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Mittwoch, 17. Dezember 2025

Gemüsefenchel dick machen

Vor kräftigen Nachtfrösten noch geerntet

Knollenfenchel oder Gemüsefenchel ist in Mitteleuropa fast ausschließlich ein Supermarktgewächs, ganzjährig meist importiert aus Italien und selten wirklich gut. Dort wirkt er oft ausgesprochen aromamatt, wässrig, mastig. 

Am häufigsten wächst Fenchel in Deutschland als Bestandteil von Blütenmischungen auf temporären Stillegungsflächen in der Landwirtschaft auf trockenen, kalkhaltigen Böden. Dort gedeiht er auch in trockenen Jahren, blüht, liefert sehr viel Nektar und etwas Pollen für Insekten und wird bis zu zwei Meter hoch. In den trockenen Stängeln nisten Wildbienen. Das sind natürlich keine Sorten mit dicken Knollen, sondern Bitterfenchel (Foeniculum vulgare var. vulgare). Gemüsefenchel mit Knollen ist Foeniculum vulgare var. azoricum, Gewürzfenchel ist Foeniculum vulgare var. dulce. Fenchelkörner sind als Tee, Gewürz oder Saatgut beliebt und liefern wertvolles Öl.

Aus dem Garten geerntet, zerteilt, gut.

Viele Hobbygärtner versuchen den Anbau im Nutzgarten - und scheitern damit. Fenchel ist sehr robust, aber so dicke Knollen wie im Supermarkt bekommt man nicht: Er schießt früh oder die Knollen bleiben einfach klein, wenig fleischig und wirken schnell holzig. Das ist ein typisches Beispiel für den Unterschied zwischen Gartenbuchweisheiten über Fenchelanbau und der Realität. Das liegt sicherlich auch daran, dass Knollenfenchel eine verhältnismäßig junge Züchtung ist. In den gerne behaupteten Bedürfnissen lebt aber eine Orientierung am Gewürzfenchel fort, der ein paar tausend Jahre älter ist und eine weit breitere ökologische Anpassungsfähigkeit hat, die Bedürfnisse für viele Samen sind auch andere wie die für eine dicke Knolle als Basis der Blätter.

Mir ging es nicht viel besser, und ich habe einiges probiert. Doch mit der Zeit haben sich die echten Erfolgsfaktoren herauskristallisiert - es sind mehrere, und alle müssen erfüllt sein.

Pflanzzeitpunkte

Schöne Knolle, schöne Wurzeln

Wichtiger Faktor ist der Pflanz- bzw. Aussaatzeitpunkt. Es gibt bei Fenchel einen Frühjahrsanbau und Herbstanbau. Frühjahrsanbau ist schwieriger. Fenchel ist eine Langtagspflanze. Die Blütenbildung wird also durch lange Tage ausgelöst, was bedeutet dass die langen Sommertage ihn zum schiessen bringen. Er wird holzig und schiebt einen Blütenstengel. Dummerweise hat das mitteleuropäische Frühjahr wenig Vegetationstage. Es gilt also die Devise, früh zu säen, also vorziehen, dann abhärten, dann früh auspflanzen und ggf. schützen, denn er ist nicht wirklich frosthart. Die Voranzucht ist problemlos, er keimt leicht, Saattiefe 5-10mm, gute Zimmertemperatur. Möglichst viel Licht bei der Anzucht. Kältereize draussen bringen ihn zum schiessen und erhöhen auch die Schosserempfindlichkeit durch andere Faktoren, wenn er nicht sofort schiesst. Aus dem Frühjahrsanbau sind deshalb keine grossen Knollen zu erwarten, solange man seine Langtagsallüren nicht aus ihm herauszüchten kann.

Wurzeln werden recht lang im Humusboden

Der Herbstanbau bringt mehr. Ausgesät wird Anfang bis spätstens Mitte Juni, direkt ins Freiland oder auch wieder Voranzucht. Im Freiland geht er oft schlecht auf - zu heiss, zu trocken. Voranzucht ist auch im Sommer besser, wenn die aktuelle Wetterperiode ungünstig ist. So kann man ihn dann auch leichter auf gemulchte Flächen setzen, das ist wichtiger Punkt der später noch begründet wird. Geerntet wird bis zum Frost. Geht es im September schnell runter mit den Temperaturen, können die Knollen nicht mehr gross werden. In Italien wächst er noch Monate weiter und auch Spätaussaaten sind möglich, deshalb wird er auch im tiefsten deutschen Winter importiert und frisch verkauft. Haltbar sind alte Knollen nicht mehr lange, am Besten im 0° Fach des Kühlschranks. Knollen, die noch keine Anzeichen von Holzigkeit zeigen halten sich etwas besser. Im eigenen Nutzgarten erntet man meistens zu spät, weil man immer noch dickere Knollen hofft, obwohl das Wachstum schon eingestellt wurde. Er wird dann faserig, holzig, zäh.

Die Bodenverhältnisse

Der schwere, flachgründige, basische Boden bei mir macht ihm wenig aus. Auch auf Sandboden wächst er gut. Aber ganz anders als oft behauptet benötigt er Dünger, insbesondere Stickstoff. Gewürzfenchel ist tatsächlich ein Schwachzehrer, aber Knollenfenchel ein mittelstarker bis starker Zehrer, wenn er Knollen bilden soll. Der klassische Fehler ist, Fenchel als Nachkultur im Herbst anzubauen, ohne neu zu düngen. Zu düngen ist vor allem mit Stickstoff. Auch der Humusgehalt im Boden ist wichtig: Viel Humus, bessere Knollen. Sehr gut wächst er auf Hochbeeten, die normalerweise gut versorgt sind.

Mulchen!

Schöne Knollen, Restmulch noch zu sehen.

Toller Trick, bringt sehr viel bei Fenchel, wenn er jung ist.

  • Jungpflanzen sind sehr empfindlich auf Trockenheit und UV-Strahlung. Trockene, heisse Winde im Juni sind mittlerweile normal, das mag er gar nicht, Pflanzen gehen ein oder sind so geschädigt dass sie nie mehr richtig hochkommen. Mulchen hilft enorm, die Bodenoberfläche trocknet langamer aus statt in der Mittagshitze bereits wieder trocken zu sein. Sie schützt zusätzlich die unteren Pflanzenteile vor UV-Strahlung.
  • Jungpflanzen sind auch sehr empfindlich bei stärkerem Wind. Windböen vor Gewittern können ganze Beete umreissen. Der junge Fenchel knickt um, der Wurzelhals reisst ab. Tief pflanzen sollte man ihn auch nicht gerade, aber gut gemulcht löst das Problem. Da sitzt er im Boden, die Mulchschicht darüber hält ihn fest und darf auch höher sein. Gut ist etwas älterer Pferdemist, der kann ruhig schon ausgewaschen sein. Bei Mulch und Fenchel geht es um Haltung und Feuchtigkeit, Düngen sollte man den Boden, Mulch der etwas mitbringt ist nur der Bonus.
    Anhäufeln hat man früher empfohlen, das ist kein so guter Ersatz, vor allem nicht bei schwerem Boden. Meine fettesten Knollen bekam ich ausschliesslich aus gemulchtem Boden.

Mulchen erhöht aber das Risiko für Schneckenfrass. Fenchel hat zwar keine hohe Anziehung für Schnecken, aber bei höherem Befallsdruck wird auch er niedergemacht. Sie können auch ältere Pflanzen befallen und Löcher in die Knollen raspeln oder zum Grün hochschleimen.

Weitere Ansprüche

Zu früh geschossen, Hitze

Wasser benötigt er als Jungpflanze und zwar viel, da ist er ebenfalls ganz anders wie Gewürzfenchel, der auch in trockenen Gegenden ohne Zusatzwasser gross und stark wird. Dabei muss tiefgründig gewässert werden. Später macht er selber lange, stabile Wurzeln. Pflanzen, die mindestens schon Mittelgrösse erreicht haben müssen nicht mehr so gründlich mit Zusatzwasser bedacht werden.

Fenchel ist eine Voll-Licht Pflanze. Er braucht Sonne. Nicht hinter anderen hohen Kulturen verstecken. Nicht dicht pflanzen, so dass er sich selbst beschattet, das passiert leicht. Dann hat man viel Grün und keine Knollen. Einige Empfehlungen für Pflanzabstände gehen herunter bis 20cm. Das ist bestenfalls auf freiem Feld möglich. Im Hausgarten, wo immer irgendein Baum, ein Gebäude zu bestimmten Tageszeiten verschattet, sollte man viel weiter gehen und die Abstände grösser halten. Leider hat die Sonne auch Nachteile. Knollenfenchel braucht das Licht, aber nicht die Hitze. In Hitzewochen mit über 30°C und vielleicht noch Stress in der Jungfplanzenphase steigt das Risiko stark an, dass er das Knollenwachstum einstellt und dann schiesst. Da kann es besser sein, bei Hitze früh zu ernten statt gar nichts zu bekommen.

Sorten

Fenchel Velino geerntet, leichter Schneckenschaden

Ausprobiert habe ich schon Profisorten und die typischen Samentütchensorten für Privatleute. Oft wird mit "schossfest" geworben und mit grossen Knollen. So richtige Unterschiede sind mir nicht aufgefallen, die anderen Faktoren waren immer stärker. Dieselbe Sorte in einem Jahr mager und ohne Knolle, im anderen Jahr dick und gut. Einmal geschossen, einmal gar nicht.

Um aber einige Sorten zu nennen, die schon was geworden sind: Das war Velino, Orion (war früher lange auch im kommerziellen Anbau die Referenzsorte), Rondo.

Fazit

Keine Angst vor Fenchel, lassen wir uns nicht durch den Frust schlechter Erfahrungen dieses herrliche Gemüse verderben oder uns nur mit der Supermarktware zufrieden geben. Es lohnt sich, es geht und er wird was, wenn man ein paar Sachen richtig macht.

Samstag, 23. September 2017

Auberginen ohne Ende, Kohl am Ende

Es ist Ende September geworden und die ganze Familie isst seit Juli immer noch wöchentlich Parmigiana di Melanzane, eines der bekanntesten Gemüsegerichte der italienischen Küche. Ein seltenes Wunder: Alle mögen es. Hauptzutat: Auberginen, Auberginen, Auberginen. Weiter Parmesan, Tomaten, der Rest ist fakultativ. Beliebt sind Basilikum, Zwiebeln, Knoblauch, Mozzarella. Rezepte dazu liefert jede Suchmaschine tonnenweise.

Kohl am Ende

Auberginenblüte - sehr dekorativ und sehr
nachtschattengewächstypisch
Und zwar wie für Nutzgartenfans zu erwarten unter Verwendung von selbstgezogenen Auberginen mit Aroma, nicht die holländischen Wattekeulen mit schwarzer Schale. Seit Jahren bauen wir Auberginen in Freiland und Gewächshaus an, nur ein paar Sorten aber konsequent. Dieses Jahr auch erstmals eine Vielzahl von Sorten. Der Witz dabei ist, dass dieses Gemüse im Hausgarten mittlerweile sogar wesentlich einfacher und problemloser im Freiland anzubauen ist wie ganz gewöhnliches Kohlgemüse. Jawohl, popeliger Kohl ist am Ende. Verändertes Klima, aggressive Schädlinge, viel zu lange hitzige Trockenperioden - es geht nicht mehr. Exemplarisch mein Rosenkohl, Weisskraut, Spitzkraut, Blaukraut: Erst wird der Keimling von Kohlerdflöhen zerlöchert, dann Welke durch Kohlfliege, dann kam die Kohldrehherzmücke und zerstörte den Wachstumspunkt, mühevoll bewässert, schliesslich kamen die Pflanzen endlich hoch,
Vorsicht, einige Auberginensorten haben
deftige Stacheln am Fruchtansatz!
um im September durch drei Tage Windböen in Sturmstärke umgerissen zu werden. Vielen herzlichen Undank. Kleinigkeiten wie Raupen von Weisslingen und Eulenfaltern, weisse Fliege, Schnecken gar nicht zu nennen. Das war früher anders, aber heute stehe ich damit nicht alleine, wie mir Berichte anderer Gartenfreunde aus wärmeren Gegenden seit Jahren bestätigen. Kohlgemüse (egal welche Sorte) geht nicht mehr ohne massiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Bewässerung und engmaschine Netze. Manche Arten nicht einmal damit. Chinakohl: Dreimal ausgesät, dreimal Dank vieler Temperaturextreme in beiden Richtungen ohne gute Kopfbildung geschossen.

Auberginen ohne Ende

Mitte, oben links: Barbarella.
Unten Obsidian und Ronde de Valance.
Unten rechts: Dnipropetrowsk.
Was längst geht, sind Sachen wie Auberginen, zu deren Anbau man lange Zeit nur südlich der Alpen riet oder bestenfalls für Gewächshausversuche tauglich. Man muss sie zwar wie Tomaten vorziehen, danach wachsen sie ohne viel Aufwand und ohne Pflanzenschutz im sonnigen Freiland, bringen eine kontinuierliche und reiche Ernte. Pflanzen und Früchte sind ausserdem sehr dekorativ, würden optisch auch in einen Vorgarten oder Blumenkasten passen.

Bereits Anfang Juli rollten die ersten grossen Früchte im Freiland an. Von da an rollte es weiter bis jetzt im September. Über Anbaudetails und Reifeanzeichen (nicht einfach!) berichte ich in weiteren Beiträgen, jetzt im Herbst sollen nur ein paar Sortenportraits vorgestellt werden, um ein Gefühl für dieses Gemüse zu bekommen.

Sorte: Laura

Reife Auberginen - oben links "Laura", grünlich
Beliebte Sorte mit breitovalen Früchten. Das Saatgut ist im normalen Samenhandel ohne allzuviele Verrenkungen zu finden. Habe sie schon mehrere Jahre und sie ist mein unangefochtener Geschmacksfavorit. Warum? Weil sie sowohl eine herrliche Konsistenz als auch einen ebenso herrlichen Geschmack bringt. Sie ist sehr schwer und fest, gebacken oder gebraten schmilzt sie fast auf der Zunge. Das Aroma ist Auberginenkonzentrat, dazu ganz leicht bitter, genau richtig. Die Pflanze ist sehr robust, gedeiht in Freiland wie Gewächshaus.
Nachteile: Wuchs relativ niedrig, Erträge mässig, Frucht nur in voller Sonne violett, ansonsten mit mehr oder weniger grossen Anteilen eines unreif aussehendes Grüns, obwohl sie längst reif ist. Im Gewächshaus manchmal vollkommen grünbleibend. Leute, die Auberginen nur violett kennen, irritiert das Anfangs. Die Früchte werden nur manchmal grösser, bleiben ansonsten bei 200g. Je weniger Licht und Wärme, desto kleiner.
Fruchtqualität Note 1-, Optik Frucht Note 3+, Pflanze 2-.


Sorte: Obsidian

Eine samenfeste Sorte, keine F1-Hybride. Die Frucht ist ebenfalls sehr fest und spezifisch schwer, wie es sein soll, bleibt ebenfalls bei 200g. Pflanze etwas grösser wie "Laura". Frucht stärker gefärbt wie "Laura", ausserdem noch breiter, bekommt gerne einen Nabel am Ende. Robust.
Fruchtqualität Note 1-2, Optik Frucht Note 2, Pflanze 2.


Sorte: Ronde de Valence

Auberginensorte Ronde de Valence
Optisch und geschmacklich sehr gut. Kugelrund ist sie tatsächlich - und ausgesprochen hübsch, glänzt stark bis zur Reife. Gut besonnd in edlem Violett, bei weniger Sonne sowohl mit grünen als auch weissen Zonen. Vorsicht, Fruchtstiel hat etwas mehr Stacheln. Die Pflanze wird bis zu 80cm hoch und die Früchte variierten sehr in der Grösse, werden aber oft bis zu sagenhaften 500g schwer. Benötigt Wärme, im Zweifel ins Gewächshaus.
Fruchtqualität Note 1-2, Optik Frucht Note 1, Pflanze 2.


Sorte: Dnjpropetrowsk

Aubergine Dnjpropetrowsk
Der Namen legt eine russische Sorte nahe :-) Vom ersten Aussehen her ähnelt sie holländicher Gewächshausware. Aber nur auf den ersten Blick. Sie ähnelt vielmehr der Sorte "Frühviolette", ist fest, spezifisch sehr schwer, hat grüne Streifen hinter der violetten Deckfarbe. Die Pflanze bleibt bei 60cm, brachte aber auch am weniger sonnigen Platz gute und grosse Früchte. Dank der Fruchtform leichter zu braten wie runde Sorten.
Fruchtqualität Note 1-2, Optik Frucht Note 2, Pflanze 2.


Sorte: Barbarella

Auberginensorte Barbarella Detail
Wer denkt sich solche Namen aus? Hochwachsene Pflanze (Freiland 80cm, Gewächshaus noch ein wenig mehr) mit herrlichen Früchten. Zeigt sich ertragsstark. Die Früchte sind vom norditalienischen Typ, beutelartig. Sie können sehr gross werden und wiegen dann bis zu 500g. Im gut besonnten Freiland färbt sie fast ganz in ein knallig leuchtendes Violett, im Gewächshaus und unter Blättern überwiegt porzellanfarbenes Weiss. Die Früchte sind nicht ganz so dicht, schwer und hart wie die anderen Sorten, aber immer noch weit über Supermarkt-Niveau. Sie bildet schneller Kavernen und sollte auch deshalb schnell geerntet werden.
Fruchtqualität Note 2-3, Optik Frucht Note 1-2, Pflanze 1-2.

Der Reifebeginn der ersten Früchte aller Sorten unterschied sich dieses Jahr kaum voneinander.