Jahren. Auf der Wiese hatte ich bereits einen Steckling unbekannter Sorte, der aber jedes Jahr immer weit zurückgefroren ist. Nun kommen zwei erwiesen sehr kältefeste Sorten und sie werden direkt vor eine Trockenmauer und in eine Trockenmauerlücke gepflanzt. Der Pflanzplatz ist sowieso nicht anders nutzbar, also kann man sich solche Versuche leisten. Feigen in Sorten sind mittlerweile sehr gängig, leicht und preiswert zu bekommen, da lohnt sich kaum die eigene Stecklingsanzucht.

Sonntag, 9. Februar 2025

Bekämpfung von Rindenbrand im Winter

So ziemlich das Endstadium.
Das wird nichts mehr.

Rindenbrand (Erreger: Der Pilz diplodia mutila) an Apfel und weniger an ein paar Birnensorten in Obstwiesen und auch Hausgärten ist leider ein Megathema geworden. Das neue Wetter führte ab 2003 zu einer Rindenbrandkatastrophe. Die Symptome wurden erst jahrelang un- und missverstanden (erst 2013 wurde der Erreger identifiziert). Die Schäden gehen mittlerweile bis hin zum Ende vieler Sorten in den trockeneren sommerwarmen Gegenden. Dazu gehört die Rhein-Main Region etwa und leider auch hier, besonders auf den weniger guten Hangböden um das Heilbronner Becken, einem traditionellen Raum der Obstwiesen seit fast 200 Jahren. Die Probleme haben sich räumlich stetig ausgeweitet, wer gestern noch grinste und von Ausnahmen in sowieso schwierigen Gegenden sprach, zersägt heute seine Goldparmäne, weil die Krone teilweise abgestorben ist und die Rinde in Fetzen herunterhängt. Rindenbrand ist in allen süddeutschen Obstgebieten nachgewiesen. Und ist auch als Schadpilz vor allem an Buchen mit katastrophaler Auswirkung auf ihre Vitalität ein neues grosses Problem geworden.

Ast 2024 in Heilung und Vernarbung begriffen

2024 war seit Jahren das erste Jahr mit einer Atempause bei Neuinfektionen, weil der Sommer feucht war. Die Rinde blieb elastischer, die Bäume hatten Wasser. Da sich Infektionen erst im Folgejahr richtig zeigen, waren Probleme trotzdem sichtbar, sie stammten von Infektionen der Jahre vorher. Aber 2024 heilten dafür alte Wunden ein Stück weit besser zurück. Letzten Samstag war dann das Wetter ideal, um eine Runde Vorbeugung an den Bäumen zu starten: Sonnig, trocken, leichter Wind, 10°C warm.

Baumanstrich gegen Rindenbrand

Hier nutzte der Anstrich ohne Kupfer
nach der Erstinfektion nichts mehr

Klar erwiesen ist leider nichts, aber in dieser Situation muss man angesichts sterbender Bäume vieles ausprobieren und jede Chance für Verbesserungen nutzen. Ein haltbarer Weissanstrich ist so eine Chance, verstärkt mit einem Fungizid direkt auf der Rinde. Die damit verbundene Hoffnung ist, vor allem bei Jungbäumen Rindeninfektionen zu bremsen, damit die Bäumchen hochkommen, überleben, vital starten. An alten Bäumen ist meistens ohnehin nicht mehr viel zu machen, die enorme Lebensverkürzung ist offensichtlich. Sortenanfälligkeiten und Standortkombination lassen dann den Fall hoffnungslos erscheinen. Die Altergrenze für den Anstrich liegt beim Beginn der Rissigkeit der Baumborke. Lieber gleich auf andere hoffnungsvolle Sorten setzen und die dann gut hochbringen. Zu den Sorten mit Hoffnungen und hoffnungslosen Sorten ist im Blog schon ein ausführlicher Beitrag: https://gartenzone.blogspot.com/2021/11/obstwiesen-gehen-rindenbrand-kommt.html
Der Nutzen, den man sich von einem Schutzanstrich verspricht:

  • Der thixotrop eingestellte Weissanstrich verfugt Rindenrisse und verwehrt generell Pilzsporen den Zugang zum Wirt.
  • Die Rinde bleibt elastischer, das Neuauftreten von Rissen wird vermindert. Rindenbrand benötigt für den Befall zwingend Rindenverletzungen. Die gilt es unter allen Umständen zu verhindern.
  • Im Hochsommer bildet der Anstrich eine Verdunstungsbremse.
  • Als Nebeneffekt meiden Kleinnager Stämmchen mit Weissanstrich.
  • Weisse Rinde erhitzt sich möglicherweise langsamer und/oder weniger stark in der Sonne, damit weniger Hitzeeinwirkung auf die weiss bestrichenen Flächen und weniger Sonnenbrandnekrosen.
  • Streicht man den Stamm zuerst mit einer stark fungizid wirkenden Kupferverbindung ein und lässt den trocknen, wird sie mit einem Weissanstrich am Stamm wirksam fixiert. Damit ist Kupfer genau dort, wo das Rindenbrandproblem beginnt, erwischt bereits vorhandene Sporen und senkt vielleicht die Infektionsrisiken.

Neu ist nichts an dieser Idee des Vorgehens. Alte Methoden gegen Rindenkrankheiten wie Kragenfäule beinhalteten nach Ausschneiden des Herds auch Bepinseln mit Fungiziden. Weissanstriche gegen Rindenrisse sind auch uralt, früher eben Hauptsächlich wegen Frost.

Rechtliches

Rechts erlaubt, links verboten

Traurig genug, darüber ein eigenes Kapitel schreiben zu müssen. Kupfermittel werden seit 1885 im Weinbau weltweit eingesetzt und sind wohl das älteste Fungizid im breiten Einsatz, extrem gut erforscht und bewährt. Bis heute werden Kupfermittel im Bioanbau eingesetzt, bis vor ein paar Jahren war das auch Privatanwendern erlaubt und im Ausland bis heute. Jetzt sind sie in Deutschland Privatanwendern verboten. Ich sehe die behaupteten Gründe nicht annähernd ein, aber das soll hier nicht Thema sein. Auch die hier genannten Kupferverbindungen sind nicht für einen Baumanstrich erlaubt, es sind im rechtlichen Sinne keine Pflanzenschutzmittel, keine Grundstoffe, keine Pflanzenstärkungsmittel. Wenn es nach den leitenden Figuren des streng ideologisch ausgerichteten und besetzten Umweltbundesamtes geht, ist auch Wasser zum giessen verboten, weil nicht zugelassen. Damit beschreibt dieser Text hier ausschliesslich eine Technik des Möglichen, nicht des Erlaubten. Eventuell nachweisbare Mittel wurden also nicht von mir, sondern von Dritten gegen mein Wissen und unerlaubt auf der öffentlich zugänglichen Fläche aufgebracht, um mir etwas unterzuschieben. Es gibt eben Dinge, die so übel sind wie Rindenbrand.

Anstrich, Mischung, Technik

Fleissig pinseln gegen den Rindenbrand

Gute vorformulierte Mittel wie Cuprofor flow, die auch regenbeständige Haftmittel enthalten sind für uns in Deutschland nicht käuflich zu erwerben, dafür müsste man nach Österreich oder Schweiz. Wer sie dort bekommt, darf sie hier nicht anwenden. Eine Selbstanmischung könnte so aussehen: Max. 4g Kupferoxychlorid (nicht gehäufter Teelöffel) in einem Schraubglas mit 200ml Wasser und etwas reiner Kalischmierseife als Netz- und Haftmittel mit dem Deckel verschliessen und schütteln, damit sich alles löst. Andere Mittel wären Kupferhydoxid oder Kupfersulfat. Mit dem Pinsel tropffrei auf die Rinde auftragen, von Stammbeginn bis ein Stück weit in die Leitäste hinauf. Die 200ml reichen für eine gut zweistellige Anzahl junger Bäume, je nach Baumgrösse auch deutlich weniger.

Gut abtrocknen lassen, deshalb nicht erst abends damit beginnen, sondern bei trockenem Wetter und trockenen weiteren Aussichten tagsüber. Etwas Wind ist auch gut. Wenn alles wirklich trocken ist, den Weissanstrich gemäss Packungshinweisen aufbringen. Auch das ist einfach. Den Anstrich mit Kalk oder Wandfarbe selbst anzurühren ist nicht zu empfehlen, das wäscht sich viel zu schnell wieder herunter. Der Witz ist ja gerade, die Schutzwirkung im gesamten Sommer zu haben und auch das Kupfer drunter möglichst lange auf der Rinde zu halten. Auch die Idee, Kupfer direkt in den Weissanstrich zu rühren und erst dann zu verstreichen klappt nicht. Der bröckelt dann, die Stoffe vertragen sich nicht mit dem kolloiden Charakter des Anstrichs.

Andere Methoden?

Immer dort, wo Wassermangel und Hitze zusammentreffen, potenziert sich das Rindenbrand-Problem, er ist ein Parasit der geschwächte Bäume befällt. Leider sind beide Faktoren sehr häufig geworden. Ich habe auch versucht, Bäume zu sanieren oder bei hoffnunglosen Fälle die Krone zu kürzen, um damit die Wundheilung zu beschleunigen, absichtlich einen starken Neutrieb zu provozieren, der aus den Wasserschossern eine dichtere und junge Krone mit mehr Schatten bringt. Letztlich ist das aber nie Sanierung, sondern bestenfalls Lebensverlängerung.

Toten Stammberfeich abgesägt, neu aufgebaut

Das klappte zunächst erstaunlich gut, aber löste die Sortenprobleme nicht und die grosse offene Stammstelle. So habe ich einge Bäume, darunter eine relativ junge Goldparmäne und Jonagold auf 1,8m Höhe abgesägt, die Leitäste waren alle stark befallen, viel abgestorben, der Baum fing deshalb bereits tiefer wieder an, chaotisch Äste zu schieben, Nottriebe. Der untere Stammteil hatte Schäden, aber sah lebensfähig aus.

Im Jahr eins nach der Säge kamen wie erwartet massenhaft Wasserschosser an der Sägestelle. Es war viel Arbeit, dort etwas auszulichten. Ich liess absichtlich deutlich mehr stehen als die Lehrbuchratschläge meinen, um das Wachstum zu beruhigen und eine dichte selbstbeschattende Laubwand zu bekommen. Im Jahr zwei war der Zuwachs ebenso stark, wofür aber die gute Wasserversorgung mitverantwortlich war. Und es zeigten sich auch bereits wieder ein paar Äpfel. Mal sehen, was passiert wenn die Äste wieder älter werden. Ein Nebeneffekt war eine subjektiv verstärkte Wundheilung bestehender Rindenläsionen durch den starken Rückschnitt.

Die Sporen zu bekämpfen ist kaum möglich. Sie sind überall. Diploidia befällt auch Apfelfrüchte, dringt dort durch kleinste Verletzungen genau wie Monilia frutigena ein, der Apfel fault, was auch optisch zunächst sehr dem typischen Fruchtmoniliabefall ähnelt. Das Fallobst oder die Fruchtmumien wird dadurch für Monate und Jahre zum Sporenproduzenten, denn dort werden die meisten Konidien gebildet. Vielleicht hilft extreme Feldhygiene, aber auf einem Gartengrundstück, einer Obstwiese ist das unmöglich.

Die Profis

Sichtbar seit 2019, Einige zugewachsen,
aber auch seit 6 Jahren offene Läsionen

Wie macht es eigentlich der kommerzielle Obstbau? Da sterben die Zwergbäume doch auch nicht, obwohl es meist sehr anfällige Sorten sind? Tja, der macht es so:

  • Immer häufiger wird bewässert. Mit Bewässerung hat der Baum immer gleichmässig genug Wasser und der wichtigste Faktor, anhaltender Trockenstress, entfällt komplett. Bei unseren Obstwiesen völlig unmöglich, sogar im Hausgarten wird es schon oft schwierig.
  • Es wird sowieso sehr oft mit Fungiziden behandelt, 10-20 Behandlungen pro Jahr sind normal. Auch in der blattlosen Zeit kann behandelt werden. Winterbehandlungen sind natürlich seltener als in der Hauptwachstumszeit, aber sie spielen eine wichtige Rolle in der Strategie zur Krankheitsvorbeugung. Das alles verringert nebenbei auch Rindenbrandsporendruck, denn es erwischt Fallaub, Fruchtmumien, Fallobstreste. Wo das weniger passiert, etwa im integrierten Anbau und Bioanbau, da gibt es Befall bis hin zur Vollrodung.
  • Niedrige, kleine Baumformen in den Plantagen sind etwas weniger anfällig, vermutlich kommen auch da eine Reihe von Faktoren zusammen. Generell gute Pflege, niedriges Baumalter, schwaches Wachstum, so dass weniger Risse entstehen, dichter Stand mit etwas Beschattung, heute oft Hagelschutznetze mit 15-25% Strahlungsminderung und vor allem: Plantagen stehen auf guten Böden, während sich unsere Obstwiesen und auch der Hausgarten meistens auf weit schlechterem Grund befinden.

Trotzdem hatten auch schon kommerzielle Anlagen (seit 2018 verstärkt) mit Rindenbrand zu kämpfen, stehen dort doch hochanfällige Sorten, auch die dauerempfohlene Birne Xenia/Novembra. Einige kommerzielle Sorten hatte ich auch auf der Wiese ausprobiert. Sie sind bisher ausnahmslos stark rindenbrandgeschädigt geworden. Vielleicht gibt es Ausnahmen, ich kenne sie nur nicht. Vor allem Golden Delicious ist eine der schlimmsten Sorten und die Genetik dieser Sorte ist in fast allen Neuzüchtungen mehrfach vorhanden. Das merkt man leider...

Bepinselt in der Hoffnung, dass es nutzt
Noch ein Lebensverlängerungsversuch

Donnerstag, 4. Januar 2024

Der Biber erntet Obst, Schutz dagegen

Mahlzeit, Herr oder Frau Biber

Biber haben wir in der Gegend nach einer Pause schon seit Jahrzehnten wieder, obwohl es gar nicht so viel Raum für sie gibt. An den Flüssen hat er sich sehr schnell wieder ausgebreitet. Bäche und andere Oberflächengewässer gibt es in der Gegend jedoch nicht so viele und wenn, dann liegen die lange oder sogar den grössten Teil des Jahres trocken. Hier im Muschelkalkgebiet versickert sehr viel und sehr tief in den Untergrund. Das ist keine Biberfreude, denn bei trockenfallendem Gewässer sind vor allem seine Jungtiere ungeschützt und können Beute von Mardern, Füchsen, Greifvögeln werden. Auch die Gehölzzonen an den Trockenbächen bleiben eher klein, es gibt wenig vernässte Zonen, keinen Sumpf, keinen Bruch, damit hat er weniger Nahrungspflanzen.

Dieses fette Nagetier frisst Rinde lebender Gehölze, bedient sich aber auch opportunistisch an landwirtschaftlichen Kulturen wie Mais. Man kann lange Listen mit positiven und eben auch negative Folgen herableiern, Vorteile wie Konflikte. Optisch sofort jedem Menschen auffallend ist: Wo es auftaucht, sterben Bäume. Ganz besonders Apfelbäume. Diese Eigenart des Apfelvorzugs konnte ich schon länger an wassernahen Grundstücken beobachten und nun habe ich sie auf der eigenen Wiese erlebt: Ein Biber hat mir eine mittelalte Renette weitgehend abgefressen. Er verwertet diesen Obstbaum auf seine Weise. Auch wenn das schmerzt und man unkeusche Gedanken an Biberfellmützen und Bibergrillsteaks bekommt: Er war früher da, er ist da, er gehört zur Natur.


 "Mein" Biber mit der Wildkamera. Frisst Geäst wie Spaghetti.

 

Der Biber räumt auf bzw. ab

Mein Apfel - geerntet vom Biber.
Art und Höhe deuten auf ein Jungtier hin.

Natürlich ärgerlich. Aber was das Ereignis so unerwartet macht, ist der Ort, die Wiese liegt nämlich nur an einem Graben, der den grössten Teil des Jahres knochentrocken ist. Trotz langjährigen Biberrevieren am Fluss gab an diesem Graben niemals Biber. Deshalb hatte ich mich auch auf solche Schäden nur zu 90% und nicht zu zu 100% vorbereitet. Von den 20 Bäumen dort sind 15 recht gut mit Drahthosen oder Manschetten geschützt, vor allem weil auch schwere Fegeschäden durch Wild stattfinden. Grössere Stämme weiter weg vom Bach sind nicht mehr geschützt. Wild fegt nur an dünneren Stämmen. Nachdem schon Draht eingewachsen ist und die Befürchtung aufkam, damit auch der Waschbärenpest eine Kletterhilfe zum Obst hoch zu bieten, fehlen sie an den dickeren Stämmen abseits vom immer schon biberfreien Graben.

Nun fanden aber zum ersten Mal seit 21 Jahren wieder über drei Monate anhaltende Regenfälle von Herbst bis jetzt statt. Der Graben führte schon im Frühherbst plötzlich Wasser und das seither ständig, weil es ausnahmsweise fast täglich regnete. Das fliessende Wasser verführte Jungbiber, sofort einzuwandern und auch sogleich Obstbäume zu "ernten". Bei meinem Apfel zeigte sich auch eine weitere Spezialität: Der stand gar nicht am Bach, sondern ein Stück den Hang rauf. Ungeschützt im Bach standen eine Birne und zwei Steinobstbäume. Und hunderte grosse und kleine Gehölze aller Art. Da musste er direkt vorbei, aber die hat er nicht angerührt. Der Apfel musste es sein. Nur den hat er abgenagt. Dafür nimmt er auch unbequeme Wege in Kauf. Ein Verhalten, das ich auch auf den Wiesen andernorts sehen konnte, wo der Biber sowieso schon in angrenzenden Gewässern lebt: Apfel wird ganz klar bevorzugt. Er frisst Rinden und alle Hölzer, aber eben am liebsten Apfel. Und dafür watschelt er auch einen Hang hinauf, an Weide, Birne, Erle, Zwetschge vorbei.

Des Jungbibers Fussabdrücke, Hinterpfoten gross, Vorderpfoten klein
 

Was tun gegen Biber am Obstbaum?

Vorbeugen. Im Internet gibt es viele Beispiele für einen Stammschutz. Hier in der Gegend werden Estrichmatten als Stammschutz empfohlen, eine Art Armierungsgitter. An dem 2mm dicken verzinkten Stahl verliert selbst ein Biber die Nagelust. Die Matten werden rund gebogen und um die Stämme befestigt, am Boden verankert damit der Biber sie nicht einfach hochschiebt. Zusammenbinden kann man die gebogenen Matten mit Kabelbindern oder Draht.

Das ist nicht teuer. Die Naturschutzbehörde und der hiesige Wasserbauhof halten sogar solche Matten vor, sodass sie schnell bei Biberproblemen zur Verfügung stehen und so erhaltenswerte Bäume geschützt werden können. Das ist eine optimale Lösung, und ein gutes Beispiel für unbürokratische Problemlösung die wirklich etwas bringt, vorausgesetzt man weiss das und gerät gleich an die richtigen Ansprechpartner. Was nun jeder Leser dieses Beitrages auch versuchen kann, wenn er Obst an Wasserläufen hat, an denen Bibereinwanderung droht oder schon erste Schäden an Obstbäumen da sind und es deshalb eilig ist.

Estrichmatten. Leicht und biegsam, trotzdem sehr robust. Wenn man sie parat hat.

Zwei geschützte Bäume, jung und mittelalt. Unten der Graben, der Bütten"bach".


Was bleibt? 

Eindeutige Biberfraßspuren an Schnittgut. Er ist da.

Der Biber vermutlich nicht. Im wieder trockenen Graben wird er sicher die Lust verlieren, weil er monatelang auf dem Trockenen sitzen wird. Vorher soll er gefälligst noch was arbeiten. Ich habe Schnittgut vom Obstbaumschnitt in den Graben geworfen, vielleicht kriegt er dann Lust dazu. Angenagt hat er die Äste bereits, er ist also weiterhin präsent und betrachtet das als sein Revier. Ein Damm wäre perfekt. Der Graben hat nämlich das Problem, dass er wie eine Regenrinne bei Gewittern kurz und heftig Wasser führt, weil an seinem Oberlauf Quadratkilometerweise Flächen mit gigantischen Grosslagern und noch gigantischeren LKW-Aufmarschplätzen mit mies bezahlten Billigarbeitsplätzen zubetoniert wurden. Aus dieser konsequent vernichteten Landschaft fliesst Regenwasser sofort und heftig ab und überflutet auch extra angelegte Stauräume (auch wieder auf bestem Boden) schnell. Auf Asphalt, Beton und Blech versickert nun mal nichts, die Flächen unter all den Betongrabsteinen fallen als natürliche Speicher für Wasser aus, die sie vorher waren. Angesichts der ungünstigen Wetterveränderungen obendrauf ist das doppelt folgenreich.


Eine der vielen Folgen: Der Graben frisst sich deshalb metertief ein, Erosion nimmt die gute Erde mit, dann wieder monatelang staubtrocken und tot. Das stört dann keinen Bürgermeister und keinen Gemeinderat mehr, die vorher bestes Land planmässig und billig vernichten liessen. Ein Bekannter sagte dazu "das Schmiergeld ist schon kassiert, wie es weitergeht ist dann egal". So hätte ich das nicht gesagt, aber die Blindheit gegenüber unseren natürlichen Grundlagen zugunsten künstlich herbeigeredeter Sachzwänge und sehr kurzfristigem Denken ist eine Tatsache. Es herrscht rein quantitatives Wachstum bei qualitativem Zusammenbruch. Vielleicht lässt sich der Biber wenigstens an diesem Graben als Helfer einspannen und er baut noch einen Damm dort, bevor er wegen Trockenheit die Lust verliert - Dämme wären genau richtig gegen solche Wasserstürze, wenigstens auf ein paar Abschnitten. Ich helfe ihm jedenfalls dabei mit Schnittholz. Noch lieber wären mir Beton-Biber, die die nahen Betongrossprojekte zu Fall bringen.

"Biberrutsche". Sein Aufgang vom Bach zur Wiese.
Abdrücke seiner hinteren Watschelpfoten mit Schwimmhaut und Krallen sind zu sehen.

Hinterpfote, auch Schwimmhaut ist zu erkennen.

Apfel mit restlicher Drahthose, die zu klein wurde.
Der Biber frisst jede erreichbare Rinde. Andere Baumarten in der Nähe blieben alle unberührt.

 

Samstag, 9. Dezember 2023

Obstneupflanzungen im neuen Klima

Neu gepflanzte Champagner Renette

Gründe für Neupflanzungen sind bei mir leider meist traurig: Vorher dort stehende Bäume sind abgestorben. Das Sterben der Obstbäume ist in den letzten Jahren aufgrund der veränderten Wetterbedingungen zur Epidemie geworden. Äpfel sterben in meiner Lage vorrangig wegen Rindenbrand, Steinobst leidet stärker unter Monilia und nun auch viel zu warmen Wintern, die zum Austrieb und dann Absterben von grossen Astpartien oder dem ganzen Baum führen, weil doch noch kräftige Nachtfröste kommen. Zweigmonilia und andere Pilzkrankheiten sind generell virulenter geworden. Junge Bäume sterben, weil Extremsommer ohne Regen gekommen sind und man zu wenig oder zu selten Wasser hinschaffen kann. Andere Bäume sterben einfach so, wie es nun mal passieren kann - aber ganz klar häufiger als früher, direkte Gründe für den Stress sind nicht immer zu sehen.

Also wird neu gepflanzt. Die Baumschulen freut es. Aber nicht mehr die der Region, ich kaufe vermehrt im Mittel-osteuropäischen Ausland, der guten Qualität wegen und weil ich dort die Sorten auf den Unterlagen (nämlich mittelstark wachsende) bekomme, die ich haben will. Ich kann nicht alles selber veredeln. Das Sortiment der meisten deutschen Baumschulen (es gibt fachlich sehr gute Ausnahmen!) passt ausserdem meistens weder zum sich veränderten Klima noch für Hobbygärtner. Die teure Ware wird sowieso immer öfter billig importiert, von grossen Vermehrern aus Ost- und Südeuropa. Früher Baumschule, heute Händler. Aber auf einen Extra-Zwischenhändler kann ich verzichten.

Wie pflanzt man heute am besten?

Wurzelballen von Äpfeln, Idealzustand. Grosse Wurzeln
geschnitten. Nie abtrocknen lassen!

Früher war es noch eine Dauerdiskussion, die Frage ob Herbst- oder Frühjahrspflanzung besser ist. Das Klima hat es entschieden: Gepflanzt wird heute ausschliesslich im Herbst. Der Herbst ist eine endlos lauwarme, trübe Angelegenheit geworden, in der meist nach langer Trockenzeit wieder eine Regenzeit beginnt. Lange Frostperioden im folgenden Winter gibt es nicht mehr, der Boden ist nie mehr als wenige Zentimeter tief gefroren. Wir hatten dieses Jahr zehn Wochen im Frühsommer ohne Regen und sechs Wochen im Spätsommer. Im Herbst begann eine Regenzeit und zwar sieben Wochen täglich (!) Regen. Dieses Muster anhaltender Trockenzeiten und Regenzeiten ab Herbst ist mit wenigen Ausnahmen seit Jahren üblich geworden. Den Wetterstil von früher gibt es nicht mehr, die Wetterlagen sind heute viel statischer, oft bis zur Katastrophe konstant. Das ist eine Folge der Klimaveränderung, der Abschwächung des polaren Jetstreams wegen abnehmender Temperaturkontraste entlang der Breitengrade, deshalb stehen die Rossby-Wellen heute viel ortsfester und mäandern auch viel weiter nach Nord und Süd.

Herbstpflanzung statt Frühjahrspflanzung ist bereits in https://gartenzone.blogspot.com/2019/03/fruhlings-oder-herbstpflanzung-die.html beschrieben und die Argumente von damals haben sich noch verstärkt. Die Angst vor harten Winterfrösten, die Neupflanzungen schädigen ist heute unbegründet. Vielmehr kann man mit einer Herbstpflanzung sogar die neuen Wachstumsmonate im Winter ausnutzen, länger Schnee und tief gefrorene Böden gab es seit Jahren nicht. Die Wurzeln beginnen sofort nach Einpflanzung zu wachsen, neue Feinwurzeln bilden sich, der Baum "schlägt Wurzeln".

Die Pflanzung muss heute mehr denn je den wetterbedingt gestörten Wasserhaushalt berücksichtigen. Zu viel Regen gibt es nicht bei Obstbäumen (wenn sie nicht neben einem Bach stehen und dann unter Wasser), aber zu wenig.

  • Wichtig sind deutliche Giessränder mit grossem Durchmesser um den Stamm herum im Traufbereich der Jungkrone. Erstens sollen plötzliche kurze und starke Regenfälle nicht oberflächlich ablaufen, sondern möglichst in den Boden eindringen. Diese Technik wird in Permakulturen immer schon in verschiedenen Formen angewendet, zum Beispiel durch ziehen geeigneter Furchen. Zweitens muss man Neupflanzungen immer giessen, das mühsam hergetragene Wasser soll ebenfalls nicht über die Wiese, sondern an die Wurzeln des Baums, es braucht Zeit um in die Tiefe zu kommen. Also schon bei der Pflanzung grosszügige Giessränder modellieren, Mindesthöhe 5cm, je mehr desto besser.
  • Die Baumscheibe nicht nur konsequent von Bewuchs freihalten (jede andere Pflanze ist Wasser- und Nahrungskonkurrenz), sondern auch die Oberfläche so gestalten, dass Wasser gut versicken kann und wenig von unten verdunstet. Beispiel: Keine Erde mit Verschlämmungstendenz oben liegen lassen!
  • Pflanzloch, Pfahl, eingestreutes Agrargel
  • In Nordafrika schon länger bei Gehölzpflanzungen angewendet, auch in Deutschland sehr empfehlenswert geworden: Die Verwendung von Agrargel oder Hydrogel im Pflanzloch. Agrargele sind "Bodenhilfsstoffe für Trockengebiete". Superabsorber, die sich bei Wasserzugabe zu einem Gel vollsaugen, ein vielfaches des eigenen Gewichts an Wasser binden und wieder langsam abgeben können. Solche Stoffe werden zum Beispiel in Babywindeln verwendet. Bis vor einigen Jahren waren das biologisch abbaubare Kunststoffe, etwa Natriumpolyacrylat, mittlerweile gibt es auch rein aus Holz hergestellte Gele auf der Basis von Lignin mit denselben Eigenschaften. Damit verlängert sich die Bodenfeuchte in Trockenzeiten und verlängert damit auch die Mindest-Giessintervalle. Details meiner guten Anwendungserfahrungen werden Gegenstand eines eigenen Beitrages sein.

Die übrigen Standardtipps zu Pflanztiefe, Behandlung des Wurzelballens, Pflanzschnitt, anbinden etc. haben sich wenig geändert. Die erste Düngung sollte aber etwas früher erfolgen als in der Literatur angegeben, weil die Bodentemperaturen meistens früher steigen und Stickstoff deshalb früher aufgenommen werden kann, früher benötigt wird, in der späteren Sommertrockenzeit dann weniger. In unserer Gegend am Südwesthang mit magerem Boden gebe ich Stickstoff an bedürftige Gehölze schon im Februar, je nach Wetter. Jungbäume bekommen viel Pferdemist oben auf die Baumscheibe, aber nicht am Stamm. Damit bleibt sie bis zur ersten Mahd bewuchsfrei und der Belag hält das Wasser besser im Boden. Eine Düngewirkung hat der Pferdemist mehr indirekt, weil er auch das Bodenleben anheizt.

Rindenbrand an "Gala"

Vor der Pflanzung kommt das Abräumen toter Bäume. Eine traurige Angelegeheit. Abgeräumt habe ich diesen Herbst einen Apfel der Sorte Roter Bellefleur, toll gewachsen, eine Lagerapfelhoffnung. Er hatte immer stärker schwarzen Rindenbrand und starb im Frühling komplett. Wenn es denn diese Sorte war, in Reiserschnittgärten wurde nach einen genetischen Untersuchung oft der Rheinische Winterrambur als "Roter Bellefleur" vermehrt. Ein geschenkter "Gala" starb auch den Rindenbrandtod. Weissanstrich nutzte nichts. Drei Pfirsiche und eine Aprikose starben aus den Gründen im ersten Absatz. Ein weiterer Apfel, zehn Jahre alt, starb. Eine "Neue Orleans Renette" wurde von einem irregeleiteten Biber abgefressen, der über einen normalerweise trockenen Graben kam, der nur durch anhaltende Regenfälle zum Bach wurde und wieder biberungeeignet trocken fallen wird. Das Tier wird doch nicht überleben, aber vorher frisst es noch meine Bäume. Eine Quitte und eine Rundpflaume, letztes Jahr gepflanzt starben, ich konnte dort schlecht giessen und habe Fehler bei der Behandlung der Baumscheibe gemacht. Den schweren Lehm aus dem Pflanzloch dort liegen gelassen. Der verschlämmt schnell. Eine andere Bodenoberfläche, die Wasser bei Trockenheit leichter versickern lässt wäre besser gewesen - grob mulchen etwa, organisches Material in den Oberboden mischen. Die Rindenbrandbäume habe ich verbrannt. 

Tod Orleans Renette durch Biberfrass

Pflanzungen diese Saison

Was kam neu? Vieles. Da ich die Wiesen und das Obst trotz der Riesenprobleme noch nicht aufgegeben habe, pflanze ich konsequent nach, Obstarten und Obstsorten, die einen Versuch wert sind, ob sie es auch im neuen Wetter schaffen.

Äpfel

Alles stimmt. Giessrand, Anstrich, Pfahl, Biberschutz

Sie war einmal Hauptsorte in Südtirol bis etwa 1960, spätreifender geschätzer Lagerapfel der erst auf dem Spätwinter schmeckt und ist einer der Elternäpfel des Brettacher: Eine Champagner Renette steht jetzt auf der Wiese. Und bleibt hoffentlich ohne Rindenbrand. Die Sorte hat auch ein Bekannter, sie wird in unserem Klima ganz gut, hat durchaus Aroma und kommt mit trockenen Sommern besser als der Durchschnitt zurecht. Sie bleibt auch etwas kleinkronig, so passte sie noch an einen Pflanzplatz im engeren Raster. Halbstamm.

Nachdem James Grieve und Klarapfel den Abgang machen bzw. schon machten, Aldingers Georg Cave versagt, fehlt mir ein Sommerapfel. Deshalb neu im Garten: Ametyst, auf mittelstarkwachsender Unterlage. Neuere tschechische Sorte, eher säuerlich, Robustheit wird gelobt, aber das wird muss sich in der Praxis beweisen.

In fast allen unseren heutigen Sorten im Stammbaum: Die Edelrenette, Reinette franche, schon 1540 erwähnt. Seither als robuster, gut lagerfähiger, sehr aromatischer Apfel bekannt. Fruchtgrösse ist aber klein. Was als derart alte und damit altbewährte Sorte so viele Nachkommen hatte, ist einen Versuch wert.

Mit dem Ribston Pepping habe ich einen zugegeben vermessenen Sortenversuch gepflanzt, allerdings kenne ich auch relativ gesunde Bäume und der Pflanzplatz ist nicht schlecht. Ribston Pepping ist einer der Cox Orange Vorfahren und in der Cox Orange Genealogie wohl die anbaufähigste Sorte unter all den sehr empfindlichen Mimosen wie Cox eine ist. Halbstamm.

Geheimrat Breuhahn, selbst veredelt, nun an seinem endgültigen Platz. Auch etwas kleinkroniger bleibend. Wurde mir sehr empfohlen als robuster Apfel mit gutem Geschmack, der sich lange lagern lässt.

Zehn Jahre alt geworden. Rindenbrand.
Mehrfacher Schutzanstrich wirkungslos.

Auch veredelt und schon am endgültigen Platz ist "Stina Lohmann". Ich bekam Reiser vom Korbiniansapfel, der aber vermutlich gar nicht mehr existiert, sondern verloren ist. Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass die unter diesem Namen vermehrte Sorte immer nur die ältere Sorte "Stina Lohmann" ist, ein Langlagerapfel, zwar nicht allerbeste Güte, aber saftig bleibend und haltbar.

Nach einem bisher gesund gebliebenen Court Pendu Gris, einem hierzulande seltenen grauen Kurzstiel kommt nun auch ein königlicher Kurzstiel auf die Wiese. Auch eine sehr alte Sorte, seit 500 Jahren in Deutschland nachgewiesen und immer als sehr gesund beschrieben. Man sollte es allerdings schaffen, ihn luftfeucht zu lagern, sonst welkt er stark. Das bekomme ich hin mit Folienhaubenlagerung. Viel schwieriger wird sein, überhaupt bis zu einer Ernte zu kommen.

Birnen

Überraschung beim Pflanzloch ausheben:
Trockener Boden auch nach einem Monat Regen.

Dafür habe ich nicht viele Pflanzplätze, denn sie brauchen tiefgründigeren Boden. Auf Quitte veredelt nicht so sehr, dafür ist dagegen das Wachstum oft unbefriedigend. Gepflanzt wurde diesen Herbst Liegels Winterbutterbirne, eine schöne und lagerfähige Sorte, aber sehr schorfanfällig. Deshalb steht sie oben an der Hangkante, wo am meisten Wind herrscht. Die Birnen sind klein, rundlich, sehen nicht toll aus, aber das bewahrt sie vielleicht vor Diebstahl.

Winternelis hatte ich schon einmal, sie ging ein, der Platz war aber auch nicht gut. Ein sehr klein bleibender Baum, dünntriebig, aber sehr gute und ebenfalls lagerfähige Früchte, ebenfalls auf der kleineren Seite. Lagerbirnen sind ein seltenes Gut und es gibt nichts schöneres, als mitten im Winter noch süsse, schmelzende Birnen zu haben. Sie kam in eine Ecke mit bestem Boden.

Champagner Bratbirne steht noch im Beet, ist selbst veredelt, harrt noch der Auspflanzung. Leider sehr feuerbrandanfällig, gehört aber zu den hochwertigsten Mostbirnen überhaupt. Ich habe mal den Versuch gemacht, sie auf Quitte BA29 zu veredeln. Mostbirnen wollte man immer starkwachsend auf Sämlingsunterlagen, aber auf Quitte wird der Baum kleiner bleiben, früher in Ertrag kommen und mit dem flachgründigen Boden besser zurechtkommen.

Anderes Kernobst

Quitte am Steilhang - schwierig, aber möglich

Die Muskatquitte auf BA29 ist eingegangen - und wurde gleich nachgepflanzt. Der Standort ist schwierig, am steinigen Steilhang, aber wenn dort etwas zurechtkommt, dann Quitten. Mehrere andere Sorten wachsen dort bereits, eine ist sogar schon ein stattlicher Baum, sie müssen aber die ersten Jahre überleben. Das dornige Gebüsch aus Hagebutten, Mahonien, endlosen Myrobalane-Schösslingen muss kleingehalten werden, Wasser muss mittels Kletterpartien hingetragen werden. Die Quitten haben sich dort sehr gut geschlagen, von vier Quittensorten schafften es drei.

Noch eine Mispel: Eine Kurpfalzmispel. Sie wurde leider auf Weissdorn veredelt geliefert. Ich setzte sie tiefer, damit sie aus der Unterlage herauswächst.

Steinobst

Pfirsiche haben es im neuen Wetter auch schwer, Baumausfälle haben zugenommen, Monilia wurde virulenter, neue Probleme kamen hinzu. Eine neue, angeblich sehr robuste Hoffnung ist nun im Boden, Flaming Fury Lucy13, auf einem arteigenen Sämling veredelt. Die Sorte soll auch gut schmecken, sie ist kurz nach "Red Haven" reif, also Mitte bis Ende August. Die "Flaming Fury" Pfirsiche sind die Serie eines privaten US-Züchters mit -zig Sorten, bislang eher selten in Europa, aber in den USA auch im kommerziellen Anbau und mit Schwerpunkt im späten Reifebereich.

Der Drops ist gelutscht

Coes Golden Drop kommt an den Platz eines rätselhaft dahingegangenen Spillings. Coes Golden Drop ist eine Pflaume, die Richtung Reneklode geht. Steht auf Unterlage Wavit. Zur Reife sehr platzempfindlich bei Regen, sonst sehr gut. Angesichts der trockenen Sommer als neue Regel bedeutet das keine grosse Gefahr.

Bellamira bekam ich von einem Bekannten, der sie auch veredelt hat. Neuzüchtung aus Geisenheim, eine gelbe rundliche Pflaume mit grossen Erträgen. Hofentlich, denn an Erträgen mangelts mir.

Vertige, auch eine Neuzüchtung, Aprikose. Gezüchtet von INRA, Frankreich. Mit deren Mandelzüchtungen habe ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Veredelt ist sie auf Reneklode, das ist eher selten. In Frankreich steht sie auch im kommerziellen Bionabau, weil sie wenig Pflanzenschutz benötigt, blüht ausserdem spät, angeblich moniliafest, selbstfruchtbar. Da stimmt alles. Ich habe schon mehrere Aprikosen, die Obstart wächst bei mir auf der Südwestwiese erstaunlich gut und einige Sorten auch ohne drastische Krankheiten. Eine "Orangered" ist sogar ein richtig dicker Baum. Auf kräftiger Unterlage kommen sie auch mit dem schlechten Boden sehr gut zurecht. Aber das neue Wetter sorgt bei dieser Obstart schlimmer als bei jeder Anderen für frühe Blüten und frühen Austrieb, der Ernteausfall durch Spätfrost ist praktisch unvermeidlich. Also setze ich auf möglichst spät blühende Sorten und bei kleineren Bäumen vielleicht nächstes Frühjahr auf grosse Hauben.

Mal sehen, was in ein paar Jahren noch steht und wie es trägt. Nicht gepflanzt habe ich subtropische Arten, die zwar ebenfalls zur Freude der Verkäufer schwer in Mode sind, aber mit wenigen Ausnahmen so ziemlich versagten: https://gartenzone.blogspot.com/2023/01/klimawandel-und-neue-obstarten.html