Montag, 7. Oktober 2019

Heurige Fehlschläge

Nutzgärtner, die über viele Erfolge berichten und schöne Bilder zeigen, sind verdächtig. Es gibt keinen Nutzgarten, in dem alles gelingt und gut aussieht. Von den Kulturen, die ich im Garten stehen habe, dürfte regelmässig ein Viertel so viel Probleme haben, dass sie als ziemlich gescheitert angesehen werden müssen. Und wenn ganz neue Nutzpflanzen ausprobiert werden, dürfte die Quote sogar bei 50% liegen. Dicke Ernten sind schön, aber direkt daneben läuft immer einiges schief. Leute, die kaum Probleme haben, haben immer eine Kombination aus vielen seltenen Ressourcen oder sie lügen. Sehr viel Zeit, Gunstlage, Glück mit dem Wetter. Da gibt es dann auch Jahre, die man vorzeigen kann. Aber schon ein Jahr später kann es wieder ganz anders aussehen und es stellt sich heraus: Ausnahme, nur mal Glück gehabt.

Auch dieses Jahr gab es einen Strauss alter und neuer Reinfälle bei mir. Manchmal lässt sich ergründen, woran es lag, manchmal bleibt es ein Rätsel. Meistens bleibt es bei Vermutungen, die mit Indizien unterlegt sind. Stellen wir also die Hitliste der Gartenversager 2019 auf.

Platz 4: Yakon


Yaconpflänzchen im Oktober - nach 5 Monaten Entwicklung
Hatte ich schon 2018 und konnte da mit viel Bewässerung ein paar Knollen ernten. Dieses Jahr blieben die Pflanzen winzig klein oder gingen sogar kaputt. So langsam schält sich aus heraus, warum das so ist. Wie alle diese "Neuentdeckungen" stammt sie aus Hochlagen der südamerikanischen Tropen. Das Klima dort unterscheidet sich signifikant von dem Mitteleuropas. Die Vegetationszeit ist viel länger, keine Hitzespitzen, warme Nächte, gleichmässige Niederschläge. In unserer trockenen Sommerhitze bleiben die Pflanzen im Wachstum stehen, um dann viel zu früh im Oktober oder sogar September vom Frost erwischt zu werden.
Die Yacon dieses Jahr stand sonniger wie letztes Jahr und auf flacherem Boden. Beides mag sie nicht. Tief und feucht sowie Nachmittagsschatten gefallen ihr viel besser. Und keine Monate mit >30°C, um dann früh in den ersten Bodenfrost zu stürzen, nach dem sie sofort ihr Grün einbüsst.

Platz 3: Ulluco


Ulluco am Ende der Vegetationsperiode
Noch so eine südamerikanische Knolle. Gepflanzt, versagt. In der Sommerhitze zeitweise so sehr, dass man den Eindruck hatte, sie geht ganz drauf. Aber sie überlebte, fing erst im September zart zu wachsen an, im Oktober erreicht sie wieder den Pflanzzustand, wenigstens verträgt sie leichten Frost, wächst aber nicht mehr richtig. Die Knollen blieben winzig, eigentlich sollen sie grösser sein und lustig punktiert aussehen. In Südamerika ist sie eine Pflanze der Höhenlage zwischen 3000 und 4000 Meter in der Tropenzone. Bei uns das übliche: Viel zu heiss, viel zu kurze Phasen mit normalen Temperaturen, zu trocken. Ihr fehlen mehrere Vegetationsmonate mit Temperaturen von 10-20°C.

Platz 2: Maca


Macapflanze, trauriger Rest
Die nächste Knolle, die versagt, eigentlich eine Rübe). Und sie treibt es noch schlimmer.  Im Ursprungskontinent Südamerika wächst sie auf bis zu 4500 Meter und hält einiges an Frost aus. Angeblich schafft sie das Wachstum auch unter extremen Bedingungen. Immerhin ging sie bei mir auf und wuchs auch eine Zeitlang, wenn auch sehr langsam. Es ist ein Kreuzblütler und gehört zur Gattung der Kressen. Dann passierte das, was allen Kreuzblütlern hier mittlerweile passiert: Massenhaft Kohlerdflöhe machen sie nieder, dazu kamen noch Bodenläuse. Man konnte die von den Erdflöhen abgefressenen Reste recht leicht aus dem Boden ziehen, unten waren noch andere Lauskolonien dran. Totalschaden durch Schädlinge. Dass sie angeblich auch von Schnecken abgefressen wird, spielte bereits keine Rolle mehr, die anderen Schädlinge waren schneller. Daran wird sich auch nichts ändern, die Schädlinge sind ohne intensiven Einsatz der Agrochemie nicht zu beherrschen. In den Anden gibts die hiesigen Schädlinge in grossen Höhen nicht.

Platz 1: Eissalat


Eissalat: Schlechter Start
Mal etwas, das nicht aus Südamerika stammt, dafür um so trauriger. Und früher durchaus erfolgreich im Garten angebaut. Doch diese Zeiten sind vorbei. Nicht nur bei mir, auch andere Nutzgärtner in warmen Lagen wie meiner berichten dasselbe: Totalschaden bei den gut schmeckenden alten Sorten wie "Laibacher Eis" oder "Grazer Krauthäuptel". Schade, einer meiner Lieblingssalate ist damit dahingegangen.

Eissalat: Baldiger Hitzetod
Es handelt sich damit beileibe nicht nur um den Sommeranbau. Bereits im Frühjahr klappt es nicht mehr. Der ausgepflanzte Salat verbrannte, so wie 2018 und mehrfach in den Jahren vorher. Im Juni, in seiner Hauptwachstumszeit steigen die Temperaturen bereits weit über 30°, früher war das die absolute Ausnahme und heute die Regel. Der Salat stellt das Wachstum ein, die Blätter sind ab Mittag schlaff. Viel giessen hilft da nichts mehr. Sie nehmen von den äusseren Rändern her eine rote Färbung an, dann gehen die Pflanzen Stück für Stück ein oder schliessen ohne Kopfbildung.  Wahrscheinlich geht es noch mit Sprühwasserkühlung, aber Nebeldüsenkonstruktionen und Wasserverbrauch übersteigen meine Möglichkeiten. Wenn ich schon im Juni mit Wasser kühlen muss, ist mein Wassertank im Juli leer und ich kann den Rest des Gartens stillegen. Oder muss Leitungswasser nutzen, das grösstenteils vom Bodensee hergepumpt wird und das ich teuerst bezahlen muss.

Eissalat im Wetterwandel
Herbstanbau geht genauso wenig. Ich muss dafür im August pflanzen, da ist es zu heiss. Schon die Keimung ist schwierig, Direktsaat unmöglich. Seit Jahren bekommt man ihn  nur noch in einer Pflanzplatte zum keinen, die im kühlen Keller steht. Auch der Vollschatten im August ist zu heiss für eine Keimung. Der kommerzielle Profianbau hat ebenfalls Ausfälle von über 50%, nutzt spezielle moderne Sorten. Neuzüchtungen schön und gut, aber ich habe nur welche mit starken Abstrichen beim Geschmack erlebt. Grün gefärbtes Knitterpapier, süsslich, optimiert auf Konsistenz, Optik und automatisierte Feldtechnik, Geschmack irrelevant. Die Salatklassiker sind nicht süsslich, sondern säuerlich mit einer Spur Herbheit, im Aroma eine Kombination aus Butter und grünem Blatt. Wozu Knitterpapier anbauen? So etwas kann ich auch billig kaufen. Laibacher Eis und den Grazer Krauthäuptel nicht.

Sonntag, 29. September 2019

Edamame, willkommen im Garten

Edamameschote und -Bohnen
Das Gartenjahr hat den Herbst erreicht. Ein arbeitsreicher Spätsommer liegt hinter mir mit leider zu wenig Zeit, um viel zu schreiben. Nun wird es ruhiger. Eine der erfolgreichsten heurigen Kulturen waren Edamame - Bohnen, auch die letzten Jahre sind sie gut gelungen. Edamame sind Sojabohnensorten (Glycine max), die darauf optimiert sind, grün und unreif geerntet und gegessen zu werden. Die typische Zubereitung ist sehr einfach: Mit den Hülsen für mindestens fünf Minuten in kochendes Salzwasser werfen. Abgiessen und die Bohnen aus der Hülse lutschen. Gegessen werden sie gerne zu ähnlichen Gelegenheiten wie gesalzene Erdnüsse. Es gibt aber noch viele andere Verwendungsmethoden. Sie schmecken nussig, lecker und angeblich haben sie auch eine Reihe ganz toller Inhaltsstoffe. Die interessieren mich weniger und das in den Medien übliche wechselweise hochjubeln und verdammen von irgendwelchen Lebensmitteln ist nicht meine Sache, mir geht es um ihren Anbau im Nutzgarten und was man damit machen kann. Anbauen muss man sie wenn man keine Spezialitätenläden in der Nähe hat, denn in normale Supermärkte haben sie es noch nicht geschafft. Es gibt sie aber tiefgekühlt in Läden für ostasiatische Spezialitäten. Importiert aus Übersee.

Karriere in Mitteleuropa


Sojabohnenfeld mit Jungpflanzen
Sojabohnen sind insgesamt in unserer Region in wenigen Jahren eine sehr verbreitete und geförderte landwirtschaftliche Kultur geworden. Noch von wenigen Jahren hiess es, das Klima sei in Mitteleuropa dafür generell nicht geeignet, die Erträge zu gering. Das hat sich stark geändert und sie stehen jetzt hektarweise auf den Feldern. Oft fällt das gar nicht auf, denn sie sind sehr unscheinbar, sehen von weitem wie Buschbohnen aus, blühen auch unauffällig mit kleinen Blüten, meist weiss, manchmal violett. Eigentlich sind sie Leguminosen, die sich mittels ihrer Symbionten 80% des benötigten Stickstoffs selbst aus der Luft holen können, was den Einsatz von Stickstoffdünger stark vermindert. Das hat aber einen gewaltigen Haken, der auch uns im Nutzgarten betrifft. Das Problem ist
Edamame Blüten
nämlich, dass Sojabohnen im Gegensatz zu anderen Leguminosen dafür zwingend eine Bodenbakterienart benötigt (Bradyrhizobium japonicum), die in europäischen Böden überhaupt nicht existiert. Fehlt sie, wachsen die Sojabohnen zwar auch, benötigen aber viel zugeführten Stickstoff und verbessern den Boden nicht selbst, wie es andere Leguminosen schaffen. Der beste Vorteil von Leguminosen ist somit futsch. In der Landwirtschaft wird das Saatgut deshalb bei der Aussaat mit diesen Bakterien geimpft. Kaufen wir dagegen Edamamesorten für den Hausgarten, geht das Beimpfen mit den Bakterien nicht. In kleinen Mengen für Privatleute sind die nötigen Präparate (noch?) nicht erhältlich und die Bakterien überstehen die Lagerung im Samentütchen nicht. Edamame sind bei uns im Garten damit eine stickstoffbedürftige Kultur.

Edamame selbst anbauen


Jungpflanzenanzucht Edamame
Der Anbau ist trotzdem einfach. Sinnvoll ist vorkeimen in der Wärme, denn unter 10° C Bodentemperatur keimen sie nicht. Dafür nehme ich Standard-Anzuchtplatten oder Torfformen und säe sie darin Anfang Mai aus. Gewächshaus oder Südfenster. Vosicht, sie faulen leicht wenn man das Anzuchtsubstrat zu feucht hält. Sie dürfen keinesfalls im Wasser stehen. Mitte Mai nach der letzten Frostgefahr geht es aufs Beet hinaus, Pflanzabstand 15cm. Spätere Saaten zur Erntestreckung können noch bis 1. Juni direkt ausgesät werden, die Erde ist dann auch im Freiland warm genug. Sonnige Standorte sind gut und Trockenheit steckt sie auch gut weg. Der Grund liegt in ihren tiefreichenden Wurzeln, die bis zu 1,5m lang werden. Sie holt sich Wasser aus der Tiefe. Auch im Feldanbau ohne Bewässerung sind erstaunlich wenig Trockenprobleme zu sehen, obwohl unsere Gegend wirklich niedere Sommerniederschläge hat und auch nicht alle Pflanzungen auf gutem Boden stehen. Wenn die Körner angesetzt worden sind, braucht sie etwas mehr Wasser. Blattschäden durch Hitze, wie ich sie regelmässig an Buschbohnen im Sommer habe weil es im Garten mehrmals über 40°C heiss wird bekommen sie nicht. Das ist eine Eigenschaft, die sehr wertvoll geworden ist.

Pflanzen bei Blühbeginn
Die Pflanze wächst langsam und wird sortenbedingt zwischen 25 und 50cm hoch. Zeitweilig macht sie den Eindruck, sie würde überhaupt nicht wachsen, vor allem bei Hitze. Plötzlich erscheinen die kleinen Büten. Kultursorten der Sojabohne sind selbstfruchtbar, Fremdbefruchtung durch Pollen anderer Pflanzen ist die Ausnahme. Die Blüte enthält sehr wenig Nektar, ist für Insekten leider nicht sehr interessant. Schoten entwickeln sich im Juli, von Anfang bis Ende August kann geerntet werden. Das macht man bei Edamame, wenn die Bohnen gross, fest aber noch knallgrün sind. Danach werden Bohnen gelb und reif, die Pflanzen sterben schnell ab. Wartet man mit der Ernte zu langsam, werden die Schoten holziger, die darin befindlichen harten und gelblichen Bohnen schmecken kurz gekocht nicht mehr besonders. Grün müssen sie sein!

Ausprobiert habe ich die Sorten Tohya und Green Shell, die sich im Habitus überraschend stark unterscheiden. Tohya wird Anfang August reif, die Pflanzen bleiben niedrig, sind auch gut windfest. Green Shell wird fast doppelt so hoch, die Ernte war dieses Jahr am 29.8., also deutlich später wie Tohya. Die Bohnen wirken auch etwas grösser und es sind im Schnitt mehr Bohnen in der Hülse, die Erträge sind besser. Im Geschmack konnte ich keine Unterschiede feststellen.
Erntereif - perfekt!
Überreife Reste abgeerntet


Verarbeitung


Wegsortieren zu alter Schoten
Die Schoten sind anders als bei Buschbohnen zäh und niemals essbar, auch nicht wenn die Pflanze jung ist. Verwendet wird immer nur der Bohnenkern. Was man nicht sofort wegknabbert, kann man sehr gut einfrieren. Als eiweissreiche, gehaltvolle und aromatische Zutat gewinnen vor allem Gemüsegerichte und Salat. Sie haben zwar Eigenaroma, passen sich aber auch sehr gut an andere Gerichte an. In gebratenem Gemüse aus dem Wok machen die leuchtend grünen Bohnenkerne auch optisch viel her.

Edamamebohnen fürs einfrieren ohne Hülse kochen. Ansonsten werden sie mit Hülse gekocht.

Donnerstag, 15. August 2019

Sommerbirnenfreuden: Stuttgarter Geisshirtle

Lustiges Sommerbirnchen: Stuttgarter Geisshirtle
Mit viel Hoffnung wird sie jährlich erwartet, nun ist es endlich so weit: Die Sommerbirnensorte "Stuttgarter Geisshirtle" ist pflückreif. Den Baum habe ich seit ein paar Jahren und er trägt nun immer besser, ist bei einigen Kilo Birnen angelangt. Damit hat sich ein alter Traum erfüllt, eine der besten Frühbirnen ernten zu können. Selten ist die Birne zwar nicht, früher war sie sehr verbreitet und auch ich kannte sie schon in der Kindheit, als ich im Dorf alle Bäume der Umgebung durchprobiert habe. Heute muss man schon selber einen Baum pflanzen, um sie essen zu können.

Im Nebel der Vergangenheit


Den Namen kann man schreiben, wie man will. Gaisshirtle, Geisshirtle. Andere Namen waren Zuckerbirne, Hutzelbirne, wer so verbreitet und beliebt ist darf auch einen generischen Namen haben. Ihre angebliche Geschichte ist sehr populär und in allen Obstbüchern zu lesen. Ein Geissenhirt soll sie im 18. Jahrhundert gefunden haben. Das klingt gut und kann auch wirklich so gewesen sein. Vielleicht hat er auch nur eine weit ältere Sorte neu gefunden, vielleicht war es wirklich ein Zufallssämling aus einem Gebüsch. Die damals viel häufigeren Gehölzstreifen zwischen den Feldern waren voller Wildlinge, die zum Beispiel aus Tresterkernen aufgingen oder der Trester wurde vom Vieh gefressen und auf natürlichem Wege wieder irgendwo "ausgesät". Tatsache ist, dass so ähnliche kleine Sommerbirnen uralt sind und aufgrund ihrer grossen Beliebtheit als Hutzelbirne immer gesucht und gepflanzt waren. Jede Region hat mehrere eigene Sorten, zum Beispiel das Abrahämchen oder die kleine Muskatellerbirne, die schon Ende Juni reif sein kann. Auch die etwas spätere Sommermuskatellerbirne, früher eine Marktsorte, die Nagowitzer Birne, die Augustbirne und viele, viele mehr. Einige schafften die überregionale Verbreitung, so zum Beispiel das Geisshirtle.

Sommerbirnen?


Frisch gepflückte Geisshirtle.
Eine hing zu lange am Baum, die Gelbliche.
Sommerbirnen haben heute nur noch Kuriositätenstatus. Die Früchte erreichen zwar erstaunliche Qualität und können enorm lecker sein, sind aber klein und nicht lange haltbar. Nur auf manchen Wochenmärkten gibt es sie, an Feinschmeckerrestaurants werden einige geliefert. Der Wochenmarkt ist aber kein Beweis für Fachkunde, auch auf dem Markt bekommt man sehr oft zum falschen Zeitpunkt geerntete oder zu lange liegende Früchte. Im Lebensmittelhandel sind sie überhaupt nicht zu haben. Auch sonst keine Sommerbirnen. Da gibt es um diese Jahreszeit noch totgelagerte Restbestände von Conference des letzten Jahres im Abverkauf und die ausgesprochen aromaschwache "Limonera" (die eigentlich Dr. Jules Guyot heisst) aus Südeuropa per LKW hergekarrt. Kurz danach beginnt eigentlich die Williams Christ Saison, aber diese Sorte verschwindet ebenfalls rapide vom Markt, als aromastarke Birne passt sie nicht in den deutschen Einzelhandel, der am liebsten geschmacksfreie Einheitsprodukte mit möglichst langen Transportwegen vertreibt. Es wäre schön, könnte ich diesen Satz als Ironie kennzeichnen, leider habe ich den Eindruck, das wäre die Realität.

Fruchtbeschreibung und bester Erntezeitpunkt


Pflücken spätestens beim ersten Aufhellen der ersten Birnen
Genug der Bitterkeit heutiger Einzelhandelsrealitäten. Das Geisshirtle ist klein, aber hübsch und süss, hat keine herben Gerbstoffe. Wie bei fast allen Birnen ist der richtige Pflückzeitpunkt wichtig. Zunächst die Reifezeit: Früher sprach man von Mitte August bis Anfang September in kühleren Gegenden. Mitte August ist bei mir schon lange normal und immer wieder ist sie sogar schon ein, zwei Wochen vorher pflückreif. Ab Anfang August muss man sie gut beobachten, die Schattenseite ist grün und wird dann grüngelb. Die beste Pflückreife liegt schon kurz vor der Aufhellung. Wird sie am Baum gelb, ist sie überreif und man hat den besten Zeitpunkt verpasst, das Aroma ist bereits wieder schwächer, sie wird auch nicht mehr richtig schmelzend und vollsaftig. Die Pflückreife erkennt man, indem man sich die Birnen genau ansieht. Einzelne Früchte sind schneller, es sind Vorläuferfrüchte. Bekommen die ersten Birnen Gelbtöne, werden auch die Anderen bald so weit sein, dann sollte man den Baum abernten. Dabei hängen die Früchte gewöhnlich noch relativ fest, davon darf man sich nicht täuschen lassen.

Vollsüss, knappreif, schon aromatisch.
Erwischt man sie zum richtigen Zeitpunkt, ist sie bereits saftig und süss, aber auch noch körnig und fest im Fruchtfleisch. So schmeckt sie bereits, aber sie wird noch besser. Nach ein paar Tagen, wenn die nicht gerötete Schalenseite heller wird, wird sie weicher, schmelzend, noch saftiger, das Aroma erreicht einen Höhepunkt mit einer schönen zuckrigen Süsse, einem Oberton der manchmal als "zimtartig" beschrieben wird und feinem Säuregegengewicht. Dann ist sie äusserst delikat. Die Konsistenz wird vor lauter Saft etwas glasig, Saft sammelt sich in Bissmulden. Ihr Zuckergehalt ist hoch, dieses Jahr hat sie
70°OE / 14,4 Brix.

Angebissenes vollreifes Geisshirtle, eine hochsaftige Sache.
Ich schmecke bei ihr im knappreifen Zustand noch Erdnuss und später Pfirsich heraus. Man sitzt im August in einer schattigen Ecke, kaut und lutscht sich Birnchen um Birnchen hinein, sie wiegt ja nur um die 70g und hat damit das Grössenformat einer mässigen Feige. Der süddeutsche Liebhaber gibt sich gar nicht erst mit dem Birnenbutzen ab und isst mit spitzem Munde darum herum, sondern er greift sich das Birnle am Stiel und isst sie bis auf den Stiel ganz. Plötzlich ist die Schüssel schwuppdiwupp leergegessen. Eine Woche ist sie gut, dann bräunt sie vom Kernhaus her, teigt und matscht dann, das Vergnügen ist schon vorbei.

Verwendung?


Blattform, oft mit deutlicher Spitze
Aber das Vergnügen ist nicht ganz rum, denn wie alle alten Sorten ist sie auch eine erstklassige Verarbeitungsfrucht. Hauptverwendung war früher das Dörren, man hat Hutzelbirnen hergestellt, eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte überhaupt. Auch Einkochen geht sehr gut bei ihr, sie zerfällt nicht gleich, die Lake bräunt nicht und trübt kaum. Nur der Vorbereitungsaufwand mit den kleinen Früchten ist erhöht. In der Küche ist sie eine Dessertfrucht, man kann sie zum Beispiel mit Stiel in Schokolade tauchen und dann kühl stellen. Schokolierte Sommerbirnen. Vorher kurz dünsten oder nicht ist Geschmackssache. Saft lohnt sich nur, wenn man wirkliche Übermengen eines grossen Baums hat. Man sollte sie aber früh pressen, schon vor der optimalen Genussreife und auch nicht lagern. So ist die Maische noch leichter pressbar.

Eigenschaften des Baums


Blütenknospenansatz am Geisshirtle
Der Baum zeigt sich bei mir ausgesprochen robust und problemlos. Die Sorte gelingt auf schwächeren wie auf stärkeren Unterlagen. Auch in meiner immer zu trockenen warmen Lage mit dem schlechten, für Birnen sehr schwierigen weil zu flachgründigem Boden fruchtet sie gut und reichlich. 2018, als es von Juni bis November nicht regnete und heiss war, erlitt sie wie alle anderen Bäume Blattschäden und die Früchte reiften nicht mehr aus. Aber der Baum trieb im nächsten Jahr wieder normal aus, blühte wie immer reichlich und setzte an - kein Totholz fiel an, im Gegensatz zu anderen Birnen. Sie alterniert auch nicht, ist nicht
Trockenschaden August 2018
empfindlich auf Blütenfrost und schlechtes Wetter. Der Baum wächst anfangs kräftig. Schorf hat sie nicht, in Luftfeuchten Lagen soll aber Zweigschorf ein Problem sein. Das grösste Problem stellen nicht nur bei mir die Zerstörungen durch Vögel dar. Schon vor der Reife werden die Birnen durch verschiedene Vogelarten angehackt. Solange mein Baum klein genug dazu ist, werfe ich ein Netz über die Krone, irgendwann wird das nicht mehr gehen. Auch der Schnittaufwand ist mässig, wenn die Krone stimmt kümmert man sich vor allem noch darum, dass er nicht zu hoch wird und verjüngt später die Seitenäste. Sie hat keine Wuchsanomalien. Sie muss nicht auf einer Obstwiese stehen, als Spindel erzogen auf einer Quittenunterlage ist sie für einen Hausgarten passend und nützlich.

Reicher Fruchtansatz am Stuttgarter Geisshirtle
Nochmal ohne Sonne, um ein besseres Gefühl für Farbe und Schale zu bekommen

Noch ein Wort zu anderen kleinen Sommerbirnen: Neben dem Geisshirtle habe ich auch eine Sommermuskatellerbirne und die Petersbirne, auch mit der kleinen Muskatellerbirne habe ich eigene Erfahrungen. Dazu später mehr Details. Als Sommerbirnen sind sie alle ein Genuss. Die Petersbirne ist sogar noch einige Wochen früher reif, schon Mitte Juli. Da liegt noch nicht einmal die "Limonera" aus Portugal im Laden.

Donnerstag, 8. August 2019

Noch mehr Auberginensorten

Auberginen haben sich zu einer dauerhaft erfolgreichen Freilandkultur gemausert. Sie sind ideal für das sich schnell verändernde Klima: Brauchen relativ wenig Wasser, bekommen keinen Sonnenbrand, sind erstaunlich hitzefest, profitieren sehr von den verlängerten Vegetationszeiten, haben wenig Krankheiten und Probleme. Ein Gemüse für den Klimawandel. Ich baue sie seit vielen Jahren auf einem grösseren Beet an, je nach Sommer klappte das mal gut, mal mässig. Seit einigen Jahren jedoch regelmässig gut bis sehr gut. Parallel dazu kommt eine Pflanze je Sorte auch ins Gewächshaus, um eventuelle Unterschiede festzustellen. Seit im Beitrag von 2017 bereits einige Sorten vorgestellt wurden, konnte ich noch viele mehr ausprobieren. Auch dieses Jahr wieder. Das sind einige Ergebnisse davon:

Tagesernte Auberginen Ende Juli
Rund links oben: Ronde de Valence. Weiss: White Egg. Rechts oben: Hallasan Cheju. Unten links: Bonic. Marmoriert, klein: Slim Jim. Rechts unten. Faselis.


White Egg



"White Egg" Aubergine
Meine erste rein weisse Sorte. Eine echte "Eggplant", Eierfrucht. Überreife Früchte werden aber gelb, wie ich erlebt habe. Wenn sie den gelben Schimmer bekommt, hing sie also zu lange. Im Gewächshaus habe ich auch schon einen grünlichen Schimmer erlebt. Ernten, wenn sie höchstens eigross sind, sie sehen tatsächlich aus wie weisse Hühnereier. Nicht nur die weissen Früchte sehen sehr edel aus, sondern auch die Pflanze. Im Freiland wurde sie für eine Aubergine recht gross und zeigte deutliche Unterschiede zu den violettschwarzen Sorten beim Laub. Es ist feiner, kleiner und gelappter. Die Pflanze wächst schön dicht, schiebt aber nicht allzu schnell Früchte und kommt etwas langsam in Fahrt. Insgesamt eine deutlich unterdurchschnittliche Erntemenge, die höhere Zahl der Früchte gleicht nicht das geringere Gewicht aus. Der Geschmack ist aber gut, im Aroma etwas anders wie die dunklen Verwandten aber gut. Wurde im Freiland grösser wie im Gewächshaus.
Fruchtqualität Note 2, Optik Frucht Note 1-, Pflanze 2.

Aubergine White Egg Pflanze, Freiland


Bonica


Unten Aubergine Bonica
F1-Hybride. Dieses Jahr die Sorte, die am meisten den Supermarktfrüchten ähnelt, etwas gedungener und manchmal grösser. Das Gewicht gut entwickelter Früchte liegt oft über 300g. Der Geschmack ist auch ähnlich wie Supermarktware, dezentes Aroma, Konsistenz okay, aber keine echten Höhepunkte. Im Freiland wurden die Pflanzen mittelgross, im Gewächshaus gross. Eine problemlose Sorte, die gut verwertbare grosse Früchte produziert, optisch ansprechend, aber ich fand sie insgesamt ohne Aufregung, nicht allzuweit entfernt von den käuflichen Supermarktauberginen aus Holland.
Fruchtqualität Note 2-, Optik Frucht Note 1-2, Pflanze 1-2.

Für mein Lieblingsrezept Auberginen mit Parmesan waren sie auch gut brauchbar: 4 mittelgrosse Auberginen in 1cm - Scheiben schneide, salzen, etwas stehen lassen, mit Mehl bestäuben und in der Pfanne mit heissen Olivenöl von beiden Seiten braten. Tomatensosse zubereiten aus 1kg Tomaten. Mit Basilikum, Salz, Pfeffer einkochen bis sie nicht mehr suppt, das tritt bei etwa 0,4 Liter Restmenge ein. 125g Parmesan reiben. Eine flache Auflaufform damit füllen: Unten Auberginenscheiben, dann Tomatensosse, dann Parmesan. Nochmal einen Auberginenlage, Tomaten, Parmesan. 15 Minuten bei 200°C im Ofen überbacken. Mit Ciabatta eine Vorspeise oder ein leichtes Hauptgericht.

Hallasan Cheju


Aubergine Hallasan Cheju
Aus Korea. Sehr gut! Früchte bleiben kleiner wie gedacht, knapp tennisballgross. Sie sind manchmal etwas asymmetrisch und mit leichten Kanten. Nicht darauf warten, dass sie noch wächst, sondern genau beobachten und dann rechtzeitig ernten. Sie hat deutliches Aroma, das Fruchtfleisch ist fest und dicht, gut für alle Verwendungsarten. Sie schmeckt auch noch, wenn die Kerne schon ausgebildet sind. Gute Sorte. Kein Wunder, die koreanische Küche ist Spitze und das auch wegen der guten Zutaten.
Fruchtqualität Note 1-, Optik Frucht Note 3+, Pflanze 1-2.

Slim Jim


"Slim Jim" Aubergine
Überraschend. Wunderschöne kleine Früchte, nur fingergross, marmoriert. Keine Farbunterschiede zwischen Freiland und Gewächshaus, bei anderen Sorten passiert das öfter, im Gewächshaus färben die dann weniger. Nicht so Slim Jim. Hängen in dichten Trauben und werden wegen der kleinen Grösse meist zu spät geerntet, weil man denkt, die werden noch grösser. Macht aber nichts, sie schmecken auch überreif mit Kernen noch sehr, sehr gut. Einfach halbieren und in der Pfanne in heissem Olivenöl und Salz anbraten. Sonst nichts dazu. Nur Aubergine. Erstklassiges Aroma und herrliche cremige Konsistenz. Man kann nicht genug haben vom schlanken Jakob. Die Pflanze bleibt leider auch etwas klein. kein Unterschied zwischen Gewächshaus und Freilandkultur. Vermutlich gibt sie auch im Topf ein gutes Bild ab, dekorativ ist sie auf jeden Fall.
Fruchtqualität Note 1, Optik Frucht Note 2, Pflanze 2-.
Slim Jim Pflanze im Gewächshaus


Faselis


Aubergine Faselis
Türkische Sorte, türkischer Stil: Sehr hoher Ertrag, mässiges Aroma. Ein Massenträger, der Kilos aber wenig Qualität liefert. Andererseits liefert die Pflanze durchaus eine gute Show. Sie ist praktisch immer mit Früchten behangen und wird viel grösser wie andere Sorten. Ich habe sie an einem Tomatenspiralstab geführt, Ende Juli überschritt sie 1,40 Meter Höhe. Pro Pflanze hat sie mit Abstand die höchsten Erträge aller Sorten. Fürs Gewächshaus ist das ideal, wo Platz Mangelware ist und das Höhenwachstum in den Raum hinein willkommen. Etwas kleine, längliche Früchte mit bis zu 200g, deshalb nicht so gut für mein Lieblingsgericht "Parmigiana di Melanzane" geeignet. Wird auch im Gewächshaus deckend violettschwarz, manchmal sogar mit Einsprengseln in die Frucht hinein.
Fruchtqualität Note 2-3, Optik Frucht Note 2+, Pflanze 1-.


Sonstige Sorten



Aubergine Laura
Ronde de Valence und Laura erschienen schon im letzten Beitrag, seither habe ich sie jedes Jahr erneut angebaut. Die ersten Erfahrungen haben sich bestätigt. Die kugelrunde Ronde de Valence zeigt etwas Farbschwäche im Gewächshaus und sie gelingt im Freiland so gut, dass sie nicht unter Glas angebaut werden sollte. "Laura" hat keine hohen Erträge, aber gute, mittelgrosse Früchte. Generell sind die Sorten mit grossen Früchten auch wattiger und bekommen schneller Kavernen bei Überreife. Sie haben zwar mehr Frucht, aber weniger Inhalt.
Die Sorten fürs nächste Jahr sind schon ausgesucht.


Neue Anbauprobleme?



Spinnmilbenbefall, kleine weisse Punkte
Grundsätzlich sind Auberginen wie gesagt eine Kultur mit verhältnismässig wenig Problemen. Schlimmer geworden sind jedoch Probleme mit Spinnmilben, denen das veränderte Klima in die Karten spielt. Zur Bekämpfung von Spinnmilben steht hier alles: https://gartenzone.blogspot.com/2018/06/melonen-die-haufigsten-krankheiten.html . Trotz ihres mässigen Wasserbedarfs muss man sie mittlerweile auch vermehrt giessen, Trockenperioden sind länger und schlimmer geworden.
Zugenommen haben bei mir auch Probleme mit Verticillium. Dieser Bodenpilz greift die Pflanzen an, zu Beginn sehen die Symptome an warmen Tagen wie Wassermangel aus, schlaffe Blätter. Ältere Blätter vergilben dann, und auch jüngere Blätter werden vom Rand her nekrotisch, trocknen ein. Die Pflanze kümmert, trägt noch eine Weile kleinere Früchte. Ein Mittel dagegen gibt es nicht, wichtig sind lange Anbaupausen auf Flächen, auf denen Auberginen standen. Resistente Sorten gibt es auch nicht. Meistens kann noch eine gute erste Ernte eingefahren werden, bevor der Pilz die Pflanzen ab Ende Juli schädigt.

Oben etwas Spinnmilben, unten beginnender Verticilliumbefall
Auberginen 2017: http://gartenzone.blogspot.com/2017/09/auberginen-ohne-ende-kohl-am-ende.html

Montag, 29. Juli 2019

Kohlerdflöhe / Phyllotreta gewinnen, Kohlgemüse verlieren

Kohlerdfloh an Kraut
Kraut war früher einmal das häufigste angebaute Gemüse in Mitteleuropa und gehörte zu den problemlosesten Kulturen, obwohl bis in die Neuzeit noch keine Pflanzenschutzmittel zur Verfügung standen. Auch andere Kohlsorten waren und sind ungebrochen populär - Grünkohl, Rettiche, Blumenkohl, Blattkohle wie der Chinakohl und vieles mehr.

Kohlerdfloh: Starker Zuwachs


Der Anbau von Kohlgemüse zählt leider zu den grossen Verlierern der letzten Jahre. Der Brandbeschleuniger dafür war das veränderte Klima. Die meisten Arten leiden schwer unter den gehäuft auftretenden trockenheissen Sommern, plötzlichen Starkniederschlägen, immer unbeherrschbareren Krankheiten. Am schlimmsten leiden Kohlsorten unter einigen tierischen Schädlingen, die früher nur selten aufgetreten sind. Heute verursachen sie im Nutzgarten regelmässig komplette Ernteausfälle. Stark zugenommen hat beispielsweise die Verbreitung von Kohldrehherzmücken, Kohlfliegen, weissen Fliegen und einem Schädling, der bei mir alle Rekorde schlägt: Der Kohlerdfloh, Gattung phyllotreta. Mindestens vier Arten sind am Kohl zugange: phyllotreta atra, cruciferae, nemorum, nigripes, undulata. Am häufigsten ist wohl der Gewelltstreifige Erdfloh, phyllotreta undulata. Er liebt trockene Wärme und davon hatten wir letzten Jahre mehr als genug.

Lebensweise und Schäden von Kohlerdflöhen


Befall im Juli. In Stunden skelettiert.
Die Viecher sind aufgrund ihrer Lebensweise leicht zu beschreiben. Die Larven leben unterirdisch oder minieren Blätter. Der echte Problemschädling ist erst der fertige Käfer, das sind kleine dunkle Tiere, die auf Kohlblättern und anderen Wirtspflanzen der Kreuzblütler-Gruppe hocken. Ärgert man sie mit Wasser, Bewegung, Annäherung, dann hüpfen sie wie ein Floh mit einem weiten Sprung weg und kommen später einfach wieder zurück. Man kann sie gut sehen und leider auch ihre Wirkung: Sie stechen in die Blätter ihrer Wirtspflanze und durchlöchern sie. Die Schadschwelle ist bei nur 10% zerstören Blattflächen erreicht. Jungpflanzen leiden ganz besonders darunter, innerhalb eines einzigen Tages können kleine Sämlinge restlos zerstört werden. Auch ältere Pflanzenblätter ihrer Lieblingsarten werden innerhalb sehr kurzer Zeit skelettiert, dazu gehören Chinakohl, alle Retticharten, Rauke und die letzten Jahre auch verstärkt Weiss- und Rotkohl. Das heisst leider nicht, dass andere Kohlarten keine Probleme damit hätten, die Zerstörung dauert nur etwas länger. Die Pflanzen kümmern, Jungpflanzen gehen ein, Ernteausfall.

Auch alte Blätter werden durchlöchert. Rettich.

Neuer Ärger


Eben aufgegangen, schon angestochen
Die Literatur dazu stimmt nicht mehr, die Verhältnisse haben sich stark geändert. So ist von einer Generation pro Jahr die Rede, die letzten Jahren hatten wir aber zwei Generationen. Ganz besonders katastrophal ist die Generation, die Ab Mitte Juli jedes Jahr ein lawinenartiges Massenvorkommen erreicht. Auch bis September scheint nun eine Käfergeneration zu schlüpfen. Die Käfer überwintern. Sie hüpfen dann bereits ab April an die Wirtspflanzen, mit frühen Aussaaten kann man also kaum mehr ausweichen. Befallspausen gibt es nicht mehr, einige Käfer sind immer da. Im Mai paaren sie sich erstmalig, der Befall wird dann etwas schwächer, im Juli kommt dann die Lawine der Folgegeneration. Diesen Massenbefall gab es früher definitiv nicht, jetzt ist er die Regel. Letzte Woche habe ich wieder einen Massenbefall der Generation erlebt, die im Frühling Eier gelegt hat. Innerhalb von zwei Tagen waren grosse, alte Rettichblätter teilweise oder ganz zerstört, erwischt hat es natürlich auch alle anderen Kohlarten. Auch in anderen Gegenden kam es zeitgleich dazu - die Sommergeneration ist geschlüpft.

Bekämpfungsmethoden


Chinakohl, besonders beliebte Wirtspflanze
Schlaue Menschen und schlaue Bücher geben viele Tipps gegen Kohlerdflöhe. Ich habe endlos Taktiken der Vorbeugung und Bekämpfung ausprobiert, um trotzdem noch etwas anbauen zu können. Eine unvollständige Liste:
  • Unkrautbekämpfung. Wirtspflanzen sind unter anderem das behaarte Schaumkraut, ein häufiges Gartenunkraut. Beseitigt man die Wirtspflanzen, die wie das Schaumkraut ganzjährig zur Verfügung stehen, senkt man die Attraktivität des Standorts, so die Behauptung. Habe ich konsequent bekämpft. Effekt: Null.
  • Anbaupause. Ein komplettes Jahr ohne Kohlgemüse ausprobiert. Vielleicht wirft sie das ja zurück, wenn sie keine Wirtspflanzen finden. Effekt: Null. Ende April waren sie im Folgejahr in voller Stärke sofort wieder zur Stelle. Auch die Neuanlage eines separat gelegenen Gartenstücks brachte keinen Vorteil. Entweder sie wandern aus weiten Entfernungen zu oder sie sind sowieso überall. Angesichts ihrer sehr guten Springfähigkeiten glaube ich, dass sie einfach durch die Gegend hüpfen bis sie Wirtspflanzen finden.
  • Feucht halten, mulchen. Feuchtigkeit mögen sie angeblich nicht. Eine Kultur beregnete ich täglich mehrmals ein paar Minuten über Kopf, mulchte. Effekt: Null. Auch öfter hacken nutzt nichts. Mit der dauernden Feuchtigkeit holt man sich ausserdem Pilzkrankheiten.
  • Rapsöl als Pflanzenschutzmittel, z.B. "Naturen bio Schädlingsfrei". Effekt: Null. Sie hüpften weg und waren sofort wieder da. 
  • Mischkulturen. Gerne wird Salat und Spinat empfohlen. Effekt: Null. Der Rettich, eingekreist von Salat war genauso schnell durchlöchert wie ohne Pflanzen daneben.
  • Nützlinge. Igel und Spitzmäuse fressen sie angeblich. Von beidem haben wir massenhaft Tiere im Garten. Effekt: Null. Raubkäfer und Schlupfwesen sollen auch für Druck sorgen. Wie kriege ich die her? Unser Garten ist eh sehr Naturnah. Mehrere Folgejahre mit starkem Befall hätte den Nützlingen gute Lebensbedingungen bieten müssen, aber offenbar hatten die keine Lust auf die reichhaltig gedeckte Tafel von massenhaft Kohlerdflöhen.
  • Gut entwickelte Jungpflanzen setzen statt im Beet aussäen. Das hat früher besser funktioniert, mittlerweile ist der Befallsdruck so stark dass auch solche gesetzten Pflanzen schnell totgestochen werden. Ausserdem sind gut entwickelte Jungpflanzen von einigen Kulturen unmöglich - Radies, Rettich, Teltower Rübchen, um einige zu nennen.
  • Mit Gesteinsmehl bestäuben. Effekt: Null. Der ausbringende Mensch hustet mehr wie die vermaledeiten Flöhe.
  • Leimfallen, Gelbsticker. Effekt: Null. Einzelfänge, irrelevant. Vielleicht, wenn man Leimtafeln mit eingearbeiteten Senfölen hätte, die nach Kohlblatt riechen. Habe ich nicht.
  • Sehr teuer, mühsam aber teilweise wirksam sind Netze oder dichtes Vlies. Die Maschenweite darf höchstens 0,9mm betragen. In der Anwendung sind Netze schwierig. Bereits bei der Aussaat oder Pflanzung muss das Netz sofort aufgelegt werden, nur auf Flächen die im vorigen Jahr kohlerdflohfrei gewesen sind. Die Ränder muss man eingraben, vorher darf kein Kohlgemüse an der Stelle gewachsen sein, damit keine Larven aus dem Boden kommen und dann schon im Netz drin sind. Die Netze sind teuer und begrenzt haltbar, sie müssen mit Abstandhaltern zur Erde gelegt werden damit die Pflanzen nicht plattgedrückt bleiben und bei Hitze haben Netze teilweise gravierende Nachteile. Hacken gegen Unkraut geht nicht mehr so einfach. Es wird noch heisser unterm Netz, das Risiko steigt dass die Pflanzen schiessen oder den Hitzetod sterben. Sie sind nur etwas für den Frühling oder wenn im Juli beim massenhaften Auftreten der nächsten Generation zufällig einige Wochen kühles Wetter herrscht. Im Bioanbau ist Vlies im Frühling beliebt, bis die Pflanzen ein gutes Entwicklungsstadium haben, dann wird es heruntergenommen. Das klappt aber nur, solange es kühl ist und der Zuwanderungsdruck gering bleibt. Vlies mit Verletzungen ist für den Abfall und Vlies im Sommer geht nicht.
Kohlrübenblatt, ältere Blätter werden eher vom Rand her
angestochen
Im kommerziellen Anbau nutzt man mehrere Insektizide und wechselt ab, um die Entstehung von Resistenzen zu verzögern. Ein beliebtes Mittel im kommerziellen Anbau enthält Lambda-Cyhalothrin, ein synthetisches Pyrethroid. Ein Pyrethrum steht auch dem privaten Nutzgärtner zur Verfügung, es ist in einigen Universalinsektiziden enthalten, kann aber nur bei kühlen Temperaturen angewendet werden. Der Nutzgärtner wird Pflanzenschutzmittel natürlich vermeiden wollen. Ein verzweifelter Versuch damit brachte kurzfristige Erleichterung, aber nur eine sehr kurze Wirkung, neue Flöhe wanderten bald wieder zu und machten einfach weiter. Sinnvoller wäre ein systemisches Mittel gewesen, das eine Weile in der ganzen Pflanze wirkt. Mittel mit Dimethoat sollen das leisten - angeblich. Sie sind aber nur noch für Zierpflanzen zugelassen und alles andere als gesund. Von den Pflanzenschutzdiensten für den kommerziellen Anbau empfohlen wird ein Chlorantraniliprol - Präparat, Wirkung zeigt auch Spinosad, Thiacloprid, Acetamiprid.

Letztere Beide sind Neonikotinide. Andere früher gegen Kohlerdflöhe eingesetzten Neonikotinide sind vor einigen Jahren nicht ohne Grund verboten worden. Sie sind zum Beispiel auch bienengefährlich. Es gab auch eine trickreiche Methode unter Zuhilfenahme von Neonikotiniden, die im Rapsanbau gut wirkte, ohne dass Pflanzenschutzmittel versprüht werden musste. Das Saatgut wurde pilliert und gebeizt, so dass es bereits bei der Aussaat ein systemisches Mittel mit bekam. Bis zum Sechsblattstadium war der Raps damit optimal vor Kohlerdflöhen geschützt. Abrieb und hohe Bodenhalbwertszeiten waren aber auch hier ein grosser Nachteil. Doch das sind alles historische Betrachtungen von Methoden, die dem privaten Nutzgärtner ohnehin nie zur Verfügung stehen oder standen und die er auch nicht anwenden will. Er konsumiert sie trotzdem mit und sorgt indirekt für ihre Anwendung, wenn er das Gemüse kauft statt selbst anbaut.

Grünkohl, die zarte Blattmitte wird bevorzugt angefallen. Und die weissen Fliegen sind auch schon da.
Was bleibt also dem Nutzgärtner? Nur eine Kombination verschiedener Methoden. Jungpflanzen vorziehen, teure Netze im Frühling nutzen, bei Massenbefall mit Pyrethrum behandeln.

Mittwoch, 26. Juni 2019

Ackerbohne, Teil 2 - Sommeranbau, Ernte, Zubereitung

Dicht geschlossener Bestand an dicken Bohnen
Im letzten Beitrag über Dicke Bohnen ging es um ihren möglichen Winteranbau. Die Bohnen haben Ende April zu blühen begonnen, die Blüte dauert folgernd bis Ende Mai an, dann setzen sie Schoten an wie immer und sind nun erntereif. Die Bestände der Wintersorte waren ab Anfang Mai dicht geschlossen. Von da an wurde jedes Unkraut sehr effektiv unterdrückt. Nach der Ernte ab Ende Juni erhält man einen unkrautarmen Boden, der mit Stickstoff angereichert ist. Für die Samengewinnung lasse ich immer einige Pflanzen noch länger stehen.

Sommeranbau


Guter Fruchtansatz im Bestand, Blick von oben
Für den Sommeranbau sät man sie ab Ende Februar, spätestens Mitte März. Wenn der Boden nirgends mehr gefroren ist, steckt man das Saatgut ca. 4-6cm tief in den Boden. Der Aufgang dauert Wochen, nicht gleich ungeduldig werden. Laub und Kerne sind gut frostfest, -8°C werden noch vertragen. Einer ihrer Nachteile beim Sommeranbau ist ihr hoher Wasserbedarf. Puffbohnen wollen immer feuchten Boden, Hitze schätzen sie nicht. Im Mai aussäen und dann im Sommer ernten funktioniert nicht. An den Boden werden ansonsten wenig Ansprüche gestellt. Schwerer Boden ist für die Keimung nicht gut, aber wenn sie mal da sind, wachsen sich auch dort. In feuchtkühlen aber milden Jahren bei früher Aussaat laufen sie zu Höchsterträgen auf. Man könnte deshalb auf die Idee kommen dass sie auch im Halbschatten gedeihen. Das tun sie tatsächlich, aber sie setzen dann kaum Schoten an. Leider wollen sie es auch hell für gute Erträge. Das merkt man auch dann, wenn man sie zu dicht gepflanzt hat. Wer stärker beschattet wurde, trägt weniger.

Erntereif, Kernfarbe wechselt
Ab Ende Juni wird geerntet. Die optimale Erntereife lässt sich an den geöffneten Bohnenschoten erkennen. Die Bohnen darin verändern sich in der Farbe, hellen an den Rändern auf. Der Nabel beginnt, sich leichter zu lösen. Wird der Nabel gelb, sind die Bohnenkerne für Saatgutgewinnung richtig, aber für die Küche sinkt die Qualität dann wieder. Sie werden zu hart, zu grob und die Samenschale wird zäh. Zu frühe Ernte zeigt sich daran, dass die Kerne noch zu weich sind, die Keimblätter darin zu wenig aufgebaut. Oft sind an den Pflanzen auch noch kleine Schoten. Es lohnt sich nicht, darauf zu hoffen dass die noch gross werden. Die Kerne darin bleiben klein. Mehr packt die Pflanze im Sommer nicht, das Laub vergilbt auch schon. Am Besten immer alles komplett abernten.

Wurzeln, Knöllchen mit Stickstoffsammlerbakterien drin
Geerntet wird, indem die Triebe bodennah abgeschnitten werden, dann die Schoten abgerissen und ausgehülst. Innerhalb eines Tages verbrauchen, den Rest wie unten beschrieben behandeln. Alle Wurzelstöcke verbleiben im Boden, werden bei der Beetvorbereitung für die Nachkultur mit der Hacke zerteilt und dann ganz untergehackt. Nur so nutzt die Fähigkeit der Wurzeln, Luftstickstoff zu binden auch dem Boden und der Nachfolgekultur etwas.

Wer nur ein einzelnes reinsortiges Beet im Garten anlegt, kann Saatgut gewinnen, die Bohnen können sich dann nicht verkreuzen. Mit dem Ackerbohnenkäfer befallene Kerne sind gut zu trocken und dann für zwei Wochen einzufrieren. Das schadet ihnen nicht, aber dem Käfer. Saatgut zu haben ist wichtig, im Samenhandel sind Puffbohnen für eine uralte, lizenzfreie und problemlose Hülsenfrucht geradezu sündhaft teuer, denn man bekommt immer nur wenige Bohnen weil die Kerne so gross und schwer sind. Das Standardtütchen reicht nur für ein paar Pflanzen, eine kurze Einzelreihe.

Erträge


Ertrag einer mehrtriebigen Pflanze, Wintersorte Priamus
Die Erträge von Ackerbohnen sind oft frustrierend niedrig. Bei guter Kulturführung komme ich pro Pflanze, die mehrtriebig wächst auf 200g Bohnenkerne oder 1kg pro Quadratmeter. Entscheidend für einen guten Ertrag ist eine durchgängige Wasserverfügbarkeit bis Mitte Juni und eine gute Belichtung von Einzelpflanzen. In der Mitte eines geschlossenen Bestandes ist nicht mit so guten Erträgen zu rechnen, weil sich die Pflanzen gegenseitig beschatten. Vom Ertragsstandpunkt aus ist eine Pflanzung in Einzelreihe ideal und bei Flächenpflanzung hohe Abstände von 40cm zwischen den Bohnenstauden. Man darf sich da nicht von Bohnenfeldern in der Landwirtschaft täuschen lassen, die es im Bioanbau gelegentlich gibt. Dort stehen die Pflanzen eng, es geht aber nicht um den Bohnenertrag sondern um den gebundenen Stickstoff und die produzierte Biomasse der gesamten Pflanze.

Mehrtriebig wachsende Sorte

Sorten


Sommersorten für den Hobby-Nutzgärtner gibt es nicht wirklich viele, dafür aber mehr Namen, die auf dieselbe Sorte verweisen. So ist Witkiem die Sorte "Frühe Weisskeimige". Dann gibt es noch "Hangdown",  "Dreifach Weisse", "Piccola". Die Unterschiede im Anbau sind oft gering, ich konnte in Pflanzen, Ertrag und Reifezeit meist nur wenig Unterschiede feststellen. Daneben gibts noch ein paar wenige historische (z.B. "Sussex Wonder") und neuere Sorten und die mit roten Blüten ("Karmesin"). In meinem windböengeplagten Garten nehme ich gerne "Hangdown", die halbwegs standfest ist. "Karmesin" ist hübsch, hat mir aber zu niedrige Erträge. Der gute Blütenduft scheint überall gleich stark zu sein.

Krankheiten


Von Krankheiten und Problemen war bisher kaum die Rede. Das hat einen Grund: Es gibt fast Keine, die wirklich ärgerlich sind. Mit drei Ärgernissen hatte ich im langjährigen Anbau schon zu tun:
  1. Windböen reissen die Halme um. Heutzutage sind Gewitter bereits früh im Jahr normal und die Zahl der katastrophalen Böenwindlagen hat deutlich zugenommen. Viele Sorten halten Böen nicht aus und werden abgerissen. Sie sind nicht standfest genug. Puffbohnen anbinden wäre zu viel des Guten, die einzige Möglichkeit sind standfeste Sorten. Ganz standfest ist Keine, aber manche sind da unempfindlicher, z.B. "Eleonora" und auch der Klassiker "Hangdown" ist bei mir ganz gut. Auch die Wintersorte Priamus ist zwar hoch, aber hat recht fest dicke Halme, die Böen gut aushalten.
  2. Schwarze Bohnenlaus
    Die schwarze Bohnenlaus ist ein sehr häufiger Gast. Sie tritt meist auf, sobald die ersten kleinen Schoten da sind. Bevorzugt werden weiche, junge Blätter und der obere Teil des Triebs befallen. Es bringt aber überhaupt nichts, sich über diesen Befall zu erregen. Natürlich kann man mit Seifenlösung, einem kräftigen Wasserstrahl oder sonstigen Mittelchen dagegen vorgehen, aber das ist verschwendete Zeit und hinausgeworfenes Geld. Die Läuse schaden kaum mehr und zudem kommen sehr bald massenhaft Läusevertilger. Das sind Marienkäfer, ihre Larven, Florfliegenlarven und anderes Getier. Meistens werden die Läuse nach wenigen Wochen so radikal weggefressen, dass sie ganz verschwinden.
  3. Der Ackerbohnenkäfer (Bruchus rufimanus) sticht die Körner an und legt Eier hinein. Das führt zu angefressenen Bohnenkernen. Nicht alle Käfer schlüpfen, manche bleiben in den Bohnen, werden im Folgejahr mit ausgesät und infizieren so den neuen Bestand. 
Gelber Nabel, reife Kerne. Und bereits angefressen von einer Ackerbohnenkäferlarve

 

 

Verwendung und Tricks in der Küche


Grundregeln für die Zubereitung von dicken Bohnen:
Geschälter Bohnenkern, zu sehen sind die Keimblätter
Samenhaut entfernt und gedünstet, grüne und gelbe Sorte.
Zart und edel.
  • Nicht salzen, während das Bohnengericht kocht! Auch nicht in geringen Mengen. Diese Regel verletzen erstaunlich viele Köche und wundern sich dann, dass die Bohnen hart werden. Der Effekt ist von einigen Hülsenfrüchten bekannt, aber keine Hülsenfrucht ist so empfindlich und reagiert so stark auf Salzgaben wie Puffbohnen. Sie beantworten Salz mit Härte, die ganze Konsistenz verändert sich, jede Zartheit ist dahin. Salz erst nach Abschalten der Hitze und dem Ende des Kochvorgangs zufügen. Bei kalten Gerichten wie einem Salat erst dann salzen, wenn die Bohnen abgekühlt sind.
  • Bohnen im richtigen Reifezustand ernten, dann sind sie am Besten. Der ist erreicht, wenn sich die ersten Kerne leicht vom Nabel brechen lassen. Wird der Nabel bereits gelb und löst sich von selbst, hat man zu lange gewartet. Sie werden dann härter, verlieren ihre Zartheit, die grüne Farbe leidet, sie schmecken grober. In diesem Zustand sind sie richtig, um sie zu trocknen und als Saatgut fürs nächste Jahr zu verwenden.
  • Hat man sie zu lange reifen lassen, gibt es noch eine Rettungsmöglichkeit, um sie zu essen, allerdings verursacht das Arbeit. Die Kerne können nämlich auch geschält werden, die zähe Samenhülle wird abgestreift, so dass die beiden grünen und zarten Keimblätter zum Vorschein kommen. Kurz in Butter gedünstet sind sie ein Hochgenuss, aber viel Arbeit.
  • Puffbohnen sind erstklassig fürs einfrieren geeignet. Dazu die Kerne kurz in Wasser (ohne Salz!) blanchieren, wer hat kann es mit Bohnenkraut ansetzen, nach wenigen Minuten Kochzeit abgiessen, kalt abschrecken, gut abtropfen und portionsweise in Gefrierbeutel abfüllen. Auftauen geht genauso, einfach in sprudelnd kochendes Wasser werfen und dann verwenden wie frische Puffbohnen.
Teil 1: Ackerbohne, dicke Bohne im Winteranbau