Dienstag, 1. April 2025

Eigenschaften von Birnensorten - die lange Liste

Die Apfelsortenliste ist schon da - nun folgt die Birnenliste. Auch da gilt: Alles eigene Erfahrungen und fast immer Bilder von Bäumen, die ich habe oder hatte, zwei Sorten kenne ich von einem langjährigen Nachbarn. Wenn nicht anders genannt, beziehen sich die Beschreibungen auf die warmen und trockenen Standorte meiner Obstwiesen, beschrieben in der Apfelliste. Bei Birnen kommt hinzu, dass unsere Bodenverhältnisse meist ungeeignet sind, weil es viele flachgründige Zonen gibt. Die Erde reicht nicht tief, dann kommen zähe Tonschichten, Kalkplatten. Tiefgründige Keuperauflagen liefern nur einige Hochflächen und dort gibt es intensiven Ackerbau, keine Obstwiesen. Die Birnen stehen also meistens auf weniger tiefebedürftigen Quittenunterlagen (ggf. mit Zwischenveredelung, nicht alle Birnen sind mit Quitte verträglich), was die Fruchtgrösse eher positiv, die Haltbarkeit jedoch eher negativ beeinflusst.

Die Sorten

Stuttgarter Geisshirtle

Klein aber oho: Stuttgarter Geisshirtle

Baum: Eine der vielen, früher sehr verbreiteten kleinen Sommerbirnensorten. Wächst anfangs kräftig, auch auf schlechten Böden. Im Alter Spitzendürre, früh vergreisend. Von alten Bäumen sind die Früchte noch kleiner. Das Holz ist gesund, Blätter auch. Verträgt Hitze und Trockenheit mittelmässig, zeigt dann typische Schäden wie schwarzrandiges Laub, aber regeneriert sich wieder. Bei Spätrösten platzen die Jungbirnen schnell. Höhe früh begrenzen, wie die meisten Birnen will sie stark nach oben weg. Bewertung 2.

Birnen: Kleine Birnen. Für Hutzeln noch tauglich. Auf guten Böden bei Ausdünnung und genügend Wasser können sie auch mittelgross werden, bei Trockenheit bleiben sie sehr klein. Sie sind meistens hübsch, nicht schorfanfällig, ab Mitte August vom Baum weg essbar und dann ein paar Tage lang lecker. Werden bei mir vollständig von Vögeln vernichtet, wenn kein Schutz mit Netz. Die Reife passiert folgernd, erntet man alle Birnen gleichzeitig bekommt man grün und gelb, reif und noch nicht ganz reife Früchte. Fruchtfleisch erst knackig, saftig, eher halbschmelzend wie schmelzend, später weicher. Das Aroma wird generell sehr gelobt, aber viel besser wie andere Sommerbirnen ist sie auch nicht. Ausgewogen, schön süss, birnig, eine runde Sache. Traditionell beisst man die ganze Birne mit ihrem kleinen Kernhaus vom Stiel. Und kann dann nicht mehr aufhören zu essen, weil sie so gut ist. Eine Gute-Laune-Birne für ein paar Tage im Sommer. Bewertung 1-2.

Alexander Lucas

Baum: War früher die klassische Obstwiesensorten und auch als Hausbaum beliebt. Noch im kommerziellen Anbau vorhanden, nimmt aber stark ab weil sie mit dem neuen Wetter nicht klarkommt. Früher galt sie als anspruchslos. Mittelstarker Wuchs, Kronenaufbau gelingt gut, gibt einen schönen aber immer etwas lichten Baum, der leider nicht alt wird. Laub und Rinde mittelmässig gesund. Verträgt Hitze schlecht, benötigt gute Böden. Bewertung 2-3.

Birnen: Grosse Birnen in klassischer Form, manchmal sehr gross bei guter Kulturführung. Sehr schorfanfällig. Sie halten sich im Naturlager bis Weihnachten, in unserem Klima aber trotz Erntezeitverschiebung viel kürzer. Die letzten Jahre waren sie ganz unbrauchbar, bei Hitze taugen die Früchte nichts, werden griessig, Sonnenbrand, beulige Schale, Temperaturschwankungen mag sie auch nicht. Ansonsten Ernten im Oktober wenn sie noch hart sind. Lager muss trocken sein, sonst verstärkt Lagerkrankheiten. Im Aroma sind sie eher bescheiden, süss aber recht neutral und immer wieder Steinzellenprobleme. Der Zeitpunkt zwischen "hart" und "Matsch" ist frustrierend kurz. Heute nicht mehr wirklich anbaufähig. Bewertung 4-5.

Frühe von Trevoux

Frühe von Trevoux reift sehr folgernd

Baum: Früher eine beliebte Sommerbirne, versandfest. Sparrig wachsend, aber vital, keine Probleme. Aber nur bestenfalls mittelstark, für Quittenunterlagen fast zu schwach. Bewertung 2-3.

Birnen: Mittelgross, bei Überbehang klein. Die Sorte alterniert bei mir, tendiert zu Jahren mit Überbehang, dann wieder sehr wenig Blüten. Reife ab Anfang/Mitte August aber folgernd, was einen langen Erntezeitraum bringt. Sie ist schmelzend, aber nie richtig süss, immer deutliche Säure vorhanden für eine Birne. Die Aromen sind verhalten, nichts besonderes. Reift nicht gut nach, lagert sich aber bei Zimmertemperatur eine Woche, ohne gärig zu werden oder sofort zu zermatschen, wird langsam teigig. Bewertung 2-3.

Belle Epine Du Mas

Belle Epine du Mas pflückreif, ansonsten selten so rotbackig

Baum: Meiner war eine weitere von vielen Fehllieferungen von einem teuren Fachbetrieb mit einem Pomologen als Chef, bestellt hatte ich eine ganz andere Sorte. Immerhin ist "Dumas Herbstdorn" zum Glück wenigstens gesund, starker Wuchs, schöne Kronen mit langen, horizontalen Seitenästen, von weitem raumgreifend fast wie ein Apfel. Vom Baum her eine gute Obstwiesensorte. Bewertung 1-2.

Birnen: Fruchtansatz alterniert. Überbehang unbedingt vermeiden, sonst verzögert sich die ohnehin zu späte Reife. Mittelgross, sehr gleichmässige Grösse und Form, hübsche Farben. Klimatisch aber eher nach Südfrankreich passend. Wird selbst am warmen Südhang erst Ende Oktober pflückfähig, ist selbst dann selten so weit gereift, dass sie auch gut nachreift. Sie bleibt im Lager fest, wird nicht recht süss, hat manchmal sogar Gerbstoffkomponenten. Behalten habe ich sie aber trotzdem, denn sie erwies sich auch in diesem Zustand als erstklassige Kochbirne, gekocht zerfällt sie nicht und entwickelt ein kräftiges Birnenaroma, für Desserts tauglich und auch zum einmachen. Leicht zuckern, wenig Gewürze nehmen. Bewertung als Kochbirne 1-2, Tafelbirne 5.

Uta

Baum: Neuere Züchtung. Auf Quitte zu schwach, nur auf besten Böden. Wächst krumm. Holz ist gesund. Hitzeempfindlich, wenn zu heiss dann schwärzt das Laub und wird nekrotisch, auch die Birnen bekommen Sonnenbrand. Schlecht in den heutigen Sommern. Blüte erfriert leicht. Für hohe, eher kontinentale Lagen und gute Böden, anonsten nicht recht anbaufähig. Bewertung 4-5.

Birnen: Voll berostet. Wurden gerne im Bioanbau angebaut. Feste Früchte, etwas trocken, Grösse untere Mitte, bei Düngung und guter intensiv guter Kulturführung auch gross werdend. Aroma mässig vom Typ Boscs Flaschenbirne und etwas feuersteinartiges wie Madame Verte, das sind auch ihre Elternsorten, unverkennbar. Essbar ab Mitte Oktober oder früher, im Lager ein paar Wochen haltbar, ausser man kühlt. Hat keinen Vorteil gegen klassische Sorten. Bewertung 4.

Typische Blattschäden nach Hitze bei Uta


Köstliche von Charneux

Köstliche von Charneux auf Obstwiese

Baum: War in Norddeutschland sehr verbreitet und beliebt, auch wegen des Wuchses, sie passt überall hin und hat gute Erträge, klimatisch sehr anpassungsfähig. Braucht eine Weile, bis sie in die Gänge kommt. Dann wächst sie mittelstark, hoch und schmal, braucht wenig Platz. Mit Schnittaufwand lässt sich auch eine brauchbare Krone schaffen, sie will halt immer nach oben weg. Keine Krankheitsprobleme und anpassungsfähig an den Boden. Bewertung 3.

Birnen: Relativ grosse Früchte, erst grün, dann schmutziges Gelb. Ende September hart pflücken, der beste Zeitpunkt ist nicht einfach zu finden. Die Birne wird saftig und mittelgradig süss, aber mehr deshalb weil sie wenig Säure hat, nicht wegen hohem Zuckergehalt. Aroma hat sie wenig. Haltbar wenige Wochen, nur eine Herbstbirne, nett aber wenig Charakter. Ähnlich "Conference". Bewertung 2-3.

Vereinsdechant

Vereinsdechant recht variabel

Baum: Beliebte Sorte und früher auch Marktfrucht. Häufigste Elternsorte für allerlei Neuzüchtungen. Schwacher Wuchs, vergreist früh, besser nicht auf Quitte obwohl kompatibel damit. Rinde auch nicht sehr gesund. Alte Bäume kriegt man auch mit kräftigem Schnitt kaum mehr zum treiben. Ziemlich wärmebedürftig. Er trägt sehr regelmässig, aber nur wenig, wegen fehlender Maximalerträge aus dem kommerziellen Anbau verschwunden. Gute Hausgartensorte. Bewertung 4.

Birnen: Unscheinbare Farbe, Grössen sehr variabel, von klein bis riesig, nur bei guter Kulturführung brauchbare Sortierungen. Starker Wicklerbefall, aber kaum Schorf. Pflückreif bis Anfang Oktober, nach ein paar Wochen Lagerung Beginn der Essreife, die ein, zwei Monate andauert. Dann ist sie eine absolute Spitzensorte, butterartiges Fruchtfleisch, schmelzend, saftig und würzig, nicht ganz so blumig wie Williams Christ, geht aber in diese Richtung mit mehr Süss-Säureeindruck und muskatig, intensiv. Dafür muss aber Lager und Pflückzeitpunkt gestimmt haben. Note 1-2.

Williams Christ

Williams, die Edelbirne

Baum: Alte Sorte, war lang die häufigste kommerziell angebaute Birne. Nicht mit Quitte als Unterlage kompatibel. Wuchs mittel bis schwach, nicht ausladend, Seitenäste hängen gerne bogig. Auf ständige Verjüngung achten, dann bekommt man stabile, gut tragende Bäume. Braucht Luft und Sonne, sonst Schorf und Steinzellen. Regelmässiger, sehr guter Träger. Bewertung 2-3.

Birnen: Mittelgross, auf guten Böden gross, manchmal sehr gross. Grün, die Rotmutanten ("Red Bartlett") sind ausgesprochen minderwertig. Spitzensorte bis heute. Schorfanfällig, überdurchschnittlicher Wicklerbefall. Die Birnen sind zum richtigen Zeitpunkt geerntet nach ein paar Tagen essreif und dann von ausserordentlicher Qualität. Vollsüss mit feiner Säure mit einem intensiven Birnenaroma, das als Referenz für Birnen gilt und kaum zu übertreffen ist. Erreicht gute Zuckerwerte. Schmelzend, butterfein, leider nur wenige Tage. Gekühlt aber sehr gut haltbar, die Konsistenz verändert sich dann aber, sie wird mit der Zeit fest. Auch für alle Verwertungsarten tauglich, vor allem einkochen, trocknen und Obstbrand. Bewertung 1-.

Gräfin von Paris 


Nicht immer so berostet

Baum: In unserer Gegend die häufigste Winterbirnensorte, auch als Strassenbaum vielfach vorhanden, in warmen Regionen geliebt und geschätzt, jedoch nichts für kühle Gegenden. Baum braucht unbedingt guten und tiefen Boden, sonst bleibt er klein und vergreist früh. Luftoffene Lage wichtig, sonst Schorf. Trägt viel, manchmal zu viel. Blüte recht frostfest, trägt noch wenn andere Birnen versagen. Bewertung 3.

Birnen: Grösse mit deutlicher Streuung. Grüne Birnen in einem charakteristischen Farbton und Schalenstruktur, wenn man das mal gesehen hat verwechselt man sie nicht mehr mit ähnlichen Sorten wie "Pastorenbirne". Ernte hart Mitte Oktober, aber Mitte Dezember wird sie geniessbar und schmeckt dann recht süss, schmelzend, zermatscht nicht, leichtes Aroma, eine überaus angenehme Birne für den Winter. Etwas grobe Schale, also besser schälen. Ende Januar fängt sie an von innen zu teigen, wird braun und verdirbt. Ihre Lagerfähigkeit bei gutem Geschmack machte sie beliebt. Bewertung 1-2.

Conference

Conference, gutes Jahr, aber schon zu reif

Baum: In Europa die am häufigsten kommerziell angebaute Sorte, vor allem wegen der sehr hohen Erträge und der guten Lagereigenschaften in Kühllagern. Der Baum ist schmal, bringt keine langen Seitenäste, Wachstum schwach, trägt viel aber vergreist schnell. Rindenbrandanfällig. Reagiert empfindlich auf Trockenheit, dann auch absterbende Äste. Nur auf gutem, tiefgründigen Boden mit regelmässig Wasser. Verträge Hitze nicht, mehr was für Seeklima. Leicht Schorf, zur Reife hin immer starke Verpickschäden von Vögeln. Kein Hit in warmem Klima. Bewertung 5.

Birnen: Einheitliche Idealgrösse. Früchte grün, leicht berostet. Erntet man sie wie in den Plantagen, dann bereits Ende September, noch hart. Sie wird dann in den folgenden Wochen süss und ähnlich langweilig wie gekaufte Ware, nach Reifeeintritt immer weicher matschend. Herbstbirne. Man kann sie aber auch etwas länger hängen lassen und knapp vor Farbaufhellung ernten. Dann wird sie würziger, lecker, vollsüss, ist aber nur noch ein paar Tage haltbar. Ganz reif am Baum gelassen wird sie wie fast alle Birnen trocken und matschend. Bewertung 3.

Josefine von Mechelen

Baum: Schwaches Wachstum, schleudernde Triebe, unschön, braucht scharfen Schnitt. Vor allem, wenn sie nicht wachsen will - dann kräftig zurückschneiden. Äste eher dünn, will Aufmerksamkeit, sonst hängen die Triebe und sie schleudert sich immer weiter ins Chaos. Wie alle diese Schwächlingssorten nur für guten Boden. Gesund ist sie aber. Klimatisch eine der am breitesten anbaubaren Lagerbirnen und damit sehr wertvoll. Bewertung 4.

Birnen: Erst grün, dann trübes Gelb, nichts rotes, matt. Leider ziemlich klein. Spät im Oktober geerntet gehört sie zu den Lagersorten mit der längsten Lagerzeit, wird im Januar geniessbar, bis Februar, manchmal März, ist das Lager kühl auch länger. Süss, saftig, leichte Säure, teigt nicht von innen, ihr Aroma hat einen eigenen Ton, den aber nicht jeder mag. Bewertung 2.

Madame Verte

Die graue Madame, vollberostet

Baum: Alte Wintersorte. Mittelstark wachsend, gut für Quittenunterlage BA29 geeignet. Gibt schöne Kronen, die Sorte strebt nicht nur nach oben, sondern macht auch Breite. Gesundes Holz und Blätter. Blüte eher spät. Wächst in den meisten mitteleuropäischen Klimabereichen gut und braucht auch nicht besten Boden. Bewertung 2.

Birnen: Trübe berostet, breitbauchig, keine Schönheit. Früchte aber immerhin bis mittelgross und recht einheitlich. Sollte spät geerntet werden, der genaue Zeitpunkt ist aber schwierig, so richtig getroffen habe ich den nie. Die Birnen schmecken genussreif süss mit etwas Säure und haben ein deutliches eigenes Aroma, das ich als feuersteinartig empfinde, diesen Stil haben auch einige andere Sorten (Uta etwa), aber Madame Verte wohl am klarsten. Mag nicht jeder. Im Lager ist sie schwierig, anders als behauptet hält sie leider nicht bis Januar. Sie wird früh von innen her braun, obwohl die Nachreife noch nicht so weit ist, das wurde mir auch von anderen "Madame Verte" Besitzern bestätigt, das könnte eine Folge des neuen Wetters sein oder sie benötigt zwingend niedrigere Lagertemperaturen. Bewertung 3-4.

Boscs Flaschenbirne

Boscs Flaschenbirne, manchmal auch viel grösser

Baum: Heisst auch "Kaiser Alexander". Eher schwach, hängend, wild, braucht Schnitt und Erziehung. Gesund, auf schwächeren Böden gerade so anbaufähig. Obstwiesengeeignet auf besserem Boden. Bis in Höhenlagen gut. Sichere Erträge, Blüte frostbeständig. Bewertung 3-.

Birnen: Die meisten gross. Komplett braun berostet. Dadurch bester Pflückzeitpunkt kaum zu bestimmen, man muss immer wieder eine ernten, was nicht schwer fällt weil sie schon unreif sowieso von Vögeln verpickt wird. Typischerweise ist es Anfang Oktober so weit. Reif ist sie vorwiegend süss, melonig, grob und fest, wenig sonstige Aromen, etwas langweilig und auch nicht lang haltbar. Geeignet, um Stücke zu trocknen. Bewertung 3-4.


Margarete Marillat

Baum: Wächst auf arteigener Unterlage mittel bis schwach, benötigt guten Boden, erzeugt aber schöne Kronen ohne viel Pflege. Auch Höhenlagen gehen noch. Leider gleichzeitig ertragsunsicher und benötigt extrem lange, bis die Erträge überhaupt anfangen. Ein naher Befruchter scheint auch wichtig zu sein. Vielleicht auf starken Quittenunterlagen besser. Bewertung 4.

Birnen: Sehr gleichmässig wie kaum eine andere Sorte und ausgesprochen hübsch, es sind prächtige, wohlgeformte Schaubirnen. Eine Vorgartensorte, um mit schöner Optik zu erfreuen. Als Herbstbirne jedoch kaum haltbar, innere Qualität nur mässig. Knappreif melonenartig, sonst wenig Würze, süss und leer, auch nicht schmelzend, früh trocken. Rechtzeitige Ernte ist wichtig, sonst ist sie schon am Baum teigig und trocken. Verwertung eingeschränkt, auch als Einmachbirne nicht besser. Bewertung 4.

Sommermuskatellerbirne

Sommermuskateller - nicht
von mir, stimmt aber
Baum: Wie das Stuttgarter Geisshirtle eine der früher sehr verbreiteten Sommerbirnensorten, die man grösstenteils der Hutzeln wegen angebaut hat, aber auch frisch schätzte. Wächst bei mit nur schwach und nicht schön, will einfach nicht. Wie alle Sommerbirnen bis in Hochlagen geeignet, gesund. Bewertung 3.

Birnen: Mittelgross, schöne Farben, reif ab Mitte August, nicht haltbar. Leckere, gut gewürzte Birne, saftig, etwas Muskataroma, macht süchtig wie das Geisshirtle. Nicht haltbar, muss bald gegessen oder verwertet werden. Bewertung 2.

Sieben im Maul

Baum: Von allen Sommerbirnen eine der frühesten und kleinsten, früher wesentlich beliebter, heute fast vergessen. Der Baum wächst kaum, starb früh, deshalb etwas wenig fundierte Aussagen, keine Bewertung.

Birnen: Erscheinen alternierend. Sehr klein, süss, nicht schmelzend, nicht haltbar, nur kurz essbar zwischen fest und teigig. Leichter Gerbstoffgehalt. Kuriosität. Bewertung 3-4.  

"Sieben im Maul", fast reif im Hausgarten

Clara Frijs

Clara Frijs: Sieht sehr gewöhnlich ist, aber aber lecker.

Baum: In Dänemark verbreitet und im Erwerbsanbau, in Deutschland kaum bekannt, stammt aber vielleicht aus der Slowakei oder Südosteuropa. Tatsächlich wächst der Baum auch sehr gut im Nicht-Seeklima, mittelstark, verzweigt gut, die angebliche Schorfempfindlichkeit zeigt er bei mir überhaupt nicht. Bewertung 2.

Birnen: Grün, rundlich, knapp mittelgross, sieht auch bei Reife immer etwas unreif aus. Reife schwer zu bestimmen, am besten anbeissen. Oft schon Anfang September reif. Ist dann wie alle Herbstbirnen nicht wirklich lange haltbar. Die Birne ist enorm saftig, tropft aber nicht. Sie gehört zu den Birnen, die eigentlich kaum Aroma haben, aber trotzdem ungeheuer lecker sind und die man gerne in unvernünftigen Mengen isst. Vorwiegend süss, gerade so viel Säure dass die Süsse nicht penetrant wird, ein leckeres und erfrischendes Teilchen. Bewertung 2.

Gute Luise

Baum: Bei mir ziemlich schwach wachsend, will nicht so recht. Braucht wahrscheinlich deutlich besseren Boden mit gleichmässiger Wasserversorgung und weniger Kalk. Setzt Äste steil an, auch so eine Pappel. Deshalb und wegen ihrer universellen Verwendung war sie früher eine typische Hausgartensorte, sie braucht nicht viel Platz, ähnlich Köstliche von Charneux. Etwas schorfanfällig, aber noch im Rahmen des tragbaren. Bewertung 3-

Birnen: Schön, regelmässig, mittelgross, es gibt Klone, die mehr rote Farbe haben, meine zum Glück nicht. Zu pflücken irgendwann im September. Wird dann schmelzend, saftig, aber nur kurz. Das Aroma ist nicht stark, aber typisch für den melonenartigen Birnentyp. Ihr Süsse hat durchaus auch noch Säure, man kann sie als ausgewogen bezeichnen. Für alle Verwertungsformen. Bewertung 2-3.

Olivier de Serres 

Baum: Sehr schwachwachsend, komplett unbrauchbar auf schlechten Böden und auf schwachen Unterlagen. Wächst wirr, vergreist schnell. Oft Ertragsausfall. Benötigt warmes Klima. Bewertung 5-.

Birnen: Bergamotteform, also mehr rundlich-beulig, ein gilbiges Grün mit oft roter Backe. Ums Kernhaus griessig, bei schlechtem Wetter insgesamt grob. Mehr auf der Säure- statt Zuckerseite. Schmelzend. Ihren Wert zieht sie aus ihrer langen Haltbarkeit, aber anders als in der Literatur nicht bis April, sondern eher Februar. Bewertung 3.

Mostbirnen

Welsche Bratbirne 

Baum: Most- und vor allem Schnapsbirne. Mittelstarkes Wachstum, die Wuchskraft geht schon früh zurück. Besser nur auf guten Böden. Klimatisch aber auch in kühlen Lagen anbaufähig. Ergibt gerade Bäume ohne grosse Pflege. Im Alter mit Rindenschäden, möglicherweise ist auch Rindenbrand die Ursache. Vergreist früh. Unsicherer Träger, oft Ertragsausfälle. Wenn sie mal mehr trägt, hat sie im Folgejahr nichts.

Birnen: Typische Mostbirnengrösse, grün, reif Anfang Oktober. Erreicht erstaunliche Zuckergehalte, in heissen Jahren über 90° OE, ansonsten immer noch recht gute Werte. Mittlerer Gerbstoffgehalt, leichte Würze, aber nicht essbar, für reinsortigen Most zu gerbstoffhaltig. Muss gemischt oder reduziert werden. Früher vor allem für Obstbrände verwendet. Könnte nach Gerbstoffreduktion ("schwitzen lassen") gute Sektsorte sein, wie alle Bratbirnen.

Schweizer Wasserbirne

Baum: Kann grosse Bäume ergeben, wächst anfangs stark. Früher lange gesund und alt werdend, heute leider eine typische Sorte, die unter Birnenverfall leidet. Auf keinen Fall mehr auf "Kirchensaller"veredeln, die das stark begünstigt. Ansonsten sind die Bäume gesund und schaffen erstaunlich hohe Erträge, in den letzten Jahren aber aufgrund des neuen Wetters immer mehr Ausfälle nach frühem Austrieb und nachfolgend Frostereignissen. Früher eine der häufigsten Sorten für Most.

Birnen: Typische Mostbirnengrösse, grüngelb, reif im Oktober, man kann sie schütteln wenn die Reife beginnt, dann sofort sammeln und verarbeiten. Essbar, nur wenig Gerbstoff, kaum Aroma, sehr süss weil wenig Säure, erreicht trotzdem nur selten 60°OE, meist nur knapp über 50. Ergibt vollsüssen, erstklassigen Saft, mit guter Ausbeute, gemischt mit Zitrone eine echte Leckerei. Dieser Saft ist auch kommerziell interessant und wer ihn probiert hat, schwärmt davon, wenn er auf Süsses steht. Vergoren wird er etwas hohl und nicht lange haltbar, aber ideal zum zumischen bei säurereichem Obst. Für Obstwasser zu wenig absolute Zuckerwerte, aber dörren geht.

Bayerische Weinbirne 

Baum: Häufig, da an Wegrändern gerne im Gemeindeauftrag gepflanzt. Dort ohne Schnitt ganz anständige Bäume, aber licht und auch nie recht gesund, Totholz, Rindenschäden, dürre Spitzen bei Stress. Trägt regelmässig, aber nicht viel.

Birnen: Relativ gross für eine Mostbirne. Reif im Oktober, wird als Fallobst aufgesammelt. Leicht zu viel Gerbstoff für Genuss. Mit etwas Gerbstoffreduktion gut für Saft, schmeckt aber leicht und dünn, nicht ganz das Niveau der Schweizer Wasserbirne.

Sonstige

Wie bei den Äpfeln gibts noch mehrere weitere Sorten, die aber noch nicht oft genug getragen haben, für die zu wenig Informationen vorhanden sind. Das sind unter anderem die Feigenbirne von Alencon, Petersbirne, die Champagner Bratbirne und noch mehr Mostbirnen, Jeanne d Arc Birne, Aromaspur, Kirgizskaja Zimnaja, die späte gute Luise. Die Edelcrassane erst neu gepflanzt.

Mittwoch, 19. März 2025

Schweres Gerät im Garten


Motorhacke im EInsatz, Boden schon zu trocken

Im Herbst, im Frühjahr wird es oft nötig im Nutzgarten: Das allseits ungeliebte, kreuzbrechende Umgraben des Bodens. Und auch, wer nicht tief umgräbt, sondern nur oberflächlich hackt, hat einiges vor sich. Schwerer Boden, verfilztes Unkraut, restliche Winterbegrünung, verdichteter Boden, Boden und Arbeit sind hart. Wer dann noch grössere Flächen auf entsprechenden Böden vorbereiten will, kommt an Leistungsgrenzen. Ich zumindest, ein Gartensupermann mit viel Zeit vermutlich weniger. Der Leichtbodengärtner hat da gewisse Vorteile. Über Vor- und Nachteile der Bodenbearbeitung oder Nichtbearbeitung solls aber heute nicht gehen, ich wende da sowieso verschiedene Systeme an, auch Mulchwirtschaft ohne regelmässige Bearbeitung, vor allem im Aussengarten komme ich aber um Hacken nicht herum, die tiefgründigen Bodenverdichtungen des schweren Bodens sind zu übel.

Für den Hausgarten gibt es allerlei Elektrogeräte, die einem die Arbeit erleichtern. Elektrische Bodenhacken sind das Stichwort. Die Geräte taugen leider nicht viel, sind sehr schwachbrüstig, kratzen vor allem auf schwerem Boden nur an der Oberfläche, haben geringe Arbeitsbreiten und ein langes Stromkabel braucht man auch. Akkugeräte sind gleich mal dreimal so teuer, schwerer, die billigen haben eine lächerlich schwache Leistung und sehr kurze Arbeitszeiten, bis der Akku leer ist. Für mich sind diese Geräte (zu 100% aus China) ein richtig mieser Betrug, Elektroschrott.

Vorbereitung: Rad gegen Hackmesser tauschen

Ausserhalb der Hausgartens mit seinem Stromanschluss im Wohnhaus gibt es nach wie vor keine sinnvolle Möglichkeit, Akkuhacken zu verwenden. Selbst die Firma Stihl, die voller Inbrunst und Fortschrittlichkeit von der Umstellung auf Akkugerät predigt, hat zwar allerlei Geräte auf Strom umgestellt, aber keine einzige ihrer Motorhacken. Motorleistungen von über 4 PS, oft auch deutlich mehr sind unumgänglich, das säuft jeden Akku superschnell leer. Nur bei leichtem Boden geht weniger.

Letzte Woche habe ich auch "umgeschort" - mit einer kräftigen Motorhacke, die ich seit zwei Jahren habe. Dazu später mehr. Die Flächen wurden einfach zu gross und die Arbeit zu schwer. Über diese Erfahrungen soll es heute gehen. Randparameter sind schwerer Lehm als Boden, sogenannter Minutenboden, der überhaupt nur kurz bearbeitungsfähig ist. Er hat nur kurze Zeit zwischen extrem klebrig-schmierig und ausgehärtet bockelhart. Wie geht man vor, was leistet so ein Ding?


  • Der Feuchtezustand des Bodens ist so wie bei der Handhacke entscheidend für den Hackzeitpunkt auch bei der Motorhacke. Auch bei leichterem Boden. Ideal sind zwei Tage nach Regenfällen mit >20mm. Der Boden muss tief feucht sein, aber bereits wieder gut drainiert. So kommt man mit der Hacke etwas tiefer, rotiert nicht in Schmiere herum, aber vermeidet die Härte von zu trocknem Boden. Wichtig auch: Es dürfen keine neuen Regenfälle angesagt sein. Denn dann wird das eben umgehackte Unkraut gleich wieder anwachsen. Nachfolgend trocken, warm, windig ist optimal.
  • Zugewickelte Hackmesser
  • Vorarbeit ist wichtig. Hat man das Gerät vor Ort und betriebsbereit, muss der der Boden vorbereitet werden. Am besten mit einem breiten Rechen abrechen, so dass lange Grasreste, die trockenen Kürbisrankenreste, die langen trockenen Maisblätter weg sind. Sonst wickelt sich das Zeug schnell um die Haken und man muss es bald mühsam wieder herausziehen, weil das Gerät dadurch nicht mehr runter in den Boden kommt.
  • Vorarbeit 2: Mit der Hacke. Eventuelle Grasbüschel aushacken. Heutzutage in den milden Wintern leider normal geworden. Die wachsen sonst nach der Motorhackenbehandlung sehr leicht wieder an, auch bei Trockenheit.
  • Langsam über die Gartenfläche
  • Anwerfen, loslegen. Die Reihen langsam hackend abschreiten. Langsam! Langsam! Langsam! Die Hacke soll nicht flott über den Boden schrappen, sondern die obere Erdschicht hacken, um brechen, kleinmachen. Sie muss sich etwas "einwühlen".
  • Normalerweise muss man mehrmals über dieselbe Fläche gehen, jedenfalls auf festem Boden. Einmal hacken reicht selten.
  • Trottet man in kurzen Schritten hinterher, verdichtet sich der Boden dort gleich wieder. Beim letzten drübergehen also besser grosse Schritte machen.
  • Ende. Am Besten jetzt wieder ein paar Bretter in den geschorten Beeten auswerfen, drübergehen und ringsum alle sichtbaren umgehackten Unkrautbüschel aus der Erde klauben.
  • Kennzahlen: 100qm Fläche in 20 Minuten, wenn man öfter drüberfährt und schweren Boden hat. Am besten geeignet für Flächen von 100-1000qm.

Auf einem Stück Garten wurde zwei Jahre nichts angebaut. Das war so verfilzt und bewachsen, dass man zwei- oder sogar dreimal hacken musste, im Abstand von wenigen Wochen. Nach einer Aussaat dann nochmmal mit einer schweizer Pendelhacken das zwischenzeitlich aufgegangene Unkraut absäbeln.

Es gibt auch Unkraut, das nach der Motorhacken schlimmer wird, weil Wurzelstücke erst recht verteilt werden. Dazu gehört kriechender Hahnenfuss, Ackerwinden und Giersch. Dann Vorsicht. Das ist eher was für ein Jahr mit Kulturen mit Vliesabdeckung.

Nachteil: Anhänger benötigt.

Tja, und das Gerät? Nach viel herumsuchen habe ich mir eine kräftige Hacke der Firma Hecht gekauft.  Die Gründe waren:

  • Äusserst preisgünstig, hergestellt weitgehend in der EU, machte qualitativ trotzdem einen robusten, guten Eindruck
  • Leistungsstarker Motor für meinen schweren Boden
  • Enorm viel Zubehör. Räder, Metallräder, Kartoffelpflug, andere Pflugtechniken, Egge...
  • Sehr flexibel. Kann auch fahren, hat unterschiedliche Arbeitsbreiten.

Sie hat sich bewähnt, aber andere Marken hätten das vielleicht auch. Im Detail zeigen sich freilich immer irgendwelche Probleme. So verbiegt sich vordere Rad leicht, zu schwach konstruiert. Das Getriebe scheint mir nicht ausgereift, und ohne Anhänger ist sie nicht transportabel. Aber sie lässt sich leicht anwerfen, ist sparsam, läuft bislang zuverlässig und schont meinen Rücken.

Donnerstag, 6. März 2025

Obstneupflanzungen 2025

Auch in dieser Saison gilt: Nur wer pflanzt, der bleibt. Wer nicht nachpflanzt, hat bald nichts mehr. Abgänge und Sorten, die unerwartet gravierende Nachteile zeigen schaffen Lücken beim Obst. Und Abgänge gibts viele: Das veränderte Wetter fegt das meiste von dem weg, was die letzten 500 Jahren gut funktioniert hat. Aber Lücken zu füllen ist gleichzeitig eine der schönsten Dinge im Hobbyobstbau. Neue Sorten, neue Versuche, neue Erfahrungen.

Die grossen Neupflanzaktionen sind allerdings vorbei. Nachdem meine Flächen die Hälfte der älteren Bäume eingebüsst haben, Hauptursache ist die Rindenbrandkatastrophe, dort bereits in den letzten Jahren neue Sorten gepflanzt wurden, sind die Lücken nicht mehr gross. Auch selbst veredelte Gehölze gibt es dieses Jahr keine, anders als die letzten Jahre. Dieses Jahr also nun neu von Herbst bis jetzt:

Apfel Kantil Sinap

Äpfel Kandil oder Kantil Sinap, Obstsortenausstellung

Damit hoffe ich, die erstklassigen Erfahrungen mit Äpfeln aus dem kontinentalen Südosteuropa fortzusetzen, die sich bisher alle als klar überdurchschnittlich tauglich für die neuen klimatischen Verhältnisse zeigen. Kantil Sinap stammt vermutlich aus der Ukraine, ist optisch interessant, geschmacklich ein guter, lagerfähiger Tafelapfel der schon seit 150 Jahren in Mitteleuropa bekannt ist. Er blüht zudem spät und die Blüte soll Frost gut aushalten. Spätblüherapfelsorten habe ich schon viele, heutzutage eine Eigenschaft wichtiger denn je. Die befürchtete erhöhte Anfälligkeit der Spätblüher gegen Feuerbrand ist bisher ausgeblieben.

Apfel Berlepsch

Und zwar nicht der überall viel häufiger verbreitete minderwertige rote Berlepsch, sondern das besserschmeckende Original. Zugegeben, der ist ein dünnes Brett, denn die Sorte ist erwiesen rindenbrandanfällig. Aber er ist so gut! Gepflanzt auf gutem Boden, nicht ganz vollsonnig, mit Bodenfeuchte und Weissanstrich hoffe ich auf rindenbrandfreie Jahre. Auch diese Sorte hatte ich schon - dachte ich. Bis sich bei der ersten Ernte herausstellte, dass es eine Fehllieferung war, die nur wertlose, kleine mehlige Herbstäpfel brachte, die bei heissem Wetter platzten. Komplett daneben. Nächster Versuch.

Birne Edelcrassane

Während der letzten Pflanzungen blüht die Wiese
bereits - Scilla bifolia, Blausterne, hier heimisch

Toller Name, was? Nach mehrfacher Lieferung mit erwiesen falschen Sorten (die Kulturerrungenschaft guter Birnen ist so ziemlich verloren gegangen), Problemen mit Unterlagen, Ausfällen in Trockenjahren ist das wieder eine Birne, die hoffentlich etwas lagerfähig ist. Sie benötigt guten Boden, den hat sie an ihrem Platz, mild ist es dort zudem. Lagerbirnen sind Königsklasse und sehr, sehr schwer anzubauen bei unseren Bedingungen. Wegen des Bodens nur auf Quittenunterlage, dann haben sie aber oft viel zu schwaches Wachstum. Etwas zu ernten klappt selten. Eine Sorte ging an Rindenbrand drauf, alle haben starke Probleme mit Vögeln, die die Früchte unreif verpicken. Aber es gibts nichts Herrlicheres wie mitten im Winter saftigsüsse, aromatische Birnen, deshalb versuche das weiter.

Pfirsich Harnas

Auch den hatte ich schon. Die Baumschule hat ihn vor Lieferung stark zurückgeschnitten. An diesen Schnittstellen drangen im letzten Moniliajahr aufgrund des anhaltend kalten Frühlingsnieselwetters so stark Moniliapilze ein, dass der Baum sofort Stück für Stück mit Gummifluss und welken Blättern abstarb. Steinobst nicht im Winter schneiden, schon gar nicht Jungpflanzen mit kleiner Krone!

Die Pflanze jetzt macht einen besseren Eindruck. Harnas ist aus Kanada (Kreuzung aus Cresthaven und Harbinger), reift früh, trägt viel, hat grosse Früchte, ob die Blüte dieser Sorte so frostfest ist wie behauptet wird sich zeigen.

Mandel Robijn

Neue Mandel vor Trockenmauer

"Robijn" ist eine Mandel-Pfirsichhybride mit Kernen, die optisch nach einer Mischung aus Mandel und Pfrisich aussehen, aber gut schmecken sollen. Ihr Vorteil liegt in Selbstfruchtbarkeit und relativ frostfester Blüte. Sie steht auf steinigem Grund mit viel Kalkschotter. Mandeln lieben das und wachsen bei mir erstaunlich gut, vorausgesetzt es sind moniliafeste Sorten und sie stehen auf starker Unterlage. Eine "Ferraduel" ist in wenigen Jahren 5m hoch geworden, blüht herrlich, duftend, wunderschön, blieb gesund, leider wird sie nicht befruchtet, die Hoffnungen dass das einer der viele Pfirische oder Aprikosen in der Nähe schafft, haben sich leider zerschlagen. Der Sex klappt nicht, Null Fruchtansatz trotz Prachtblüte in frostfreien Wochen. Deshalb nun eine weitere Mandel, vielleicht befruchtet sie "Ferraduel", auf jeden Fall aber sich selbst.

Mandel "Thürheimer"

Und noch eine Mandel, keine echte Sorte, sondern ein Zufallsfund aus Thürheim, Landkreis Dillingen. Die Blüte soll auch mittlere Fröste aushalten und fruchten. Das kann ich gut brauchen. Ausserdem erhöht sie die Befruchtungschance für die anderen Sorten. 

Quitte Uspech

Für einen Steilhangabschnitt, dort wo die vielen anderen Quittensorten stehen, die ich bereits habe. Die Sorte soll sehr hohe Zuckergehalte erreichen und sehr spät reifen - auf dem Südhang und in unserem Klima überhaupt kein Problem. Der Zuckergehalt ist für Saft und zum brennen willkommen. Quitten gehören zu den ganz wenigen Gewinnern der Wetterveränderungen, wie schon oft bemerkt. Die Neupflanzungen zeigen sich sehr überlebenfähig, wachsen auch in Trockenjahren an. Steht wie die meisten anderen Sorten auf arteigener Unterlage BA29, sehr zu empfehlen. Keinesfalls Weissdorn nehmen.

Quitte Hemus

Feigen am Hang

Eine bulgarische Sorte mit feinem Fruchtfleisch, soll auch roh gegessen etwas taugen und sie soll gut lagerfähig sein. Lagerfähig war bei mir bisher noch keine Quitte. Damit sind alle Pflanzplätze für Quitte belegt - immerhin zehn Sorten und nur eine ist in einem Trockenhitzejahr nicht angewachsen.

Feigen Dottato und Ronde de Bordeaux 


Ein Feigenversuch auf der Obstwiese. Am Haus im Ort wachsen und fruchten (oft) sie schon seit Jahren. Auf der Wiese hatte ich bereits einen Steckling unbekannter Sorte, der aber jedes Jahr immer weit zurückgefroren ist. Nun kommen zwei erwiesen sehr kältefeste Sorten und sie werden direkt vor eine Trockenmauer und in eine Trockenmauerlücke gepflanzt. Der Pflanzplatz ist sowieso nicht anders nutzbar, also kann man sich solche Versuche leisten. Feigen in Sorten sind mittlerweile sehr gängig, leicht und preiswert zu bekommen, da lohnt sich kaum die eigene Stecklingsanzucht.

Samstag, 22. Februar 2025

Eigenschaften von Apfelsorten - die lange Liste

Winterzeit im Garten ist auch mehr Lesezeit. Es gibt endlos Listen und Bücher über Eigenschaften von Apfelsorten, von Instituten, Engagierten, Pomologen, Vereinen, generiert, kopiert, allgemeine und individuelle Erfahrungen. Listen mit wirklich eigenen Erfahrungen gibt es, sie sind etwas seltener. Hier kommt mein Scherflein dazu als eigene Liste, alle Bäume habe ich oder hatte sie mal - ganz subjektiv, ganz aus der Praxis. Wenn nicht anders genannt, bezeihen sich die Beschreibungen auf die Standorte meiner Obstwiesen. Gestaltet als Dauerliste, wenn neue Erkenntnisse hinzukommen wird ergänzt. Alle Bilder von mir, von meinen Bäumen.

Charakteristika: Winter im Temperaturdurchschnitt, früher Austrieb, Spätfrostlage weil aus den nördlich gelegenen Höhenzüge Kaltluft abfliesst. Im Sommer heiss, immer in der Liste der Orte mit den höchsten Spitzentemperaturen im Land. Südwesthänge, das bedeutet: Noch heisser. Jahresniederschlagssumme etwas unterdurchschnittlich, allerdings mit starker Schlagseite auf dem Winter, im Sommer dagegen sehr trocken, dann auch kein Oberflächenwasser. Wenig Sommergewitter, fast nie Hagel. Die sommerlichen Westlagen bringen wenig Niederschlag weil Regenschattenlage, in den sehr seltenen Südostlagen kommt manchmal heftiger Starkregen bis hin zur Katastrophe.

Boden: Flachgründiger kalkhaltiger schwerer Boden, ph 7,1, darunter eine zähe Tonschicht und dann Muschelkalkplatten. Ehemaliger Weinberg in Randlage, Hang. Baumscheiben mit Pferdemist freigehalten und gedüngt. 2x Wiesenmahd. Keine Wühlmäuse, da Mauswiesel nachgewiesen.

Es werden Schulnoten 1-6 vergeben, Note 1 ist sehr gut. Auch die Noten sind rein subjektiv zu werten, es ist meine Meinungen und keine ausgedachten Kompromisse zwischen verschiedenen Ansichten. Die erste Note bezieht sich auf die Qualitäten des Baums, Krankheitsanfälligkeit Holz und Laub, Pflegeaufwand. Die zweite Note ist eine Verkostungsnote, wenn der Sommer- und Herbstapfel frisch, der Winterapfel nach guter Lagerung im Naturlager gegessen wird.

Die Sorten

Goldparmäne am Baum

Goldparmäne

Baum: Wuchs mittel bis schwach, etwas licht. Hochanfällig für Rindenbrand. Drei Bäume sind deshalb abgestorben, jung wie alt. Auch einige Abkömmlingssorten sind sehr anfällig. Benötigt ausserdem guten Boden, den er bei mir nicht hat. Bewertung: 5

Äpfel: Auf Hochstamm nur maximal mittelgrosse Äpfel. Sonnenbrandanfällig. Nicht lange in den Winter hinein lagerfähig, es sind mehr Weihnachtsäpfel. Ausgewogener Stil, das Aroma ist spezifisch nussig, lässt aber auf dem Lager schnell nach, auch die Saftigkeit und Frische halten sich nicht lange. Er ist geschätzt, aber überbewertet, ein Teil der traditionellen Sympathie kommt daher dass er früher zu den Hochertragssorten gehörte. Erzeugt bei mir leichte Allergiesymptome im Mund. Bewertung: 2-3.

Idared

Baum: Stärker, gut verzweigend. Etwas Obstbaumkrebs und mittelalte Bäume auch Rindenbrand. Wird auch gerne vom Weidenbohrer befallen. Blattschorf. Aber insgesamt recht robust und gutmütig, auch bei Schnittfehlern. Bewertung: 3-

Äpfel: War mal Marktobst. Oft grosse Äpfel, auch auf grossen Baumformen. Überdurchschnittlich schorfanfällig. Sehr schöne Optik, ein Schneewittchenapfel, leuchtend rot polierbar, innen weiss. Sehr gut haltbar, vor allem in Folienhaubenlagerung. Aroma eigenständig, aber nur schwach, rosenartig, wenig Zucker und wenig Säure, wirkt leichtgewichtig im Mund, Fruchfleisch ganz leicht zäh, bricht nicht schön. Bewertung: 2-3.

Idared


Gloster

Kiste mit Gloster

Baum: Nicht so problematisch wie die Elternsorte Glockenapfel, aber immer noch sparrig und schwierig. Sorgt man gut guten Kronenaufbau, ist er als grosser Hochstamm tauglich und steht auch auf Obstwiesen gut da. Obstbaumkrebs, Blutlaus, Rindenbrand mittelstark. Bewertung 4

Äpfel: 20 Jahre lang Marktobst, auch heute noch selten. Schorfanfällig. Lagerfähig bis Februar, aber schon lange vorher hohes Risiko von Kernhausschimmelbefall. Bei guter Kulturführung können die Äpfel recht gross werden auch auch oft glasig innen, was manchen Leuten wegen der entstehenden bonbonartigen Aromen sogar gefällt. Bei Überbehang sehr kleine Äpfel, bei schlechter Belichtung viele Früchte ohne Farbe und mit noch weniger Aroma. Zucker mässig, wenig Säure. Typisches aber schwaches Aroma, verliert im Normallager ab November an Saftigkeit. Bewertung 2-3.

Gloster Hochstamm

Glockenapfel

Glockenapfel. etwas gelagert

Baum: Schwieriger Wuchs. Sparrig, Seitenäste oft steil angesetzt, anonsten will er vor allem in die Höhe. Wehe, wenn er zu viel geschnitten wird und Schosser treibt - er ist berüchtigt für engstehende Schosserwälder. Auf symmetrische Kronen achten, er wächst sich gerne selbst in kräftige Ungleichgewichte hinein. Gesund ist er nur teilweise, auch er bekommt Rindenbrand. Hohe Frosthärte als einzige Plus, deshalb früher bis in Höhenlagen beliebt. Bewertung 5

Äpfel: Anfangs ziemlich fest. Kaum Schorf, gelb, wenig Deckfarbe, Varianz zwischen gross und klein stark, auch die Fruchtformvarianz ist gross. Risiko von Kernhausschimmelbefall. Lagerfähigkeit sehr unterschiedlich, mit Regenflecken in Tallage keine drei Monate, aus luftiger Höhenlage und ohne Pilze auf der Schale problemlos bis April. Aroma sehr typisch, hat man in einen gebissen, erkennt man es immer wieder. Bei Ernte heftig sauer mit spitzer, zitroniger Säure, die sich im Verlauf der Lagerung stark abbaut. Mittlerer Zuckergehalt, aus kühler Lage nur niedrig und den ganzen Winter über im Lager sauer bleibend. Bewertung 3.

Brettacher

Brettacher am Baum

Baum: Siehe https://gartenzone.blogspot.com/2021/04/brettacher-der-winter-und-fruhlingskonig.html . Triploide Sorte, starkes und schönes Wachstum, einer der problemlosesten Sorten auch auf schlechtem Boden. Nie der Rekordhalter, aber bei allen Krankheiten überduchschnittlich gesund. Trägt immer. Nichts für schwache Unterlagen, da wird er stippig. Bewertung 1-2

Äpfel: Bis 1960 Marktobst, heute als Saftapfel empfohlen. Er hat aber eine starke Liebhaberbasis, die ihn als Tafel- und Küchenapfel ausserordentlich schätzt. Mässig schorfanfällig. Erstklassig lagerfähig im Naturlager bis April, bleibt lange saftig, legt noch an Qualität zu. Erst viel Säure, dann milder, Zuckergehalt aus kühlem Klima niedrig, warme Klimate mittelhoch. Herrliche gelbrote Optik, wachsig, attraktiv, Fruchtfleisch weiss. Aroma wie Riesling, keine Blumigkeit, aber spielende, spritzige Säure, die man entweder hoch schätzt oder ablehnt. Andere verachten ihn als Säuerling. Er spaltet das Publikum. Sehr persönliche Bewertung 1-2.

Neue Orleans Renette

Neue Orleans Renette

Baum: Als "Orleans Renette" verkauft, in Wirklichkeit die triploide "Neue Orleans Renette", eine Kreuzung aus königlichem Kurzstiel und Orleans Renette. Kräftig, lange Äste, da triploid. Bekam früh und stark an mehreren Stammstellen Rindenbrand, der sich stetig ausbreitete. Hat keine Zukunft im neuen Sommerwetter. Bewertung: 5-6

Äpfel: Grosse Äpfel, etwas berostet, die im Mund mit unangenehm langen Stücken brechen. Hoher Zuckergehalt, aber auch gute Säurewerte. Haltbarkeit nie geprüft. Nicht sehr saftig. Die echte Orleans Renette hat angeblich Zitronataroma, an der Neuen ist das nicht feststellbar. Das Aroma ist unspezifisch, eher leicht nussig. Bewertung 3-4.

Ontario

Ontario

Baum: Schwach bis Mittelstark wachsend, geht aber etwas sehr in die Höhe, könnte besser verzweigen. Im Holz nicht sehr frostfest, was die letzten jahre zum Glück kein Thema mehr war, früher aber durchaus. Sehr rindenbrandsanfällige Sorte, auch anderen Krankheiten nicht abgeneigt. Wird nicht sehr alt. Bewertung 5

Äpfel: Waren früher wegen ihrer Lagerfähigkeit und guter Erträge sehr geschätzt, wurde dann aber aus gutem Grund stark vom Brettacher abgelöst. Die Äpfel sind breit, haben einen violetten Schimmer und sind beduftet. Ihre gute Lagerfähigkeit hat sich in meiner Lage nicht bestätigt, sie faulen auch früh. Essbar sind sie eigentlich erst ab Januar, vorher haben sie zu viel unangenehm spitze Säure. Aroma gibt es nicht. Wenn man sie nicht lange lagern kann, sind sie entbehrlich. Bewertung 4-5.

Jonagold

Jonagold mit etwas Russtau

Baum: Mittelstark wachsend, leicht hängend, aber gut verzweigt. Eine der wenigen kommerziellen Neuzüchtungen, die durchaus auch als Hochstamm bestehen können, kommt sogar mit etwas schlechterem Boden klar. Deutlich gesünder in Holz und Blatt wie der Elternteil Golden Delicious, allerdings mittelstarker Rindenbrandbefall, sonnenbrandempfindlich, braucht auch Durchlüftung - robust ist er nicht zu nennen. Zu warm ist nicht gut, besser fürs milde, aber nicht warme Lokalklima. Bewertung 3-4

Äpfel: Bis heute eine beliebte kommerzielle Sorte. Rund, schön, Idealgrösse, schorfanfällig - für offene Lagen. Neuere Klone sind stärker gefärbt, haben aber deutlich weniger Aroma. Früchte werden bei mir bevorzugt von Vögeln verpickt. Essbar ab Baum, dann sind sie prall, sehr saftig mit einem an Golden Delicious erinnernden Aroma, jedoch etwas weniger blumig, mehr apflig und eine schönere Säure. Vom Hochstamm ohne Überbehang wesentlich bessere Äpfel wie aus intensiven Plantagen. Sie lagern sich auch erstaunlich gut, es heisst "bis Weihnachten", aber bis Februar/März ist bei mir kein Problem. Dann sind es Süssäpfel, immer noch saftig. Ein Problem sind jedoch Allergiesymptome, nicht so stark wie bei Golden Delicious, aber vor allem in warmen Jahren deutlich. Wer sie verträgt: Bewertung 2.

Golden Delicious

Golden Delicious - keine Obstwiesensorte

Baum: Schwacher Wuchs, nur für guten Boden und freie Lage. Äste mit Tendenz zum hängen. Versagt völlig auf schlechteren Böden oder schlechter Wasserversorgung. Bäume werden nicht alt, vergreisen früh. Schon der Ur-Baum wurde nicht sehr alt. Stark rindenbrandanfällig und auch andere Holzkrankheiten setzen ihm zu. Keine gesunde Sorte, auch die Blätter nicht, gar nichts. Bewertung 5-6.

Äpfel: Bis heute gut bezahltes Marktobst. Grün, dann goldgelb, aber sehr schorf- und regenfleckenkrankheitsanfällig. Von grösseren Baumformen bleiben sie klein, auf schwachwachsenden Unterlagen ideale Mittelgrösse. Im Naturlager bis Februar. Wird dann weich und etwas schmierig, das Aroma wird blass. Frisch aus extensivem Anbau ohne Überbehang ist er immer noch eine der blumigsten Spitzensorten, süss bis vollsüss bei hohem Zuckergehalt und niedrig bis mittlerem Säureghalt. Aus Plantagen viel schwächer. Das Aroma geht Richtung Banane, Anis, auch leicht birnig. Ich kann leider keinen Apfel ganz essen, denn es ist die Sorte mit den stärksten Allergiesymptomen überhaupt, was auch Bekannte bestätigen. Lässt man Allergie beiseite: Bewertung 1-2.

Zabergäu Renette

Zabergäu Renette

Baum: Triploide Kreuzung aus Kassler Renette und Goldparmäne. Mittelstark wachsend, schön, bringt auch auf schlechteren Böden gute Ernten und kommt mit wechselnder Feuchtigkeit zurecht. Leider bei mir nicht mehr anbaufähig, da sehr stark rindenbrandanfällig, wie die Elternsorte Goldparmäne. Nur noch in kühleren Lagen pflanzen. Bewertung 5.

Äpfel: Je nach Jahreswetter zwischen vollberostet und gelbrot teilberostet (warme Trockenjahre). Mittelgross bis gross. Nicht lange saftig. Kann sehr hohe Zuckergehalte erreichen. Auch ein sehr guter Küchenapfel. Süss, kräftig, feuersteinartiges Aroma, haltbar bis April im Folienhaubenlager https://gartenzone.blogspot.com/2018/11/apfel-und-birnen-lange-lagern-ohne.html , sonst Februar. Sieht oft noch lange gut aus, ist aber innen abgebaut. Bewertung 2-.

Schwaikheimer Rambur

Schwaikheimer Rambur / Lohrer Rambur

Baum: Heisst auch Lohrer Rambur. Starkwachsend. Triploid. Gesund, wächst auch weiter wenn der Stamm schon im hohen Alter innen hohl wurde. Kommt mit schlechten Böden zurecht. Bewertung 2

Äpfel: Starker Vorfruchtfall. Wenig Schorf. Fest. Schön, gross, glänzend, frisch geerntet auch gut, aber etwas Gerbstoffgehalt. Sie lassen dann sehr schnell nach und es gibt Verluste im Lager, dass es mehr ein Saftapfel ist. Das steht in vielen Büchern anders und dort ist er besser lagerfähig - in meiner Praxis nicht. Bewertung 4.

Wintertaffetapfel

Baum: Schwachwachsend, frühe Vergreisungsprobleme. Etwas Obstbaumkrebs. Alterniert. Bewertung 4.

Äpfel: Wenig Schorf, breitkugelig, grün, im Lager gelb. "Taffet" ist ein altes Wort für Wachs, das passt sehr gut zu seinem Schalenstil. Saftapfel. Aber auch lagerfähig bis März und lange geniessbar. Aroma schwach, alles an dem Apfel bleibt blass, aber auch nicht schlecht zu nennen. Bewertung 3-4.

Wintertaffetapfel am Baum

Gala Royal Tenroy

Gala

Baum: Bekannte kommerzielle Sorte aus Neuseeland, die aber eine grosse Bandbreite hat, weil mehrere Klone im Anbau sind. Mittel- bis Starkwachsend, nur für schwache Unterlagen. Alterniert, wenn man nicht sehr früh ausdünnt. Sollte trotzdem gut behangen sein, das bremst das Wachstum. Braucht viel Schnitt. Rindenbrand stark, vor allem wenn er zu wenig Wasser hat. Kann aber auch gedeihen. Das Laub ist gesünder wie die Rinde, aber nie ganz gesund. Bewertung 4-

Äpfel: Bei meinen Klonen auf gutem Boden gross (nur wenn kein Überbehang), schön. Lagerfähig bis maximal Weihnachten. Etwas grobfleischig, leicht zäh und zunächst hart, aber sehr saftig und mit schöner, voller Würze von Anfang an, deutlich besser wie von den Plantagen. Im Lager wird er süss bis übersüss, ein Dessertapfel der satt macht. Bewertung 2-.

Roter Bellefleur

Baum: Wächst mittel. Blüht sehr spät. Bekam leider schon als Jungbaum kräftig und heftig Rindenbrand, starb dann komplett ab. Sowas ist sinnlos im heutigen Klima. Bewertung 6.

Äpfel: Wenig geerntet. Relativ gross, sehr lange lagerfähig, etwas süsslich, wirken leer. Früher zählte er zu den Sorten, die am längsten lagerfähig waren. Bewertung 3-.

Zuccalmaglio

Zuccalmaglio

Baum: Wächst schwach, trägt aber zuverlässig, muss ausgedünnt werden bei Überbehang. Gesund in Holz und Laub. Für mindestens mittelstarke Unterlagen im Hausgarten bei gutem Boden. Bewertung 2-3

Äpfel: Etwas unscheinbar, Grün, dann gelb, verwaschenes Rot. Teils rauh. Maximal mittelgross. Lagern sich bis max. März. Erst zu hart, dann angenehm, harmonisch, leichte Gerbstoffe vorhanden. Ein spezielles Aroma wird beschrieben, aber ich merke wenig davon. Bewertung 2-.

Rebella

Rebella im letzten Jahr ohne Schorf

Baum: Anfangs sehr starkwachsend. Als eine der wenigen Re-Sorten für Hochstamm geeignet. Mit etwas Schnitt zu bändigen, macht lange Seitenäste. Gesundheit ist mit den Jahren schlecht geworden, wie fast alle Re-Sorten heute. Bekommt mässig bis stark Rindenbrand, Laubgesundheit schlecht. Schorfreistenz schon länger komplett durchbrochen, Blätter und Früchte nun sehr schorfanfällig. Bewertung 5.

Äpfel: Schorfig in den meisten Jahren. Hängen fest, faulen auch gerne schon unreif. Üben auf Vögel eine seltsam hohe Anziehungskraft aus, werden verpickt und zerhackt, vor allem rote Äpfel. Grösse Mittel, auch viele untergrössige Früchte. Hier nur ein Herbstapfel, kurz haltbar. In dieser Zeit ist er okay, etwas würzig im Golden Delicious Stil, saftig, doch er wird schnell mürbe und gärig. Sofort versaftet ist er ein guter Saftapfel. Bewertung 3+.

James Grieve

James Grieve

Baum: Kräftig wachsend, lange Äste, licht. Will trotzdem guten Boden. Holzgesundheit in mehrfacher Hinsicht schlecht, Mehltau, sehr massiv Rindenbrand und Krebs. Wie Goldparmäne nicht mehr anbaufähig. Blätter wenig besser. Bewertung 5-6

Äpfel: Ein Herbstapfel, mittelgross, an älteren Bäumen kleiner.  Nicht lange haltbar. Trägt gut, aber Überbehang tut ihm nicht gut. Säuerlich, leichtes Cox Orange Aroma, nur kurz ausgewogen. Bewertung 3.

Gewürzluiken

Gewürzluiken

Baum: Mittel wachsend, ergibt aber nur auf sehr gutem Boden grosskronigen Bäume, dafür braucht es auch ausgeglichenen Wasserhaushalt. War eine sehr häufige und beliebte Sorte in Württemberg, wahrscheinlich jahrzehntelang die zweithäufigste Sorte. Holzgesundheit mittlerweile schlecht, bekommt kräftig Rindenbrand, auch die Laubgesundheit nicht besonders gut. Bewertung 5.

Äpfel: Charakteristisch blau beduftet, typische dunkle rote Farbe mit Streifen, innen weiss, ein schöner Apfel, manchmal ziemlich gross werdend, dann stippeanfällig. Hält sich bis maximal Februar. Anfangs säuerlich, etwas grob, dann zwei Monate lang auf der Höhe, charakteristisch mit eigenem Aroma würzig bei wenig Säureabbau, noch saftig, schliesslich weich und nicht mehr saftig. Ab Januar oft mit Gärton. Bringt guten Most, Saft und Brände. Hat man ihn mal gegessen, erkennt man ihn immer wieder an seiner speziellen beerigen Würze, für die er geliebt wird. Bewertung 2.

Patricia Bionda

Patricia Bionda mit Russtau

Baum: Wächst mittel, dünntriebig, etwas sparrig und zu licht, macht zu wenig Knospen. Ist eine Lubera-Züchtung und wie fast alle ihre Züchtungen irgendein Abkömmling aus einer Re-Sorte für die Lieferung von Resistenzgenen und einem typischen Kommerzapfel wie Golden Delicious. Gesundheit im Holz ist okay, Blattgesundheit aber mies, oft früher Blattverlust mit Verfärbungen, wenn wirklich Golden im Stammbaum ist, können auch noch weitere unangenehme Überraschungen. kommen. Bewertung 3-.

Äpfel: Wenig Schorf. Klein bis mittelgross. Grün. Grosses Kernhaus, wie ein Glockenapfel. Extrem stark anfällig für Russtaupilze und Regenfleckenkrankheit, sieht dann sehr hässlich aus und muss abgebürstet werden: https://gartenzone.blogspot.com/2025/01/regenfleckenkrankheit-am-kernobst.html . Zur Ernte viel zitronige, spitze Säure und hart, aber auch Zucker, erinnert in der Säurestruktur an Glockennapfel. Nach zwei Monaten verschwindet die Säure fast schlagartig und der Apfel wird süss, zu säurearm, leer. Ein Hauch Würze von Golden Delicious. Verursacht bei mir Allergiesymptome. Einen Monat später fault er zuverlässig im Normallager von aussen her. Es kann aber gut sein, dass er wie der Glockenapfel von einem kühleren Standort viel aromatischer und länger haltbar ist. Untauglich bei mir. Bewertung 4.

Piros

Piros am Baum
Baum: Neuere DDR-Sorte. Schwach bis mittelstark wachsend. Geht auch auf stärkeren Unterlagen, auch wenn der Wuchs unsymmetrisch und sparrig ist. Bislang ziemlich gesund in allen Belangen. Leicht Rindenbrand, aber es bringt ihn nicht um. Von den vielen Pi-Züchtungen sicher eine der gelungensten. Bewertung 2.

Äpfel: Wenig, aber immer etwas Schorf. Ist auszuhalten. Äpfel für einen Frühapfel gross, grün und rot, mit Streifen, hübsch für einen Frühapfel. Reift kurz nach Klarapfel, aber ist tatsächlich ein paar Wochen haltbar. Für den sommerlichen Apfelhunger bis zur ersten Herbstsorte. Er ist schön saftig, spitzig, sommerfrisch mit deutlicher Säure, aber viel angenehmer wie Klarapfel. Bewertung 2+.

Pilot

Baum: Wächst schwach. Kommt auf mittelstarker Unterlage bei mir nicht in die Gänge. Verzweigt gerade, aber nicht gut. Gesund ist er. Fruchtansatz lässt auch zu wünschen übrig. Bewertung 3.
Pilot, Pillnitzer Stein

Äpfel: Auch "Pillnitzer Stein" genannt. Klein, bockelhart. Erst nach langer Lagerung essbar, wenn man ihn erntet glaubt man kaum, dass der jemals schmeckt. Kein Schorf, Optik unauffällig. Eine Langlagersorte fürs Naturlager ohne viel Aroma und auch nicht sehr saftig. Aber durchaus von Wert im Vergleich zu anderen Langlagersorten. Gut im Frühjahr ab März, wenn in Stücke geschnitten serviert, dann zeigt er seine Qualitäten. Bewertung 2, aber nur wer ihn auch lange genug lagern kann.

Georg Cave

Baum: Ein Schwächling. Für mich ein Rätsel, weil es eine triploide Sorte ist, die eigentlicht stark wachsen sollte. Tut er aber einfach nicht. Braucht mindestens mittelstarke Unterlage und/oder guten Boden mit guter Wasserführung. Schnittbedürftig zudem, dünntriebig. Aber gesund in Holz und Blatt. Bewertung 4.

Äpfel: Klein, in Ordnung, unauffällig. Der Wert des Apfels liegt in seiner frühen Reife, es ist ein früher Sommerapfel ab Anfang August, der wesentlich besser wie der Klarapfel schmeckt. Etwas säuerlich, aber lecker. Bewertung 2.

Roter von Simonffi

Roter von Simonffi

Baum: In Österreich und Ungarn verbreitet. Mittelstark wachsend, im Alter schwächer, ergibt schöne, beherrschbare Kronen. Aussergewöhnlich gesund, noch keinen Rindenbrand beobachtet trotz schwierigster Lage auf steinigem, heissem Südhang. Das ist aussergewöhnlich und erfreulich. Auch kein Krebs oder Blutläuse beobachtet. Einer der wenn nicht der gesündeste aller Rosenäpfel. Geht auf allen Unterlagen, schwachwachsend hat man grössere Äpfel, mittelstark schöne Bäumchen mit wenig Pflegeaufwand, gute Flächenerträge ohne Pfahl. Hat aber oft zu starken Fruchtansatz, dann sind die Äpfel klein und er alterniert. Dann früh von Hand ausdünnen. Reichblühend, wenig empfindlich für Blütenfröste. Bewertung 1-2.

Äpfel: Vom Typ Rosenäpfel oder Zigeuneräpfel in Österreich, bei normalem Behang mittelgross bis klein, ansonsten nur klein. Die Äpfel sind eine Schau, oft vollständig dunkelrot gefärbt, leicht beduftet. Man kann sie polieren, dann sehen sie aus und glänzen wie Kunstprodukte. Innen grünlichweisses Fruchtfleisch, nicht hart, anfangs saftig, aber schnell überaltert. Haltbar bis maximal Weihnachten. Säuerlichmild mit einer eigenen Variante des typischen Rosenapfeltons nach Blütenblättern, Hagebutten, irgendwie "rosig". Das ist nicht stark, aber angenehm, leider nur kurz bevor er abbaut. Bewertung 2+.

Klarapfel

Kiste mit Klaräpfeln

Baum: Am Anfang mittel, dann schwach wachsend, ergibt nur kleinkronige Bäume. Anfällig für alles, auch nicht zu knapp mit Rindenbrand. Nicht auf schwacher Unterlage. Trotz allem trägt er relativ zuverlässig, auch Gefahr des Überbehangs. Guter Befruchter. Bewertung 5.

Äpfel: Dürften ziemlich bekannt sein. Grün, dann gelblich bei Vollreife. Starke Grössendifferenz, es gibt kleine Äpfel und Riesen. Reift folgernd ab Ende Juli, unter den etwas älteren Sorten der erste neue Apfel im Sommer. Zwischen ungeniessbarem Säuerling und mehligem Weichling liegen gefühlt nur Sekunden. Er ist nicht haltbar, schon einen Tag nach dem Optimum zeigt er Abbauerscheinungen. Typische Verwendung ist Apfelmus und Zutat für allerlei eingekochte Produkte, auch Marmeladen oder auch frisch gepresster Saft, wenn einen die Säure nicht stört. Bewertung 5-6 als Tafelapfel. Nur zur Verarbeitung: 2-3.

Roter Boskoop

Schöner von Boskoop, eine der Rotmutanten

Baum: Wie grüner Boskoop. Triploid, stark wachsend, lange horizontale Astabgänge. Etwas anfällig für Rindenbrand, auch für Krebs. Grosse Blätter und Blüten. Laub gesund. Guter Boden gefällt ihm, kommt aber entgegen der Literatur erstaunlich gut mit trockenen Lagen zurecht. Alterniert zwischen Überbehang und schwachem Behang. Bewertung 4.

Äpfel: Gross, meine Mutante (es gibt viele davon) produziert viele "windschiefe" Äpfel. Etwas berostet, sehr oft mit Wicklerbefall, massiver Vorfruchtfall, immer guter Behang von dem dann wenig übrigbleibt. Den Vorfruchtfall kann man auch verwerten. Die Äpfel sind sortentypisch fest, mittel bis viel Säure, vom Aroma des grünen Originalboskoops bleibt leider nicht viel. Für gute Tafelqualität fehlt es auch an Saftigkeit. Ein Apfel mehr für die Verarbeitung, dafür ist er gut, auch der Saft ist recht gut. Bewertung als Tafelapfel 3-4, zur Verarbeitung 1-2.

Maunzen

Maunzenäpfel

Baum: Sehr schöne, gesunde Bäume auch ohne viel Schnitt. Ausgesprochen gesund. War früher häufig, auch ein beliebter Stammbildner. Anpassungsfähig an Klima und Lage. Kommt zwar recht spät in Ertrag, trägt dann aber regelmässig. Bewertung 1-2.

Äpfel: Auch schön, mittelgross, aber gutes Saft- und sehr gutes Gärmostobst. Dafür sind sie erstklassig geeignet. Die Früchte haben guten Polyphenolgehalt, gute Ausbeute, der Saft ist ausgewogen. Direkt probiert als Tafelobst hart und kaum essbar, unangenehm. Als Tafelapfel 6, Bewertung für Saft 1-2.

Jakob Fischer

Jakob Fischer. Folgernde Reife zu sehen.

Baum: Starkwachsend, triploid. Früher ein sehr frostharter, gesunder Baum auch für höchste Lagen, sogar als Unterlage verwendet. In wärmeren Gegenden eine Katatrophe. Rindenbrand stark, alle möglichen anderen Probleme, verträgt Trockenheit überhaupt nicht. Ich hatte grosse Bäume, die jahrelang überhaupt nicht mehr getragen haben, Blütenfrost erwischten sie immer. Nur für Lagen oberhalb 500m. Einen hatte ich auf 1000m bei Verwandten, wirkte dort wie eine völlig andere (und gute) Sorte. Bewertung in meinen Lagen: 5-6.

Äpfel: Gross, breit, prächtig. Schöne rote Backe. Aber schorfanfällig. Es gibt einen sehr kurzen Zeitraum kurz vor Vollreife am Baum, in dem dieser Herbstapfel fantastisch schmeckt, ungeheuer saftig, weinig, man kann gar nicht genug von ihm essen. Davor ist er zu sauer, danach baut er sehr schnell ab, bleibt noch eine Zeitlang ein mürber Kuchenapfel. Bewertung 3.

Französische Goldrenette

Französische Goldrenette

Baum: Etwas mehltauanfällig, sonst gesund. Wächst mittel. Schnitt ist wichtig, sonst wächst er schleudernd, erst sauber formieren, dann früh damit beginnen, ihn zu verjüngen. Bisher alles gesund. Oft wenig Fruchtansatz, bildet etwas unwillig Fruchtspiesse mit Blüten. Bewertung 3+.

Äpfel: Schöne Äpfel, viel Rot, mittelgross. Frisch vom Baum essbar, dann mit einzigartiger, sehr harmonischer und ausgeprägter Fruchtsüsse, einem beerigen Eigenaroma, saftig, zart, echte Spitzenware die sich geschmacklich auch vom Supermarktstil sehr abhebt. Leider baut er auf dem Lager recht schnell ab, wird dann trockener und einfacher. Maximal ein Weihnachtsapfel. Manchmal Vorfruchtfall und Stippe. Aber der Geschmack, das Aroma! Sollte man mal probiert haben. Bewertung 1-2.

Rosenapfel vom Schönbuch

Rosenapfel vom Schönbuch

Baum: Wächst schwach, Laub oft krank (besonders mit Blattschorf), unklare Rindenprobleme, auch der Wuchs oft wirr, eng, ungut. Stark schneiden, für Luft, Licht und guten Kronenaufbau sorgen. Bewertung 4-5.

Äpfel: Meist flächig in dunklem Rot, aber kräftig schorfanfällig in nicht lufttrockenen Lagen. Klein bis bestenfalls mittelgross. Weihnachtsapfel, sieht schön aus, ist aber nicht haltbar. Bekommt zudem oft schwarze Flecken, die Äpfel können dadurch bitter schmecken. Das Aroma ist frisch recht gut, Rosenapfelaroma, süssfrisch, leichte Blume, dann aber bald trockner, weicher, hohler. Früh pflücken, Ende September, das verlängert die gute Phase ohne allzuviel Aromaeinbussen. Bewertung 2-3.

Gravensteiner

Baum: Kräftig wachsend, gesund, gelingt auch auf ärmeren Böden, gute Anbaubreite, gut auf allen, auch schwachen Unterlagen. Bislang keine Rindenkrankheiten festgestellt, Blätter durchschnittlich gesund. Es gibt die Variante "Roter Gravensteiner", der nicht ganz so gesund ist. Alle Gravensteinervarianten zeigen Vorfruchtfall und sind gegen Reife hin windempfindlich. Bewertung 2.

Äpfel: Mittel bis gross. Bei mir sonnenbrandempfindlich. Vorrangig grün mit leichten Streifen. Die Rotmutante ist kräftiger gefärbt, aber nicht schöner, er wirkt optisch nicht gerade attraktiv. Herbstapfel. Rechtzeitig geerntet, am Hochstamm gewachsen ist der grünlichere Originalgravensteiner aber erstaunlich lange haltbar, bis nach Weihnachten. Die roten Gravensteiner halten lange nicht so gut. Geschmack sehr ausgewogen wenn reif, saftig, etwas grobzellig, das Aroma ist stark "apfelig", wie Apfelessenz, auch der Duft ist charakteristisch stark. Bereits der Vorfruchtfall ist verwendbar. Wenn es ihn auf Märkten zu kaufen gibt, ist er fast immer zu früh geerntet, weil die Anbauer keine Verluste durch den Vorfruchtfall wollen. Man kann ihn dann essen, aber er hat nicht die Qualitäten, für die er gerühmt wird. Danach sollte man ihn nicht bewerten. Bewertung 1-2, der rote Gravensteiner 2-3.

Siebenkant

Siebenkant am Baum

Baum: In Mitteleuropa selten, durch Arche Noah Österreich wieder populärer gemacht. Der Baum wächst mittelstark bis stark, ist in Holz und Blatt überaus gesund und problemlos, schönes Wachstum auch in weniger guten Verhältnissen, eine typische Wiesensorte. Er hält Hitze aus und wächst auch in kühlen Lagen, aber für bessere Qualitäten benötigt er gute Wärmesummen. Bewertung 1-

Äpfel: Mittelgross, grüngelb, kaum rote Farbanteile, nur überhaucht. Hübsch und regelmässig. Viele aufgehellte Punkte auf der Schale, hat typische Kelchkanten. Kein Schorf bisher festgestellt, aber Vorfruchtfall. Zur Ernte sauer, fest, im Lager aber ab Spätwinter süsser, gewinnt an Aroma. Stilistisch ein Apfel wie der Brettacher oder die Champagner Renette, lange weinsäuerlich, spitzig und saftig. Das gilt auch für seine klimatischen Voraussetzungen. Wenn man diesen Rieslingstil mag, ist man auch beim Siebenkant richtig und schätzt ihn sehr. Für Liebhaber süsser Äpfel ist er ein Säuerling. Seine Verarbeitungsqualitäten habe ich noch nicht durchgetestet, für Saft ist er jedenfalls sehr gut geeignet, auch die Zuckergehalte sind gut, etwas höher als Brettacher. Bewertung 1-2.

Bittenfelder am Baum

Bittenfelder

Baum: Starkwachsend. Kräftig, kann dicke Stämme und hohes Alter erreichen. Neuerdings aber mit Rindenbrandproblemen und das nicht zu knapp. Ausserdem eine grosse Bandbreite, da er vegetativ vermehrt wird, ist nach wie vor häufige Unterlage für starkwachsende Bäume. Bewertung 3-4

Äpfel: Ebenfalls grosse Bandbreite. Gelb, manchmal mit rotem Hauch, sehr hart, mit etwas Gerbstoff, schmeckt nicht. Aber ein erstklassiger Saft- und Mostapfel, der je nach Klon so gute Zuckerwerte erreichen kann, dass man die Maische zweimal auspressen kann. Andere Klone sind nichts besonderes. Ein paar Wochen Lagerung schadete ihm nicht. Als reiner Saftapfel Bewertung 2+

Bohnapfel 

Baum: Grosse, landschaftsprägende Bäume, die auch weit in die Höhe gehen. Braucht kaum Pflege. Gesund und konkurrenzstark, oft die letzte sichtbare Sorte, die in sterbenden Obstwiesen übrig bleibt. Bewertung 1-2

Äpfel: Massenträger. Charakteristische kleine Form, fassförmig, typischer knopfiger Stiel. Hart, säuerlich, vom Baum herunter kaum essbar, nur in Notzeiten als Tafelobst gegessen, dann aber lange haltbar. Typischer Saft- und Mostapfel, Aromaträger mit kräftigem Apfelaroma. Als reiner Saftapfel Bewertung 2+.

Kassler Renette

Baum: Vielleicht aus dem damals niederländischen Cassel (haben sich dann die Franzosen geholt), nicht dem deutschen Kassel. Sehr alte und früher beliebtere Sorte, oft im Stammbaum anderer Sorten. Kräftiger Wuchs, dicht, strebt nach oben, gesundes Holz und gesunde Blätter. Bewertung 2

Äpfel: Je nach Sommerniederschlägen klein bis gross, optisch nicht schön, teilweise berostet, etwas ungleich. Bei der Ernte hart. Wird dann im Lager weicher und auch besser. Wird mürbe, aber bleibt saftig, hat Renettenaroma. Erstklassig lange lagerfähig, braucht aber feuchte Lagerluft, sonst schrumpft er. Auch eine Sorte für Folienhaubenlagerung. Bewertung 2.

Champagner Renette

Äpfel Champagner Renette

Baum: War mal Hauptsorte in Südtirol im 19. Jahrhundert, heute noch für Apfelobstwasser geschätzt. Wächst schwach an Anfang an, nicht so schwach die Ananas Renette aber doch sehr gebremst. Ergibt nur mittelgrosse Bäume, abhängig vom Boden. Auf guten Kronenaufbau achten. Blüht spät und lang, entgeht deshalb Spätfrösten besser. Gesunder Baum, aber hohe Ansprüche an die Lage, benötigt gute Wärmesummen und lange Vegetationszeit. Bewertung 1-2

Äpfel: Von vitalen Bäumen mittelgross, manche auch gross, breitgedrückt, von alten Bäumen auch kleinfrüchtig. Gelb, wachsig, wenig roter Hauch. Deutliche Ähnlichkeiten mit ihrem Abkömmling Brettacher, nur die Schalenfarbe ist heller und das spezifische Gewicht etwas höher. Der Apfel ist etwas fester und markiger, reift ein bis zwei Wochen nach Brettacher, erst Mitte Oktober. Dann ist er sehr saftig und weinsäuerlich, spitzig, das Aroma apflig aber nicht duftig, in der Rieslingtypgruppe mit Brettacher, Siebenkant. Zuckergehalt in gutem Klima höher als Brettacher, essbar ab Weihnachten, erstklassige Lagerfähigkeit im Naturlager bis Mai, auch für Saft und Schaumwein erstklassig. Sehr persönliche Bewertung 1-2 - aber Vorsicht, von diesen Rieslingäpfeln ist man hingerissen oder man lehnt sie ab.

Parkers Pepping

Parkers Pepping

Baum: Schöner Baum, Wuchs mittelstark bis stark, eine der alten Sorten die auch gut auf schwachwachsenden Unterlagen werden. Alterniert. Wächst auch auf schlechten Böden und ist klimatisch breit anbaubar. Keine Krankheitsprobleme, kein Schorf. Bewertung 1-2.

Äpfel: Ist ein vollberosteter Lederapfel, goldgrau. Selten Spuren von Deckfarbe. Grösse varaibel, auch immer sehr kleine Äpfel dabei, im Durchschnitt untere Mitte. Reift hier ab Ende September, hängt aber noch teilweise noch lange fest und bekommt dabei hohe Zuckergehalte, dann aber nicht mehr lagerfähig. Der Apfel ist anfangs saftig, lecker, deutliche weinige Säure aber auch süss, wird dann schnell trockener, weicher. Hat etwas Würze, geht Richtung Zabergäu Renette. Optisch bleibt er schön wenn man mit feuchter Lageratmosphäre sein schrumpfen verzögert, geschmacklich wird er aber mehr zum Küchenapfel. Bewertung 2-3.

Pinova

Kiste frisch geerntete Pinova

Baum: Schöner, gesunder Baum, funktioniert auch anders als oft behauptet als Hochstamm, dann etwas licht und kleinere Äpfel. Schmale Blätter. Kaum Schorf. Für einen Abkömmling von Golden Delicious recht gesund. Bewertung 2

Äpfel: Hübsch, Grundfarbe gelb, mit schön kontrastierenden roten Backen. Fruchtfleisch gelblich. Die Äpfel sind eher klein, es muss aber einen Trick geben, die Fruchtgrösse kräftig zu steigern, kommerzielle Plantagen schaffen das. Reif wird er im Oktober, im Naturlager bis Weihnachten haltbar, der Säure- und Aromaabbau macht ihn schon vorher geschmacksleer. Die Äpfel sind relativ fest, typisch für eine Kommerzsorte, langbrechend, saftig, süss, das Aroma hat Anklänge der Elternsorte Golden, erzeugt leider bei mir starke Allergiesymptome, wie die Elternsorte. Bewertung 3-4.

Weitere Sorten

sind Berner Rosen, Fleiner, Wintergravensteiner, Stina Lohmann, Admiral, Geheimrat Breuhahn, Edelrenette, Ananas Renette, Ribston Pepping, Krüger Dickstiel, Kandil Sinap, Ametyst, Edelborsdorfer, Herbstrenette, Jucunda, sieben weitere Säulenapfelsorten und mehr - davon habe ich aber noch zu selten geerntet, um viel drüber zu erzählen. Die Erfahrungen von zwei Jahren oder weniger reichen nur für rein anekdotische Zufallsbeobachtungen.



Berner Rosen