Donnerstag, 10. Mai 2018

Melonen, die Mimosen des Gartens und Fehler bei der Auspflanzung

Melonenjungpflanze im richtigen Auspflanzstadium
Melonen aus dem eigenen Nutzgarten gehören zu den besten, spannendsten aber auch anspruchsvollsten Genüssen. Seit ich einen Garten habe, baue ich viele Sorten mit Hingabe an, so auch dieses Jahr. Der Melonenanbau gelingt nicht jedes Jahr, oft ist es schon vorbei damit, ehe die Pflanzen überhaupt gross geworden sind. Neben Folientunnel- und Gewächshausanbau kommen Melonen bei mir am häufigsten ins Freiland - ohne weiteren Schutz.

Vor ein paar Tagen wurden die diesjährigen Sorten ausgepflanzt, das ist ein ganz besonderes Risiko im Melonenleben, darum soll es im heutigen Beitrag gehen. Es gilt, die typischen Anfängerfehler zu vermeiden. Auch hier lassen einen die Gartenbücher oft im Stich und einige der tatsächlichen Risiken kommen gar nicht zur Sprache. Was ist es also, das jungen Melonen schadet?
  • Stängel und erste Blätter UV-verbrannt
    mangelnde Abhärtung und zu junge Pflanzen. Das führt sofort zu schweren Schäden durch UV-Strahlung, wenn es sonnig und warm ist. Nicht nur Blattgrün junger Blätter bleicht aus, auch der Stängel wird geschädigt, nicht selten so stark dass die Pflanze eingeht. Regel: Neben den beiden Keimblättern muss mindestens ein weiteres stabiles Battpaar existieren und das dritte Paar muss schon sichtbar sein. Dafür braucht die Pflanze knapp einen Monat, also sollte man Mitte April ins beheizte Zimmergewächshaus aussäen, wenn man bis Mitte Mai auspflanzen will.
  • Abgeknickt, eingegangen. Plus Sonnenschäden.
  • Kein Windschutz - die Stängel knicken um! Der Klassiker: Die Jungpflanzen stehen schön im Garten, Windstösse fegen heran, das erste Frühlingsgewitter naht - und schon sind die zarten Stängel abgeknickt. Vor allem in Hausgärten zwischen der Bebauung bilden sich gerne Windkanäle, schwacher Wind wirkt noch schwächer aber Böen verstärken sich durch die von den Baumwerken verursachten Verengungen. Deshalb die Regel: Stängel nach der Pflanzung unbedingt an mindestens einem Punkt mittels Holzstöckchen am Boden fixieren.
  • Überwässert oder Trockenschaden. Es dauert Wochen, bis die Pflanzen aus ihrem Keimsubstrat heraus in den Boden hinein gewachsen sind. Sie trocknet bis dahin sehr leicht und schnell an der Wurzel aus. Passiert das, genügt ein einziger heisser Tag und die welke Pflanze stirbt schnell und unwiderruflich. Junge Melonen wollen täglich zweimal kontrolliert werden, schlappen die Blätter dann muss sofort gegossen werden. Immer lauwarmes Wasser nehmen. Genauso zuverlässig bringt man sie durch ständiges Giessen um, insbesondere auf schweren Böden greifen sofort Wurzelpilze an, die Pflanze beginnt zu welken, man giesst noch mehr.... Exitus.
  • Schneckenfrass an Melonenpflanze.
    Noch gering.
    Alle Pflanzenteile junger Melonenpflanzen üben auch eine hohe Anziehungskraft auf Schnecken aus. Mehr als die meisten anderen Gartenpflanzen. Auch da reicht eine Nacht und schwere Schäden oder sogar Kahlfrass folgen. Zur Pflanzung sollte man der Pflanzfläche Schneckenkorn gönnen oder hinter einem Schneckenzaun wirtschaften.
  • Im Gegensatz zu den Bücherwarnungen schädigen Kälteperioden nicht gleich so drastisch wie die anderen Fehler. Klar ist, dass man in normalen Gegenden die Melonen erst bei stabilem, warmem Wetter auspflanzt, vorzugsweise nach den Eisheiligen im Mai. Wichtig ist ein bereits gut erwärmter Boden. Gegen späte unerwartete Kältenächte kann man sie mit Vlies schützen, was recht gut funktioniert. Folgen mehrere kalte Tage aufeinander, reagieren sie mit Wachstumsdepression, davon können sie sich aber wieder erholen. Daumenregel ist eine Temperatur von 5°C, die nicht unterschritten werden sollte. Wenn die Nächte immer noch unter 5°C kalt sind: Warten mit dem auspflanzen.
Es dauert auch bei warmem Wetter wochenlang, bis sie im Freiland abgehärtet sind und wieder loswachsen. Man braucht nicht gleich ein Gewächshaus, wenn man sie besser und früher im Wachstum haben will. Schon aus dem frühen 19. Jahrhundert sind Anleitungen überliefert, wie man sie auf Pferdemist setzt und dann hinter Glasscheiben wie in einem Frühbeet zieht. Damit ist dann auch ein guter Windschutz vorhanden.


Weitere Gefahren


In 20 Sekunden aufgescharrt: Amsel gräbt Loch
Pflanzt man sie offen auf Pferdemist oder weichem Komposthumus, droht eine weitere Gefahr. Die Gartenplage Amseln scharren rücksichtslos solche Substrate durch, reissen dabei bis zu 20cm tiefe Löcher auf und im Wege stehende Pflanzen werden einfach ausgerissen, geknickt oder zugewühlt. Es spielt keine Rolle, ob das Substrat Würmer oder sonst etwas essbares enthält. Sie tun das, weil sie es können, nicht weil sie dort etwas finden. Ich habe einmal vier Wochen lang ein Häufchen knochentrockene Pflanzenreste (die übrigen, groben Teile von verrottetem Kompost) jeden Tag mindestens einmal wieder zusammengefegt, weil sie von Amseln permanent durchgefetzt und weggescharrt wurden, ein völlig sinnloser Energieaufwand, auch für Nestbau war dort nichts zu holen. So wird die gute Erde zum Fluch. Netze sind mühsam, aber helfen wenn sie richtig aufliegen. Allerdings hat sich einmal eine Amsel in ihrer Wühlgier darin verfangen. Nicht lange. Nachbars Katze holte sich den Braten sofort, am Morgen lagen nur noch Flügelreste im Netz.


Wie abhärten?


Wieder nix
Wie härtet man die Melonen nun ab? Nach der Keimung stehen sie 1-2 Wochen lang in Töpfchen am Südfenster im Haus mit möglichst viel Licht. Danach kommen die Töpfe ins geschützte Gewächshaus und werden während Wärmeperioden schon phasenweise ins Freiland gestellt. Dann erst auspflanzen. Die Aussaat direkt ins Freiland funktioniert auch, ist aber für die meisten Sorten zu spät. Es gibt Ausnahmen - darüber in anderen Beiträgen mehr. Was direkt im Freiland keimt, ist von Anfang an trockenfester und UV-stabiler, aber Windböen und Schnecken machen dieselben Probleme.

So sollen sie werden

 

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