Mittwoch, 24. Oktober 2018

Süsskartoffelernte, vier Sorten und zu wenig Wasser

Am 22.10. habe ich unsere Süsskartoffeln geerntet, in derselben Kalenderwoche wie letztes Jahr, hier der Beitrag dazu: https://gartenzone.blogspot.com/2017/10/susskartoffeln-dank-klimawandel.html. Da der Anbau von Ipomoea batatas bisher schon so gut funktioniert, wurde es in diesem Wüstenjahr spannend, denn ich hatte mehrere Sorten an drei Orten ausgepflanzt.

Die Sorten Bonita, Murasaki, Orleans, Beauregard - nicht die grössten oder wohlgeformten Knollen,
sondern die, die für einen schnellen Kochversuch am besten sind.


Anbauergebnisse


Im Hausgarten war zwar der Boden am schlechtesten, aber es konnte wenigstens gelegentlich bewässert werden. Bei fast fünf Monaten ohne nennenswerte Niederschläge war das ein enorm wichtiger Vorteil. Erntemengen und Knollengrössen entsprachen fast exakt den Werten vom letzten Jahr. Pro Pflanze ergaben sich rund 3,5kg verwertbare Knollen, die grösste Knolle jeder Pflanze lag wieder bei einem Kilo.

Süsskartoffel-Laub, heute Nacht erfroren
Die Ranken bleiben allerdings bei der trockenen Dauerhitze deutlich kürzer wie letztes Jahr und wuchsen auch nirgends bodendeckend. Im September gab es erste Blattverluste, tagsüber heiss, nachts Frost schädigte das Laub. Süsskartoffeln sind da sehr empfindlich, wo Paprika, Tomaten und sogar Zucchini trotz leichter Reifbildung noch schadlos überleben, werden die Süsskartoffelblätter bereits glasig und sterben. Dem Ertrag tat das keinen Abbruch.

Standort 2 hatte ein Sommergewitter mehr, das den Boden einmal gut durchfeuchtete. Damit konnten die Pflanzen wenigstens eine Zeitlang wachsen und erreichten etwas ein Kilo pro Pflanze. Danebenstehende Karotten zeigten sich deutlich trockenfester und erreichten Rekordgrösse. Süsskartoffeln wurzeln ganz offensichtlich nicht tief.

Standort 3 hatte kein Gewitter. Das Ergebnis war Totalschaden, die Pflanzen vertrockneten bereits im Laufe des Augusts restlos. Ein Versuch, sie zu giessen brachte auch nichts mehr. Pikanterweise wuchs dort aber die Ackerwinde weiter, ein Unkraut das als Windengewächs mit Bataten verwandt ist, die zu den Prunkwinden gehören. Von der Ackerwinde ist bekannt, dass sie eine typische Trockenheitspflanze ist, sehr tief wurzelt, Wurzeln mit hoher Saugkraft besitzt

Es zeigte sich, dass nur die flächige Beregnung/Bewässerung Sinn hatte, die Wurzeln verlaufen bei dieser Kulturpflanze nicht so tief, aber ausgreifend. Wässert man nur um die Pflanze herum, schlappt sie bald wieder. Im direkten Vergleich mit danebenstehenden Kartoffeln benötigten sie zwar weniger Wasser, aber waren eindeutig immer noch auf regelmässige Feuchtigkeitsgaben angewiesen.

Die Sorten: Beauregard, Orleans, Bonita, Murasaki


Diesmal klappte auch ein direkter Vergleich von vier Sorten unter identischen Bedingungen. Um Unterschiede im oberirdischen Wachstum sicher festzustellen waren es aber nicht genug Pflanzen.
Bonita, Murasaki, Orleans, Beauregard aufgeschnitten

Beauregard


Rosa bis rote Schale, dunkelorange Fruchtfleisch. Kocht in Wasser schnell mehlig, zerfällt dann. Die Haupt-Supermarktsorte. Kräftiges, spezifisches Aroma, ziemlich "karottig" in Farbe und Geschmack, deutliche Süsse. Geschmack wie letztes Jahr, das extreme Wetter hat wenig am Geschmack verändert, vielleicht leicht süsser. Frittiert mit mässigem Ergebnis. Gute, gleichmässige Erträge, alle Pflanzen sehr ähnlich.

Orleans


Kleine Stücke, gekocht. Rechts oben Orleans,
Murasaki, Bonita, Beauregard


Kräftig rote Schale, orange Fruchtfleisch. Die einzige Sorte, die auch roh bereits etwas Süsse zeigt. Kocht etwas langsamer mehlig wie Beauregard. Im Geschmack ähnlich wie diese, vielleicht etwas weniger süss. Frittiert mit mässigem Ergebnis. Guter Ertrag.

Bonita


Kocheigenschaften wie Beauregard, im Stil in der Mitte zwischen Murasaki und Orleans, wie eine sehr schnell kochende mehlige Kartoffel. Deutlich weniger süss. Weisses, homogenes Fleisch bei blassrosa Schale. Die weissfleischigen Sorten sollen angeblich alle weniger süss sein. Frittiert recht gut, die mehlig-sämige Konsistenz der Geschmackstyp passt gut zum Ausbacken in heissem Fett. Ertrag etwas schwächer wie Beauregard, weniger aber dicke Knollen.

Murasaki


Süsskartoffelblüte, ein eher seltener Anblick
Weissgelbliches Fruchtfleisch bei leuchtend violetter Schale, die Strukturen wirken gelber. Kocht sich ebenfalls nicht schnell mehlig, wird erst gleichmässig sämig, ähnlich einer Kartoffel, zerfällt später. Gibt ein schönes Pürree. Im Stil nicht so süss wie Beauregard und mit einem eigenständigem Aroma, das sich deutlich von den anderen diesjährigen Sorten unterscheidet und nicht diesen Karottenton hat. Dafür angenehm, nussig, lecker. Frittiert fast so gut wie Bonita. Diese Sorte schaffte auch ein paar Blüten - das kann aber auch Zufall gewesen sein. Die Knollen wirkten etwas verdrehter und weniger gleichmässig, der Ertrag ist auch ungleichmässiger.


Damit zeigt sich auch eine erfreuliche Vielfalt von Farben und Aromen. Vor allem die Aromabandbreite ist grösser wie die von Kartoffeln. Bei konstant über 3kg pro Pflanze sofern Wasser verfügbar ist liegen die Erträge deutlich über dem, was ich hier mit Kartoffeln hinbekomme.

Noch mehr Sorten und Erfahrungen 2019: https://gartenzone.blogspot.com/2019/10/susskartoffeln-neue-sorten.html

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen